ANALYSE: Tipico Bundesliga Tor-Analyse II

via Sky Sport Austria

Im ersten Teil unserer Tipico Bundesliga-Toranalyse haben wir letzte Woche einen allgemeinen Blick auf die Entstehung der bisher gefallenen Tore über die gesamte Saison hinweg gemacht (Tor-Analyse I).

 Wir stellten dabei fest, dass Standardsituationen sehr hohe Wichtigkeit zukommt. Aus dem laufenden Spiel fallen die meisten Tore aus Kombinationen, gefolgt von Umschaltspiel. Aus Kick and Rush Angriffen fallen direkt zwar wenige Tore, oft wird dieser Angriffstyp aber genutzt, um in die gegnerische Hälfte zu gelangen. In der Folge fallen dann oftmals Tore aus Kombinationen oder Umschaltmomenten. Gegenpressing hingegen hat als Torentstehungskategorie keine Relevanz.

In unserem heutigen Beitrag widmen wir uns den einzelnen Mannschaften. Naturgemäß streuen die Torentstehungs-Häufigkeiten zwischen den Mannschaften sehr stark, da unterschiedliche Trainer auch unterschiedliche Spielanlagen verfolgen. Die folgende Tabelle gibt einen detaillierten Überblick zu den Torentstehungen der einzelnen Teams.

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Prozentuelle Verteilung aller bisher gefallenen Tore in der Tipico Bundesliga je Mannschaft. Farblich markiert sind Gruppen von Mannschaften mit ähnlichen Torentstehungs-Mustern (siehe unten). *Aufgrund des frühen Trainerwechsels bei Sturm Graz wurden nur die Tore unter Trainer Foda berücksichtigt.

Versucht man die Tipico Bundesliga-Mannschaften bestimmten Typen zu zu ordnen, wie sie zu Torerfolgen kommen, dann lassen sich 3 unterschiedliche Torentstehungs-Muster identifizieren:

Muster BLAU (die „Ausgeglichenen“) umfasst die Mannschaften Admira, Altach, Ried und Sturm. Sie alle schießen die meisten Tore über Standardsituationen. Einen großen Anteil macht außerdem das Kombinationsspiel aus, wesentlich ist aber auch das Umschaltspiel (bei Admira sogar gleicher Anteil von Kombinations- und Umschalt-Toren). Bei Admira und Altach spielt mit 16 bzw. 14 Prozent außerdem noch Kick and Rush eine größere Rolle bei direkten Torentstehungen. Bei Ried entspricht diese Kategorie interessanterweise bloß dem Liga-Schnitt, obwohl die Innviertler bekannterweise oft das Spiel auf den zweiten Ball forcieren – sie machen aber verhältnismäßig wenige Tore daraus. Erstaunlich ist, dass Sturm Graz (berücksichtigt wurden nur die Tore unter Trainer Foda) kein einziges Tor aus den Kategorien Kick and Rush und Gegenpressing erzielten. Foda forcierte nach Amtsübernahme verstärkt das Umschaltspiel und es gelang ihm, danach ein gutes Kombinationsspiel zu entwickeln (https://www.skysportaustria.at/bundesliga-at/analyse-sturm-graz-und-die-foda- bilanz/). Dementsprechend hoch sind die Anteile in diesen Kategorien.

Muster GRÜN (die „Kombinierer“) ist von einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Kombinations-Toren geprägt. Die Vertreter dieses Musters sind Salzburg, Rapid, Grödig und die Austria. Umschalt-Tore sind bei diesen Teams zwar auch eine relevante Kategorie, liegen aber weit hinter den Toren nach Kombinationen. Tore nach Standardsituationen sind bei Grödig und Austria leicht unter dem Schnitt, bei Rapid und Salzburg hingegen stark darunter. Gerade bei Rapid ist dies eine interessante Entwicklung, da noch letzte Saison weit mehr als die Hälfte aller Hütteldorfer Tore nach Standards gefallen sind.

Überraschen mag, dass die Grödiger ähnliche Torentstehungs-Muster zeigen, wie die bekannt spielstarken Salzburger und Rapid. Erwarten würde man sich wohl, dass sie eher viel mehr über lange Bälle oder Umschaltsituationen zum Torerfolg kommen. Es ist aber Fakt, dass die Baur-Elf den zweithöchsten Anteil an Kombinationstoren hat (39%) – und damit gleichauf mit Rapid ist. Salzburg führt diese Kategorie mit 49% an. Dies ist überhaupt der mit Abstand höchste Wert von allen Anteilen über alle Kategorien und Mannschaften hinweg. Das unterstreicht die spielerische Überlegenheit der Salzburger in der Liga. Interessant ist dieser Aspekt außerdem, da die eigentliche Spielanlage der Salzburger auch viele lange Bälle vorsieht und speziell dem Gegenpressing viel Wert zugeschrieben wird. Mit 5% Toren nach Gegenpressing hat Salzburg hier tatsächlich den höchsten Anteil aller Mannschaften – dennoch entspricht dies nur jedem 20. Tor – und ist somit zu vernachlässigen! Selbst wenn man noch einen genaueren Blick auf die Salzburger Torentstehungen wirft und sich die Verteilung ansieht, wie Salzburg das Spiel in die gegnerische Spielhälfte verlagert (in obiger Tabelle nicht enthalten), bleibt Salzburg in der heimischen Meisterschaft eine Kombinationsmannschaft. 72% aller Salzburg-Tore haben ihren Ursprung im Kombinationsspiel! Die Hütter-Elf muss also wohl nur gegen stärkere Mannschaften in den europäischen Bewerben die Mittel langer Ball, Spiel auf den zweiten Ball und Gegenpressing bemühen.

Die Wiener Austria ist ebenfalls in der gleichen Kategorie wie Salzburg zu finden, was die Verteilung bezüglich der Torentstehungen betrifft – freilich, mit viel weniger absolut geschossenen Toren (weniger als die Hälfte). Der verhältnismäßige Vergleich mit Salzburg ist überhaupt überraschend ähnlich. Die Austria erzielt prozentuell wesentlich weniger Tore über Kombinationen und macht diese stattdessen über Standards. Die Prozentzahlen für Umschalt-, Kick and Rush- und Gegenpressing- Toren sind hingegen fast ident. Nimmt man diese Statistik als Grundlage, so war die Spielanlage unter Trainer Baumgartner dem heimlichen Vorbild (der mittlerweile abgelöste Trainer sprach oft von „Balljagen“, „hohen Ballgewinnen“ etc. – ähnlich dem Spielstil der Salzburger) überraschend ähnlich. Die Erfolglosigkeit der Violetten in der laufenden Meisterschaft kann hiermit an der fehlenden Dominanz bei eigenem Ballbesitz festgemacht werden. Verhältnismäßig, vor allem aber auch absolut gesehen, konnten sie nach strukturierten Kombinationsangriffen viel zu wenige Torerfolge verbuchen.

Muster ORANGE (der „Umschalt-König“ und der „Kick and Rush-Kaiser“) wird von den Mannschaften Wiener Neustadt und Wolfsberg gebildet. Charakteristisch für diese Teams ist, dass sie die höchsten Anteile an Standards-Toren der gesamten Liga haben und die wenigsten Tore über Kombinationsangriffe schießen. Beinahe jedes zweite Tor wird bei beiden Teams durch oder nach Standardsituationen erzielt, aber nur fast jedes sechste Tor nach Kombinationen bei Wolfsberg und gar nur knapp jedes siebente Tor bei Neustadt.

Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Mannschaften: Während Wolfsberg bei den Umschalt-Toren genau im Liga-Schnitt liegt, hat Neustadt in dieser Kategorie den mit Abstand höchsten Wert (41%). Wiener Neustadt schießt also mehr als vier von fünf Toren entweder über Standards oder Umschaltsituationen. Den Anteil, den Wolfsberg im Vergleich zu Neustadt weniger an Umschalt-Toren schießt, erzielen sie nach Kick and Rush-Angriffen. Die Kühbauer-Elf kommt über Kick and Rush nicht nur zu überverhältnismäßig vielen Torerfolgen, sondern setzt dieses Mittel auch generell bei weitem am häufigsten ein, um den Ball in die gegnerische Hälfte zu befördern (25%; dieser Wert ist in obiger Tabelle nicht enthalten). Berücksichtigt man also alle Kick and Rush-Aktionen in der gesamten Entstehung bei den Wolfsbergern, so erzielen sie fast jedes zweite Tor in dieser Kategorie.

In der nächsten Woche wollen wir mit einem Mannschafts-spezifischen Blick auf die erhaltenen Gegentore die Serie der Tipico Bundesliga Tor-Analysen abschließen.

 

Beitrag von: Roland Leser und Stephan Helm