Make your Move #15: Die neue Lockerheit

von Gerfried Pröll

Seit rund einem Jahrzehnt ist Enis Murati eine herausragende Erscheinung in der heimischen Basketball-Szene. Der Go-to-Guy der Swans ist zu einer Gmundner Galionsfigur geworden und setzt die Tradition von Hütter, Mayer & Co. nahtlos fort. Abgesehen davon ist der gebürtige Kosovare längst eine Stütze des österreichischen Nationalteams. Soweit, so bekannt. Was sich geändert hat, ist die Herangehensweise des mittlerweile 31-jährigen an sportliche Aufgaben. Wirkte er in den vergangenen Jahren noch manchmal ein wenig verbissen, so ist in dieser Saison eine neue Lockerheit eingekehrt. Gepaart mit der Gewissheit, Teil eines außergewöhnlich starken Teams zu sein.

„Die sportliche Leitung hat ganze Arbeit geleistet. Im Grunde sind alle Neuen echte Verstärkungen“, streut der Kapitän vor allem seinem ehemaligen Teamkollegen Richard Poiger Rosen. Mit den „Neuen“ meint Murati aber nicht nur Güttl, Loveridge, Ogunyemi und Barton. Er meint auch Headcoach Anton Mirolybov. „Er hat uns seine Prinzipien so plausibel vermittelt, dass wir von Anfang an voll mitgezogen haben. Jeder Einzelne macht in dieser Saison einen Schritt vorwärts und kann sich voll entfalten“, gerät Murati ins Schwärmen. Dazu kämen Mirolybovs menschliche Qualitäten. „Er ist korrekt, geradlinig und offen. Das macht die Zusammenarbeit einfach.“

Dass die Swans nach dem überraschenden Cup-Aus in Sankt Pölten in ein kleines Tief gerutscht sind, war für Murati logisch. „Das CupFinal4 war ein großes Ziel von uns, das Ausscheiden ein Schock. Plötzlich war die Moral im Keller.“ Jetzt gehe es langsam wieder aufwärts. Beleg dafür war der klare Sieg im Alpe-Adria-Cup gegen Skrljevo und der Aufstieg ins Semifinale. Durch die Verpflichtung von Charles Barton ist Gmunden noch flexibler geworden. Der schwedische Teamspieler ist eine ideale Ergänzung zu Spielmacher Daniel Friedrich. „Dani spielt eine überragende Saison, braucht aber natürlich auch Zeit zum Verschnaufen.“ Typisch Murati. Er lobt seine Mitspieler, bleibt selbst bescheiden.

In Sachen Titelkampf spricht er Klartext. „Erster Anwärter ist wieder Kapfenberg. Das hat das CupFinal4 klar gezeigt. Aber auch wir haben unsere Chancen.“ Voraussetzung dafür sei Platz eins oder zwei in der Platzierungsrunde. „Das muss unser Ziel sein. Jeder Sieg zählt“, gibt der Kapitän die Parole aus. Zum Kreis der Titelfavoriten zählt Murati zwar auch Klosterneuburg und Oberwart, er warnt aber ausdrücklich vor dem Lokalrivalen. „Aufgepasst auf die Welser! Die werden jetzt immer stärker.“ Im Auswärtsspiel am Samstag in Oberwart (18.55 Uhr, Sky Sport Austria 1 HD) wird Enis wohl zum letzten Mal als Maskenmann auftreten. Die gebrochene Nase verheilt langsam. Genauso wie der Schock nach dem Cup-Aus. Die Gunners sind gewarnt.

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