Make Your Move #4: Wien ist anders

von Gerfried Pröll

Was die beiden Wiener Fußball-Großklubs zuletzt immer öfter zu spüren bekommen, kennen die Basketball-Vereine aus der Bundeshauptstadt seit einer kleinen Ewigkeit: Die Dominanz der Teams aus den Bundesländern. In den vergangenen 27 Jahren ist nur einmal ein Klub aus Wien Österreichischer Basketballmeister geworden – als die Mäzene Philip Zepter und Harald Fischl dem BC Vienna 2012/13 eine Startruppe der Sonderklasse beschert haben. Stazic, Ray, Boylan, Danek, Richards, Pearson & Co. haben sich allerdings erst in Finale 5 gegen die Oberwart Gunners durchgesetzt. Der Showdown im Multiversum ist längst legendär – inklusive blauer Wand aus dem Südburgenland und zigarrenrauchender Sieger aus Wien.

In den Jahren danach ist es deutlich stiller um den BC geworden. Die großen Geldgeber haben sich zurückgezogen, Petar und Stjepan Stazic machten aus dem Verein eine Art Familienbetrieb. Die Hauptsponsoren Hallmann und Wien Energie sorgen immerhin dafür, dass aus dem baufälligen Budo-Center langsam tatsächlich ein „Basketball-Dome“ wird. So ist etwa der neue VIP-Klub rechtzeitig zu Beginn dieser Saison fertig geworden. Und der nächste Gegner des BC Vienna wird am Samstag (18.55 Uhr, Sky Sport Austria 1 HD) für einen vollen Dome sorgen: Die Vienna D.C. Timberwolves! Schon das erste Wiener Derby nach 25 Jahren – zu Beginn der vergangenen Saison – war ein absolutes Highlight. Mit dem Aufsteiger als Überraschungssieger.

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In der Zwischenzeit ist viel passiert. Die Wolves haben die vier folgenden Derbies (inkl. Cup) verloren, kämpfen ihrerseits mit finanziellen Problemen und haben drei routinierte Stützen (Cosic, Kolaric, Scott) abgeben müssen. Der Klub aus der Donaustadt tut sich noch schwerer als der Lokalrivale, Sponsoren aufzutreiben. Kleiner Hoffnungsschimmer: Seit kurzem gibt es einen neuen Mitarbeiter, der genau dafür zuständig ist. Bleibt zu hoffen, dass der Keiler ein paar offene Türen vorfindet. Abgesehen davon hoffen die Timberwolves auf mehr Unterstützung durch die Stadt. „Wir sind dem BC nicht neidig, aber wir erwarten uns eigentlich schon eine Zuwendung in der selben Höhe“, stellt Headcoach Hubert Schmidt klar.

Die „Hallmänner“ hingegen haben aufgerüstet. Vorbei sind die Zeiten, als Headcoach Luigi Gresta gerade fünf konkurrenzfähige Spieler zur Verfügung hatte. Jetzt sind es immerhin sieben, darunter die Legionäre Anton Shoutvin und Brandon Conley. Wichtigster „Neuzugang“ ist allerdings Stjepan Stazic. Der 41jährige scheint nach einem Jahr Verletzungspause tatsächlich noch einmal in Topform zu kommen. Irgendwie wundert das auch niemanden. Immerhin war der Teufelskerl vor seinem Knorpelschaden MVP der Saison 2017/18. Und wurde während seiner Abwesenheit von Jason Detrick hervorragend vertreten. Beide Vienna-Oldies können jederzeit einen Gegner im Alleingang erledigen. Aber die jungen Wölfe werden sich wehren.

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