A man walks down a hall at the Albert Park circuit ahead of the Formula One Australian Grand Prix in Melbourne on March 11, 2020. (Photo by Peter PARKS / AFP) / -- IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE -- (Photo by PETER PARKS/AFP via Getty Images)

Coronavirus und Misstrauen trüben WM-Start in Melbourne

via Sky Sport Austria

In einem Klima der Verunsicherung soll am Sonntag in Melbourne die Formel-1-Saison gestartet werden. Denn selbst am anderen Ende der Welt hat die Motorsport-Königsklasse die Coronavirus-Krise nicht abhängen können. Die XXL-WM mit einst 22 Grand Prix droht sogar noch weiter einzugehen, nachdem am Mittwoch im Fahrerlager in Australien schon erste Verdachtsfälle auf Sars-CoV-2 aufgetreten sind.

Dazu kommt das Misstrauen durch die Ferrari-Affäre. Neben der Debatte um Geister-Grand-Prix und Absagen weiterer Rennen steht das traditionsreichste und erfolgreichste Formel-1-Team noch im Mittelpunkt von Schummelvorwürfen. Diese Saison, in der die Königsklasse des Motorsports stolz ihren 70. Geburtstag feiern und Titelverteidiger Lewis Hamilton den WM-Rekord von Michael Schumacher einstellen will, droht damit zur umstrittensten PS-Tournee der Geschichte zu werden.

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“Als Team müssen wir uns steigern, als Einzelner muss ich mich steigern”, formulierte der in der Kritik stehende Ferrari-Star Vettel auch selbstkritisch seinen Anspruch vor seinem mittlerweile sechsten Jahr in Rot. Angesichts eines auslaufenden Vertrags steht der Deutsche, der zuletzt 2013 im Red Bull Champion war, mehr denn je in der Bringschuld. Es geht auch um Vettels Zukunft in der Formel 1.

Vettels erster Rivale sitzt im eigenen Team. Charles Leclerc stellte 2019 gleich in seiner Ferrari-Premierensaison den vierfachen Ex-Weltmeister mit 2:1 nach Siegen in den Schatten und schloss das WM-Klassement als Vierter auch noch direkt vor ihm ab. Mit einem Vertrag bis Ende 2024 schenkte die Scuderia dem 22-jährigen Monegassen zudem einen großen Vertrauensvorschuss.

Seit mittlerweile 2007 (Fahrertitel durch Kimi Räikkönen) bzw. 2008 (Konstrukteurssieger) ist Ferrari mittlerweile titellos. Der SF1000, mit dem die Scuderia diese Saison ihr 1000. Rennen bestreiten will, wirkte in den Tests aber nicht wie der große Wurf, der diese Durststrecke beenden könnte. Der rote Renner hat zwar in den Kurven zugelegt, den Eindrücken von Montmelo zufolge dafür aber auf den Geraden an Geschwindigkeit eingebüßt.

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Das überrascht jedoch nicht, wobei in Sachen Ferrari vor allem der Internationale Automobilverband (FIA) Vertrauen verloren hat. Mehrfach war dem Team aus Maranello in der vergangenen Saison Schummelei beim Motor vorgeworfen worden. Die FIA untersuchte die sogenannte Power Unit – und einigte sich anschließend mit der Scuderia auf einen Vergleich und Stillschweigen. Angeführt von Branchenführer Mercedes griffen insgesamt sieben Teams zuletzt den Verband an, forderten eine Offenlegung der Ergebnisse und schlossen selbst juristische Schritte nicht aus.

In den Fokus geriet Ferrari auch in der Coronavirus-Krise. Würden es die Teammitglieder rechtzeitig aus der Sperrzone Italien überhaupt nach Australien schaffen? Ja, taten sie. In Melbourne soll gefahren werden – auch wenn andernorts längst Massenveranstaltungen abgesagt werden. Die Formel 1 hatte ihren Kalender auf 22 Veranstaltungen aufgebläht. Allerdings musste sie schon den Grand Prix von China auf unbestimmte Zeit verschieben, in Bahrain soll nur eine Woche nach dem Auftakt vor leeren Zuschauerrängen gefahren werden.

“Es ist eine ernste Situation”, räumte Formel-1-Sportchef Ross Brawn ein. “Wir versuchen aber Rennen auf verantwortungsbewusste Weise zu fahren.” Aber wird in Melbourne überhaupt Gas gegeben? Diese Frage gewinnt nicht zuletzt deshalb an Brisanz, weil die ersten Verdachtsfälle auf das Coronavirus im Fahrerlager aufgetreten sind.

Dabei handelt es sich um mindestens drei Mitarbeiter von Rennställen. Einer ist bei McLaren angestellt, zwei beim US-Team Haas. Sie befinden sich derzeit isoliert in ihren Hotelzimmern. Dies bestätigten die beiden Rennställe am Mittwoch. Es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen, man warte nun auf die Ergebnisse.

Die sportlichen Schlagzeilen will im Jahr vor der Regelrevolution erneut Mercedes schreiben. Motorenprobleme haben die Silberpfeile aber alarmiert. “Das ist ganz bestimmt kein einfaches oder entspanntes Szenario für uns”, meinte Serien-Champ Hamilton. Seine persönliche Vorbereitung für den siebenten WM-Triumph verlief nach Wunsch. Der 35-Jährige strich Palatschinken von seiner Speisekarte, integrierte mehr Pilates, Yoga und Meditation in seine Trainingseinheiten. Hamilton erscheint deshalb noch fitter als zuvor und bereit für seinen siebenten Titel.

(APA/dpa)

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