DFB-Präsidium beschließt Strukturreform: Bierhoff wird „Superminister“
Das DFB-Präsidium hat eine tief greifende Strukturreform beim Weltmeisterverband beschlossen. Im Schiedsrichter-Streit greift zudem die Ethikkommission ein.
Frankfurt/Main (SID) Den „Schiedsrichter-Streit“ übernimmt Klaus Kinkel, das neue Amt des „Superministers“ Oliver Bierhoff: Während die Ethikkommission des früheren Außen- und Justizministers Kinkel die schwerwiegenden Vorwürfe von Manuel Gräfe gegen die früheren Schiri-Bosse Hellmut Krug und Herbert Fandel aufklären soll, gehört Nationalmannschaftsmanager Bierhoff die Zukunft beim „neuen“ Deutschen Fußball-Bund (DFB).
Der 49-Jährige wird im Zuge einer tief greifenden Strukturreform Direktor der Abteilung „Nationalmannschaften und Fußballentwicklung“. Ab dem 1. Januar 2018 verantwortet der Europameister von 1996 alle Themen rund um die Nationalmannschaften der Frauen und Männer sowie der Nachwuchsteams. Bierhoff wird der Chef bei der „konzeptionellen Weiterentwicklung des Fußballs und dem Wissensmanagement, insbesondere durch die geplante DFB-Akademie“, teilte der DFB mit.
„Wir sind nach umfangreichen Analysen zu der Erkenntnis gelangt, dass eine klarere Führung und Verschlankung der Strukturen im DFB notwendig ist, um noch effektiver arbeiten zu können“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius: „Deshalb haben wir Bereiche zusammengefasst, in denen es Überschneidungen gegeben hat, um Synergien zu schaffen. Und andere deutlicher voneinander abgegrenzt, um das Profil der Aufgabenbereiche zu schärfen.“ Der Sport stehe „noch stärker im Mittelpunkt unserer Arbeit“.
Statt bislang sieben wird es nur noch vier Direktionen geben. Neben Bierhoff bilden Heike Ullrich („Verbände, Vereine und Ligen“), Ralf Köttker („Öffentlichkeit und Fans“) und Ulrich Bergmoser („Finanzen und Interne Dienste“) zusammen mit Curtius die neue DFB-Geschäftsführung. Vorausgegangen war eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey, die beim Weltmeister mehrere Missstände in den Arbeitsabläufen aufgezeigt hatte.
„Ausgelagert“ wurde dagegen am Freitag der Streit der Unparteiischen. „Wir sind zuversichtlich, dass der für das gesamte deutsche Schiedsrichterwesen belastende Vorgang von dieser unabhängigen Instanz ergebnisoffen aufgearbeitet werden kann“, sagte der zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann am Freitag. Kinkel prüft den Fall nach SID-Informationen bereits.
Im Kern werden Fandel und Krug fehlende Transparenz, Vetternwirtschaft und schlechter Führungsstil vorgeworfen, auch von Mobbing ist die Rede. Die beiden Funktionäre bekleiden hohe Positionen im Schiedsrichterwesen. Fandel ist Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, Krug als DFB-Projektmanager unter anderem verantwortlich für den Videobeweis.
„Den Vorgang an die unabhängige Ethikkommission zu geben, ist auch im Sinne der Eliteschiedsrichter“, sagte Lutz Michael Fröhlich, seit 2016 der Chef der Bundesliga-Referees. Zudem solle im Wintertrainingslager auf Mallorca der „Teamgedanke“ der Unparteiischen wieder gestärkt werden. Am Wochenende ist Gräfe als Videoschiedsrichter beim Spiel des Rekordmeisters Bayern München beim Hamburger SV (Samstag/18.30 Uhr) im Einsatz.
Der erfahrene Unparteiische (225 Bundesliga-Einsätze) hatte öffentlich von einem krankenden System unter Fandel und Krug berichtet, im dem Beeinflussung und Manipulation von Untergebenen an der Tagesordnung stünden. Der vierstündige „Friedensgipfel“ am Dienstag in Frankfurt/Main hatte keine Einigung gebracht – im Gegenteil wurden Gräfes Vorwürfe von Schiedsrichter-Sprecher Felix Brych offensichtlich in weiten Teilen untermauert.
„Nunmehr ist es unserer Ansicht nach an der Zeit, den Konflikt von einer neutralen Instanz überprüfen zu lassen“, sagte Zimmermann: „Deshalb habe ich die Ethikkommission unter der Leitung von Klaus Kinkel gebeten, sich dieses Sachverhaltes anzunehmen.“
Bestätigt wurden Gräfes Vorwürfe am Freitag vom früheren Unparteiischen Babak Rafati, der 2011 versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. „Ich habe es ja selbst erlebt – und ich habe es am Ende überlebt. Damals wurde das als Einzelschicksal abgestempelt. Jetzt bestätigen andere Betroffene, dass es nicht so ist“, sagte Rafati bei Sport1.
SID mj jz
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