Die bewegte Geschichte des Europa-GP hat eine neue Heimat

via Sky Sport Austria
Baku (APA) – Vier Jahre nach der letzten Auflage in Valencia und zum insgesamt 23. Mal in der Neuzeit geht in der Formel 1 am kommenden Sonntag ein Grand Prix von Europa in Szene. Erstmals ist Baku in Aserbaidschan Austragungsort. Zum erst zweiten Mal wird der Europa-GP nicht deshalb gefahren, weil es im Land bereits einen nationalen Grand Prix gibt. Auch das erklärt die Rekordzahl von 21 WM-Läufen 2016.

Ursprünglich war der „Große Preis von Europa“ als Ehrentitel vergeben worden, so trug schon das erste Formel-1-WM-Rennen 1950 in Großbritannien diese zusätzliche Bezeichnung. Seit 1983 geht – mit Unterbrechungen – der Titel an ein eigenständiges Rennen in einem Land, in dem bereits ein anderer nationaler Grand Prix stattfindet. Baku ist nach dem Nürburgring (2007) erst der zweite Schauplatz, wo dem nicht so ist.

Mit dem Grand Prix von Europa betritt die Formel 1 dieses Wochenende in mehrerer Hinsicht Neuland. Aserbaidschan ist das 32. Land im WM-Kalender, die Stadt am Kaspischen Meer – das größte Binnenmeer der Welt -, liegt an der Südküste der Absheron-Halbinsel und 28 Meter unter Meeresniveau. So gesehen ist die Formel 1 am „Tiefpunkt“ angelangt. Baku vergleicht sich gerne mit den Schwesternstädten San Franciso und Neapel.

Der auf der Ideallinie 6.003 Meter lange Baku City Circuit ist der zweitlängste Rennkurs nach Spa-Francorchamps sowie eine brisante und offenbar nicht ungefährliche Mischung aus winkeligem Stadtkurs und Highspeed. Auf der über zwei Kilometer langen Geraden könnten 340 km/h erreicht werden, es werden sogar 360 km/h für möglich gehalten.

Schon bei weniger würde man als schnellster Straßenkurs der Welt in die Geschichte der Formel 1 eingehen. „The Speed is higher in in the land of fire“ heißt es in den PR-Texten des Rennens im Südkaukasus.

Mehr weiß man nach dem mit Spannung erwarteten Auftakttraining am Freitag. Mit Spannung deshalb, weil Lewis Hamilton und Co. auf dem temporären Kurs vor allem bei der Umrundung der Altstadt (Icheri Sheher) gefährlich enge (7,8 Meter) und steile Pflasterstein-Passagen, die mit mobilem Renn-Asphalt geglättet wurden, meistern müssen. Zusehen werden vorerst höchstens 30.000 Zuschauer, mehr Platz ist zwischen den historischen Gebäuden und modernen Hochhäusern eben nicht.

Das ölreiche Südkaukasus-Land Aserbaidschan positioniert sich seit langem als Tor zwischen Ost und West. So wird Baku als die erste europäische Hauptstadt bezeichnet, in der die Sonne aufgeht. Umgekehrt hat Präsident Ilham Aliyev zu Beginn des Ramadan die Kooperation mit muslimischen Ländern als eine der Top-Prioritäten Aserbaidschans bezeichnet.

Nach dem Eurovision Song Contest 2012 und den ersten Europaspielen 2015 ist auch die Formel-1-Premiere in Baku als Grand Prix von Europa ausgeschrieben. In den Annalen scheint Brands Hatch in England (1983, 1985) als der erste Europa-GP der Neuzeit auf, danach folgten Donington (1993), Jerez (1994, 1997), der Nürburgring (1984, 1995-96, 1999-2007) und Valencia (2008 bis 2012).

Die Premiere 1983 in Brands Hatch war deshalb bemerkenswert, weil man kurzfristig für das geplante September-Rennen in New York eingesprungen war. Brands Hatch hatte davor im April schon das „Race of Champions“ ausgetragen, ein Formel-1-Rennen ohne WM-Status. Der GP von Großbritannien fand in diesem Jahr in Silverstone statt.

Sieger des Europa GP wurde 1983 Nelson Piquet auf Brabham-BMW. Sein Debüt gab Jonathan Palmer, Vater des heutigen GP-Fahrers Jolyon Palmer (Renault).

Erfolgreichster Europa-GP-Pilot ist Michael Schumacher mit sechs Siegen. Von den aktuellen WM-Piloten haben Fernando Alonso (Nürburgring 2, Valencia), Sebastian Vettel (Valencia 2) und Felipe Massa (Valencia) Europa-GPs gewonnen. Erfolgreichste Marke ist Ferrari (7 Siege). Drei Piloten haben bei Europa-GP-Rennen debütiert und sind danach auch Weltmeister geworden: Nigel Mansell (Brands Hatch 1985), Jacques Villeneuve (Nürburgring 1996) und Mika Häkkinen (Jerez 1997).

 

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