Die Red Bull DNA | Teil l – Kampf gegen Giganten
Ernst Tanner wusste gleich, dass da etwas Außergewöhnliches passiert war, an jenem sonnigen Tag im kleinen Schweizer Örtchen Nyon. „Plötzlich haben alle auf Salzburg geschaut.“ Tanner war damals, vor drei Jahren, schon einige Zeit Nachwuchschef bei Red Bull Salzburg und hatte selbst nicht damit gerechnet, was gerade im kleinen Stadion neben der großen UEFA-Zentrale, wo Fäden und Macht des europäischen Fußballs zusammenlaufen, geschehen war. „Es war auch für uns sehr überraschend, dass wir diesen Bewerb gewonnen haben. Diesen Kampf gegen die Giganten der Welt.“
Manchester City, Paris Saint Germain, Atletico Madrid, FC Barcelona, Benfica Lissabon. Das Who is Who des finanzstarken, europäischen Spitzenfußballs sollte sich an der U19 aus dem kleinen Österreich die Zähne ausbeißen. Der Sieg in der UEFA Youth League, dem prestigeträchtigen Schaulaufen der Stars von morgen mit Gegnern wie dem FC Barcelona mit einem reinen Jugendetat von 38 (!) Millionen Euro pro Saison, lässt ihn, Tanner, bis heute nicht los: „Nach wie vor kriege ich vielfach Anrufe, weil Leute Infos über Trainer aus dem Red-Bull-System haben wollen und Interesse an ihnen haben. Auf gut Deutsch wollen sie das System kopieren.“
Tanner hat den Red-Bull-Stall im Spätsommer 2018 verlassen, um seither in den USA als Sportchef bei Philadelphia Union zu wirken. Zuvor haben seine Ideen die systematische Ausbildung der Talente in Salzburg geprägt und in die höchste Etage der internationalen Nachwuchsarbeit geführt: „Dieser Sieg in der Youth League ist nicht hoch genug einzuordnen, vor allem, weil wir aus keinem typischen Fußballland gekommen sind.“
Es sei eine Initialzündung für den gesamten Verein gewesen: „Mitte der 2010er Jahre hatte die erste Mannschaft mit einem Zuschauerschwund zu kämpfen. Und bei der U19 gegen ManCity waren plötzlich 2.000 Leute da. Oder gegen Atletico Madrid, 5.400 Zuschauer im Stadion! Das hat dafür gesorgt, dass das Jugendkonzept akzeptiert wurde, weil die Leute gesehen haben, dass man Spiele gegen die Besten gewinnen kann. Und, dass es später auch bei der ersten Mannschaft mit den Jungen funktionieren kann.“ Für Tanner ist heute klar: „Es war eine Bestätigung für alles!“
Wie alles begann
Diese Bestätigung war zwölf Jahre zuvor, im Sommer 2005, nicht einmal im Ansatz absehbar. Von durchgängiger Philosophie und perfekter Struktur war nämlich zu Beginn der Ära Red Bull im Fußball auch im Nachwuchsbereich nicht viel zu bemerken. Das verrät der erste Nachwuchsleiter, Heimo Pfeifenberger: „Es war ja null vorhanden. Keiner wusste so recht, wo es hingehen soll. Es gab keine Büros, keinerlei Struktur und personell ein Kommen und Gehen.“
Das Thema Akademie war ein spezielles: „Ein 80-Millionen-Projekt. Zunächst wollte Dietrich Mateschitz die Akademie in Ebenau (ca. eine halbe Stunde Fahrzeit östlich von der Stadt Salzburg, Anm.) machen, sein Sohn ging ins nahe gelegene Werkschulheim Felbertal.“ Allerlei Akademie-Beauftragte gaben sich die Türklinke in die Hand. „Wir sind durch halb Europa geflogen, um uns jede Menge Projekte anzusehen. Es war sehr spannend und extrem intensiv, das waren oft Arbeitstage von acht Uhr früh bis ein Uhr nachts.“ Es sei nicht einfach gewesen, mit dem großen Denken von Red Bull mitzukommen. Die interne Kommunikation war ausbaufähig: „Eines Tages ist Heinz Hochhauser vor mir im Büro gestanden. Er war sehr verwundert, dass ich noch nicht wusste, dass er mir als übergeordneter Nachwuchschef vorgesetzt worden war.“
Das Internat für die Nachwuchsspieler befand sich damals beim Herz-Jesu-Gymnasium in Salzburg, ein anderes Zeitalter. Heimo Pfeifenberger erinnert sich besonders an einen Nachwuchskicker:
„Martin Hinteregger, der Sirnitzer Bua, hatte unglaubliches Heimweh. Da gab es viele Tränen. Er war damals ein kleiner Zwerg, wir haben ihn als Offensivspieler geholt. Es war nicht abzusehen, dass er als großgewachsener Verteidiger so eine Weltkarriere macht.“
Auch der aktuelle Rapid-Kapitän Stefan Schwab wurde zu dieser Zeit in Salzburg ausgebildet. Die Ergebnisse in den drei österreichischen Nachwuchsligen hatten in jenen Tagen auch noch Luft nach oben.
Pfeifenberger erklärt, warum: „Wir hatten in der Westliga Franz Aigner als Trainer der Red Bull Amateure, Adi Hütter als Leithammel auf dem Feld und die Philosophie, die 15-, 16-, 17-Jährigen so früh wie möglich in den Erwachsenenfußball zu bringen.“ Zumindest das waren schon Vorboten der aktuellen Philosophie des Salzburger Kooperationsvereines FC Liefering. Es sollte rasch der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse her. „Wir hätten die letzten drei Spiele gewinnen müssen. Vor diesen Spielen bekam ich einen Anruf vom damaligen Red-Bull-Manager Dany Bahar.
Ich sollte der Mannschaft ausrichten, dass jeder Spieler eine KTM-Maschine und eine Breitling bekommt, wenn der Aufstieg gelingt.
Ich habe ihm entgegnet, dass das nicht geht. Da sind 16-, 17-Jährige dabei. Die verdienen 500 Euro. Das könne man nicht machen.“ Der Aufstieg wurde verpasst. Dafür ein Jahr später geschafft. Ohne Bahar.
Anekdoten, die beispielhaft sind für die Anfangsjahre, in denen Red Bull, als Quereinsteiger im Fußball, noch auf der Suche war nach Identität, Kontinuität, Ruhe. Ständige Personal- und Ausrichtungsrochaden waren da wenig hilfreich. Im Nachwuchs wurde auf das niederländische Modell mit Positionsspiel und der Entwicklung des technisch starken Einzelnen gesetzt, im Erwachsenenbereich vogelwild gewechselt zwischen offensiver und defensiver Spielweise.
Zeit des Umbruchs
Das alles sollte sich schlagartig ändern, als der Niederländer Ricardo Moniz als Trainer der Profis im Sommer 2012 nach einem Streit mit der medizinischen Abteilung von Red Bull das Handtuch warf. Da Sportchef Heinz Hochhauser bereits ein halbes Jahr zuvor den Verein verlassen hatte, war es auch die Zeit, in der Red Bull Salzburg völlig führungslos dastehen sollte. Es war jene Zeit, als plötzlich der öffentlichkeitsscheue Red-Bull-Anwalt Volker Viechtbauer, Intimus von „Big Boss“ Dietrich Mateschitz, am Podium im Presseraum der Bullen-Arena Platz nahm, um den Deutschen Ralf Rangnick als neuen, übergeordneten, starken Mann zu präsentieren.
„Alle bisherigen Trainer haben uns erzählt, wie sehr sie auf die Jungen setzen werden, aber wenn du auf den Platz geschaut hast, dann hast du keine Jungen gesehen“, kritisierte Viechtbauer damals und bezog zum Vorwurf der fehlenden Kontinuität eindeutig Stellung: „Wenn wir den Richtigen gehabt hätten, hätte es Kontinuität gegeben.“ Bei Rangnick, der als ersten Schritt den damals unbekannten Pressing- und Offensivapostel Roger Schmidt als Trainer für die erste Mannschaft geholt hat, haben die Red-Bull-Macher gleich ein gutes Gefühl gehabt: „Er hat uns quasi unser Konzept präsentiert!“
Die Inthronisierung Rangnicks war gleichzeitg der Startschuss für die einheitliche Spielidee und das Bekenntnis zur Förderung der Jugend. Und die Geburtsstunde eines Geschäfts-Modells: „Das Ziel ist, auch aus Österreich Spieler im zweistelligen Millionenbereich zu verkaufen“, gab Rangnick seinen Visionen auch finanziell ein Gesicht. Ratzfatz wurde der Umbruch vollzogen. Auf allen Ebenen. Von ganz oben bis ganz unten sollte kein Stein auf dem anderen bleiben. Logische Folge: Der niederländische Nachwuchschef Percy van Lierop musste gehen. Seinen Posten übernahm der Deutsche Ernst Tanner, der sich über die Grenzen seiner Heimat hinaus als Talente-Entwickler bei 1860 München und der TSG Hoffenheim einen Namen gemacht hatte.
Der finanzielle Background von Red Bull machte es möglich. „Red Bull will überall die Besten. Koste es, was es wolle! Sonst bekommst du einen wie Rangnick gar nicht nach Österreich. Dazu kommt die Vernetzung, Spezialisten bringen wieder weitere Spezialisten,“ bewertet Salzburgs Jahrhundertfußballer Pfeifenberger die Personalien Rangnick und Tanner.
Der erfahrene Spielervermittler Max Hagmayr hat damals im Hintergrund die Kontakte hergestellt und so die Rangnick-Verpflichtung miteingefädelt. Dem Vernehmen nach soll der deutsche Fachmann zunächst noch Bedenken geäußert haben. Erst die Klarstellung, dass das Red-Bull-Projekt nicht auf Österreich beschränkt sei, soll Rangnick neugierig gemacht haben. „Die Meetings mit Mateschitz haben ihn dann überzeugt“, erinnert sich Hagmayr, der noch heute sagt: „Rangnick war für Salzburg ein Glücksfall.“
Selbiges sagen viele über Ernst Tanner, den Rangnick als neuen Nachwuchschef im September 2012 installierte. Gemeinsam gaben sie die einheitliche Spielidee von den Großen bis zu den ganz Kleinen vor. „Salzburg hat es mit Ralf Rangnick und Ernst Tanner geschafft, eine Kultur in den Verein zu bringen“, erkennt der international gefragte Fußball-Experte Willi Ruttensteiner, der in seiner Zeit beim österreichischen Verband vor allem auch viele Nachwuchsprojekte erfolgreich auf Schiene brachte und vergleicht die Vorgaben der zwei mit einem der größten Vereine des Weltfußballs: „Beim FC Barcelona ist von der U12 bis zu den Profis ein Grundprinzip verankert. Das ist wirklich nicht oft bei Vereinen zu erkennen.“
Idee und Struktur
Bei Red Bull zieht sich die einheitliche Spielidee mit Wieder- erkennungswert sogar über die verschiedenen internationalen Standorte. Rangnick, der im Sommer 2015 Salzburg nach drei Jahren verlassen sollte um in Leipzig als Trainer und Sportchef den Aufstieg des Vereins voranzutreiben, stellte sich bei Amtsbeginn Fragen: Wie kann ich auf höchstem Niveau erfolgreich sein, ohne die besten Spieler zu haben? Wie kann ich mit meinem Budget den maximalen Erfolg haben?
Sprintintensiver Umschalt-Fußball, der das Kollektiv in den Vordergrund stellt, war die Antwort. Gemeinschaftliches Balljagen, gemeinsam immer brav nach vorne verteidigen. „Hurra-die-Gams“ mit Forechecking und Gegenpressing, Zweikampfstärke, Handlungsschnelligkeit und intensivem Zug zum Tor. Im „Playing Styles“-Datenmodell (Stats Perform) wird nicht nur die Spielweise sichtbar, sondern auch die Ähnlichkeit der Red Bull-Teams von Salzburg, Liefering und Leipzig. Der gemeinsame Fokus auf Phasen im hohen Tempo ist unverkennbar. Während bei Salzburg das eigene Aufbauspiel von etwas größerer Bedeutung ist, spielt bei Leipzig das Umschaltspiel eine gewichtigere Rolle, was auch als Hinweis auf die jeweiligen Kräfteverhältnisse in den beiden Ligen gedeutet werden kann. Die Daten beziehen sich auf die bislang letzte zu Ende gespielte Saison, 2018/19.
Willi Ruttensteiner deutet die Stoßrichtung so: „Trainer wie Rangnick oder auch Klopp haben es verstanden, den Fußball zu analysieren und Konsequenzen daraus abzuleiten. Prozentuell die meisten Tore im Fußball fallen nach Balleroberungen im Angriffsdrittel. Es geht darum, Details, die zu Erfolg führen, wahrzunehmen und umzusetzen. Trainer, die das können, sind einen Schritt voraus,“ weiß Ruttensteiner, der neben seiner Tätigkeit als israelischer Sportchef als „Technical Observer“ Spiele der Champions und Europa League analysiert und für die UEFA auch in Sachen Trainerausbildung gestaltend arbeitet.
Seit dem Abgang von Rangnick führt dessen ehemaliger Assistent Christoph Freund die sportlichen Belange in den letzten Jahren ruhig und höchst erfolgreich weiter. Red Bull habe es durch die konkrete Spiel-Philosophie mittlerweile geschafft, „fast personenunabhängig zu funktionieren“. So formuliert es Robert Tschaut, der sich in seiner Rolle als Sportdirektor des Salzburger Fußballverbandes immer als „Begleiter“ der gerade aktuellen Philosophie versteht. Doch bis dahin war es ein weiter Weg: „Am Anfang habe ich relativ wenig Professionalität vorgefunden“, erzählt Tanner, der sogleich die ersten Schritte einleitete: Neben der Verbesserung der Spielidee standen in erster Linie der Aufbau des Scouting-Systems sowie die Steigerung der Trainerqualität und -fortbildung im Nachwuchs im Fokus.
Einer, der dieses Wissen aufgesaugt hat wie kaum ein anderer, ist Gerhard Struber, mittlerweile als Cheftrainer in der zweithöchsten englischen Liga beim FC Barnsley angestellt. Struber durchlief als Red-Bull-Trainer im Nachwuchs sowohl die holländische, als auch die deutsche Schule und stellt unmissverständlich klar:
„Vor Ralf Rangnick gab es keinen roten Faden.“
Er habe Struktur in das Scouting und in die Spielidee gebracht. Und in die Frage, welche Trainercharaktere es vermitteln können. „Die Beharrlichkeit, mit der alles von ganz unten weg verfolgt wurde, hat alles in eine Richtung bewegt. Es ist alles viel effizienter geworden und es wurde viel schneller erkannt, welche Spieler reinpassen. Man hat das Anforderungsprofil geschärft“, sagt Struber. Die krasse Änderung der Spielidee wurde auch von der Konkurrenz wahrgenommen. „Der Wechsel war brutal“, bestätigt mit Ralf Muhr einer, der über Jahrzehnte die Arbeit der Wiener Austria mit den Talenten geprägt hat und dessen Teams sich viele Duelle mit denen der Salzburger geliefert haben.
Er sieht sogar eine erneute Weiterentwicklung: „Ich orte mittlerweile eine nicht mehr ganz so sture Systematik wie noch in den Anfängen unter Rangnick. Marco Rose zum Beispiel hat im Nachwuchs seine eigene Linie eingebracht, als Trainerpersönlichkeit und wie seine Mannschaft aufgetreten ist. Auch ein Thomas Letsch, unser ‚Letschi‘ (Anm.: Später von Februar 2018 bis März 2019 Austria-Cheftrainer), mit seiner Qualität. Respekt gegenüber der Konkurrenz und Umgang wurden besser.“ Dafür wurden die Erfolge der anderen weniger. Austria und Co. müssen mittlerweile anerkennen, dass auch die Meistertitel in den drei Nachwuchsligen seit 2012 fast ausnahmslos an Salzburg gehen. Von den vergangenen 21 zu vergebenden Titeln (noch ohne die laufende Saison) hat Salzburg 15 geholt. Von den vergangenen 15 ganze 13. In den letzten drei Spielzeiten (8 von 9) hat Salzburg nur einen Titel verpasst. Ein Machtzeugnis.
Meilenstein Akademie Liefering
Ein entscheidender Meilenstein in puncto Weiterentwicklung war die Fertigstellung der Red-Bull-Nachwuchsakademie, das infrastrukturelle Herzstück der Ausbildung. „Der Neubau hat uns einen Anschub in unserer Kultur der Professionalität gegeben“, verdeutlicht Ernst Tanner heute noch den Stellenwert des 100-Millionen-Euro teuren Projekts, das alle Stückerln spielt: „Sie ist europaweit fast einzigartig, weil auch Eishockey dabei ist. Dadurch ist man in einer Liga mit den großen Champions-League-Vereinen.“
„La Masia (Anm.: berühmte Nachwuchsschmiede des FC Barcelona), Real Madrid, Paris SG, Clairefontaine (französischer Verband), Bayern München. Ich glaube nicht, dass Salzburg da hintansteht. Was die Infrastruktur betrifft, hat Salzburg eine der besten Akademien weltweit,“ ergänzt Ruttensteiner. Selbst der große FC Bayern hat bei der Errrichtung vom eigenen Nachwuchs-Campus den Blick nach Österreich gerichtet: „In Salzburg habe ich gesehen, was eine moderne und gute Infrastruktur bei der Entwicklung junger Spieler bewirken kann. Da kann man sich schon was abschauen“, hob der aktuelle Bayern-Nachwuchschef Jochen Sauer hervor. Er hat als ehemaliger Salzburg-Manager Entstehung und Einweihung des Vorzeigeprojektes schließlich hautnah miterlebt.
Die seit dem Jahr 2005 geplante Talentschmiede wurde im September 2014 eröffnet. Auf einer Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern steht im Salzburger Stadtteil Liefering, an der Grenze zu Deutschland, seither die „Red Bull Salzburg Fußball- und Eishockeyakademie“. Der Bau der Akademie war lange umstritten und wurde durch Kritik vonseiten des Planungsstadtrats, diverser Bürgerinitiativen zum Grünlandschutz und einer kurzfristigen negativen Stellungnahme der Naturschutzbehörde immer wieder verzögert. In lediglich 21 Monaten Bauphase entstanden schließlich am Gelände der ehemaligen Trabrennbahn als „Prunkstück“ das 12.330 Quadratmeter große Hauptgebäude sowie sieben Fußballfelder (inkl. temperierter Kunstrasenhalle) und zwei Eishallen, die das ganze Jahr über nutzbar sind.
„Vom ersten Gedanken an war es unser Ziel, hier etwas Außergewöhnliches entstehen zu lassen“, wurde Dietrich Mateschitz in einer Broschüre zur Eröffnung zitiert. „Bei Herrn Mateschitz ist immer eine langfristige Lösung das Thema und kein kurzes Feuer. Für die Zielfokussiertheit ist Red Bull bekannt“, betonte Akademieleiter Winfried Kogelnik schon damals. „Die Bedingungen sind fantastisch. Ich glaube nicht, dass es in Europa so etwas wie hier noch einmal gibt“, meinte der damalige Sportchef Rangnick, der jedoch klarstellte: „Richtig wertvoll werden die Bedingungen erst durch das Niveau der Leute, die hier arbeiten.“
Ohne Salzburg kein Leipzig
Die Saat geht mittlerweile immer öfter auf. Immer mehr Spieler starten ihre Karrieren in der Akademie in Salzburg und ziehen in die große weite Fußballwelt hinaus oder schaffen zumindest in Österreich den Sprung in den Profibereich. Wird in der Akademie gut gearbeitet, ist die Arbeit mit dem Nachwuchs auch finanziell ein Plus-Geschäft. „Salzburg ist mittlerweile in der Position, sich selbst ernähren zu können“, sagt Ex-Boss Tanner. Das hänge in erster Linie an den Transfereinnahmen, „denn bei einem Zuschauerschnitt von 10.000 und im Vergleich zu den Top-Ligen relativ wenig Fernsehgeld kriegst du das auch über Sponsoren niemals rein.“
Die mittlerweile gewinnbringende Nachwuchsarbeit ist ein wesentlicher Beitrag, um auch die Kriterien für das Financial Fair Play der UEFA zu erfüllen. Financial Fair Play (FFP) ist ein Lizenzierungsinstrument des europäischen Verbandes. Es soll verhindern, dass Klubs mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen und ihnen laut UEFA so dabei helfen, langfristig nicht in finanzielle Nöte zu geraten. „Ohne Transfereinnahmen ginge das gar nicht.“ Das zieht offenbar Kreise bis nach Leipzig.
„Ohne Salzburg würde es Leipzig in der Form nicht geben. Wenn nicht viele Spieler von Salzburg um vergleichsweise günstige Entschädigungen raufgegangen wären, hätte Leipzig das Financial Fair Play nicht erfüllen können.“
„Das scheint ja generell ein notorisches Problem zu sein, sonst würde Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig; Anm.) nicht bei jeder Gelegenheit betonen, dass man erst Spieler verkaufen müsse, bevor man neue holen kann. Der Deal mit der Weiterverkaufsbeteiligung ergibt für Salzburg Sinn. Und natürlich brauchst du hochklassigen Nachschub im eigenen Verein, um die Transfereinnahmen zu reinvestieren“, plaudert Tanner aus dem Nähkästchen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Transfer des damals 16-Jährigen Karim Adeyemi von Unterhaching, den Tanner im Sommer 2018 um stolze 3,35 Millionen Euro nach Salzburg gelotst hat. Und das, obwohl mit RB Leipzig in Person von Ralf Rangnick und englischen Topvereinen internationale Konkurrenten hinter dem gebürtigen Münchner her waren. „In England hat es dem Jungen nicht gefallen und Leipzig war ihm zu weit weg von daheim. Mein alter Freund Manni Schwabl (Anm.: Präsident vom deutschen Drittligisten Unterhaching) hat für seinen Verein Geld gebraucht…“
„In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben wir den Transfer gemacht. Es war ein bayrischer Deal“
…schmunzelt der gebürtige Bayer Tanner über das Geschäft mit seinem „Landsmann“. Ein Angebot über 15 Millionen Euro für Adeyemi hat Salzburg im Herbst 2019 übrigens abgelehnt. Der FC Barcelona muss warten.
Manager Hagmayr verweist in diesem Zusammenhang auf das internationale Standing der Salzburger Nachwuchsförderung: „Sie bekommen mittlerweile Topspieler, weil sie ein Sprungbrett sind. Wenn ich mit Vereinen in Deutschland, England oder Italien spreche, dann merke ich: Salzburg hat einen Stellenwert. Auch in der Entwicklung junger Spieler. So kriegen sie einen wie Haaland.“
Doch was braucht ein Spieler, um überhaupt in das Beuteschema der Red-Bull-Scouts zu passen? Wer sind die „Prototypen“ mit der Red-Bull-DNA und welche Rolle spielen Gene und Wissenschaft in der Nachwuchsarbeit von Salzburg? Mehr dazu im zweiten Teil.
Text: Gerhard Krabath & David Eder
Fotos: GEPA / Bildbearbeitung: Sky





