PARIS,FRANCE,01.JUN.16 - TENNIS - ATP World Tour, Roland Garros, French Open, Grand Slam. Image shows the rejoicing of Dominic Thiem (AUT). Photo: GEPA pictures/ Matthias Hauer

Dominic Thiem gewinnt das ATP-Stuttgart

via Sky Sport Austria
Stuttgart (APA) – Tennis-Profi Dominic Thiem hat am Montag in Stuttgart seinen Sensationslauf fortgesetzt und den ersten Turnier-Titel eines Österreichers auf Rasen geschafft. Der Weltranglisten-Siebente gewann die Fortsetzung des am Vortag wegen Regens abgebrochenen Finales gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber 6:7(2),6:4,6:4.

Für den 22-jährigen Niederösterreicher ist es der insgesamt siebente ATP-Turniererfolg, heuer der bereits vierte. In Stuttgart hatte der Paris-Halbfinalist auf seinem bisher schwächsten Belag im Halbfinale sensationell “Rasenkönig” Roger Federer besiegt. Gegen Kohlschreiber, die Nummer 25 der Welt, gelang ihm die Revanche für die Endspielniederlage vor wenigen Wochen in München auf Sand. Seine bisher bescheidende Rasenbilanz von 2:6 besserte er auf 6:6 aus.

Die Fortsetzung des ersten Finalsatzes am TC Weissenhof missglückte Thiem, der im Tiebreak ab dem Wiederbeginn mit 2:3 keinen Punkt schaffte. Im zweiten Durchgang der auf einen Nebenplatz verlegten Partie gelang ihm aber gleich ein Break, das er bis zum 5:4 souverän hielt und den Durchgang schließlich mit einigen Problemen auch ausservierte.

Auch im dritten Satz startete der Lichtenwörther stark. Nach zunächst noch zwei vergebenen Chancen im ersten Aufschlagsspiel von Kohlschreiber holte er sich im nächsten des Deutschen das Break zum 3:1. In weiterer Folge blieb Thiem bei teils windigen Bedingungen bis auf einen abzuwehrenden Breakball beim Stand von 4:3 ziemlich souverän.

Das entscheidende Spiel brachte der Niederösterreicher gegen seinen zehn Jahre älteren Gegner schließlich nach 0:30-Rückstand und zwei Breakchancen für Kohlschreiber mit Mühe durch. Thiem verwertete nach insgesamt 2:11 Stunden Spielzeit den Matchball, womit er seine heuer beeindruckende Statistik in Entscheidungssätzen untermauerte. Von 20 hat er nur einen verloren.

“Das ist mein speziellster Titel, ich bin ja fast mit der Erwartung hergekommen, hier in der ersten Runde zu verlieren. Dann das Halbfinale, das Finale und jetzt der Titel, das hätte ich nicht in meinen kühnsten Träumen erwartet”, meinte Thiem bei der Siegerehrung. Der Niederösterreicher sprach von einem unwirklichen Moment, der ihn überglücklich mache. Als Lohn für den Stuttgart-Triumph erhält er einen Siegerscheck in Höhe von 107.900 Euro und einen Sportwagen des Turniersponsors Mercedes im Wert von rund 150.000 Euro.

Kohlschreiber zollte er Respekt. “Es war wieder ein Riesenmatch wie in München”, sagte Thiem und gratulierte den österreichischen Veranstaltern. “Das Turnier ist großartig, vielen Dank an die Leute, die auch am Montag um 10.30 Uhr hierhergekommen sind, das ist nicht selbstverständlich. Es ist eine absolut großartige Veranstaltung”, so Thiem. “Das Einzige, das sich hier verbessern muss, ist das Wetter”, scherzte der sichtlich gelöste Jungstar.

Sein Finalgegner streute ihm Rosen. “Ein Riesenkompliment an Dominic, er ist ein verdienter Sieger. Ich muss das erst verdauen, verlieren tut keiner gern”, erklärte der in Kitzbühel wohnhafte Kohlschreiber. Für beide Finalisten ging es sofort weiter zum nächsten Rasen-Event nach Halle.

Thiem ist nun der erste Spieler der ATP-Tour 2016, der Turniere auf drei verschiedenen Belägen gewonnen hat. Er hatte auch schon die Sandplatzturniere in Buenos Aires und Nizza gewonnen. Außerdem sicherte er sich in Acapulco auf Hartcourt seinen bisher einzigen Titel bei einem 500er-Turnier.

Und Thiem übernahm mit 45 Erfolgen die Führung in einer Spezialwertung der meisten Einzel-Siege 2016 von Novak Djokovic. Der Serbe und Thiem hielten bis dato bei jeweils 44 Saisonsiegen.

Dominic THIEM (Österreich/22 Jahre):
Geboren: 3. September 1993 in Wiener Neustadt (NÖ)
Wohnort: Lichtenwörth (NÖ)
Größe/Gewicht: 1,85 m/82 kg
Rechtshänder, einhändige Rückhand
Profi seit 2011
Trainer: Günter Bresnik
Aktuelle Weltranglisten-Platzierung: 7.
Bisher beste Weltranglisten-Platzierung: 7. (6.6.2016)
Karriere-Preisgeld (brutto): 3.794.106 US-Dollar
Saison-Preisgeld (brutto): 1.722.970 Dollar

Größte Erfolge:
ATP-Titel: 7 (Nizza 2015 und 2016, Umag 2015, Gstaad 2015, Buenos
Aires 2016, Acapulco 2016/1. auf ATP-500-Level und 1. auf Hartplatz,
Stuttgart/1. auf Rasen)
Finale Kitzbühel 2014, Finale München 2016
Grand Slam: Halbfinale French Open 2016, Achtelfinale US Open 2014
Viertelfinale Masters-1000 Miami 2015, Viertelfinale Masters-1000 Rom
 2016
Junioren-Finale French Open 2011
Besonderheit: bisher einziger Österreicher mit ATP-Titel auf Rasen,
Titel in Stuttgart als frisch gebackener Top-Ten-Mann direkt nach
French Open gewonnen.

Mit seinem in diesem Jahr bereits vierten Saison-Titel hat Dominic Thiem am Montag seine sensationelle Leistung auf der ATP-Tour auf bereits 45 Einzelsiege 2016 geschraubt. Er ist damit in einer ATP-Statistik sogar weltbester Spieler auf dem Circuit vor Novak Djokovic mit 44 Siegen.

Allerdings hat Djokovic nur drei Niederlagen, Thiem deren elf erlitten und der Österreicher hat seine Erfolge natürlich auch auf vielen kleineren Tennis-Bühnen gefeiert. Thiem ist zudem der erste ATP-Spieler 2016, der auf drei verschiedenen Belägen triumphiert hat. Neben Buenos Aires und Nizza (Sand) hatte er in Acapulco nicht nur sein erstes ATP-500-Turnier, sondern auch sein erstes auf Hartplatz gewonnen.

Erfolgreichste ATP-Spieler 2016:
1. Dominic Thiem (AUT)    45:11-Siege      4 Titel
2. Novak Djokovic (SRB)   44:3             6
3. Kei Nishikori (JPN)    32:10            1
4. Rafael Nadal (ESP)     29:8             2
5. Andy Murray (GBR)      28:6             1

Alle österreichischen Turniersieger der ATP-Tour:

   HERREN (INSGESAMT 69) - Reihung nach Anzahl der Titel:

THOMAS MUSTER (44): Bestes Ranking: 1 (12.2.1996/insges. 6 Wo.)
 1986 (1) Hilversum (117.000 Dollar): Jakob Hlasek (SUI) 6:1,6:3,6:3
 1988 (4) Boston (415.000): Lawson Duncan (USA) 6:2,6:2
      Bordeaux (245.000): Ronald Agenor (HAI) 6:3,6:3
      Prag (170.000): Guillermo Perez-Roldan (ARG) 6:4,5:7,6:2
      Bari (123.400): Marcelo Filippini (URU) 2:6,6:1,7:5
 1990 (3) Adelaide (125.000): Jimmy Arias (USA) 3:6,6:2,7:5
      Casablanca (125.000): Guillermo Perez-Roldan (ARG) 6:1,6:7,6:2
      Rom (1,002.000): Andrej Tschesnokow (URS) 6:1,6:3,6:1
 1991 (2) Florenz (250.000 Dollar): Horst Skoff (AUT) 6:2,6:7,6:2
      Genf (250.000 Dollar): Skoff 6:2,6:4
 1992 (3) Monte Carlo (1.270.000): Aaron Krickstein (USA) 6:3,6:1,6:3
      Florenz (250.000): Renzo Furlan (ITA) 6:3,1:6,6:1
      Umag (260.000): Franco Davin (ARG) 6:1,4:6,6:4
 1993 (7) Mexiko Stadt (300.000): Carlos Costa (ESP) 6:2,6:4
      Florenz (300.000): Jordi Burillo (ESP) 6:1,7:5
      Genua (300.000): Magnus Gustafsson (SWE) 7:6(4),6:4
      Kitzbühel (375.000): Javier Sanchez (ESP) 6:3,7:5,6:4
      San Marino (300.000): Renzo Furlan (ITA) 7:5,7:5
      Umag (400.000): Alberto Berasategui (ESP) 7:5,3:6,6:3
      Palermo (300.000): Sergi Bruguera (ESP) 7:6(2),7:5
 1994 (3) Mexiko Stadt (300.000): Roberto Jabali (BRA) 6:3,6:1
      Madrid (800.000): Sergi Bruguera (ESP) 6:2,3:6,6:4,7:5
      St. Pölten (325.000): Tomas Carbonell (ESP) 4:6,6:2,6:4
 1995 (12) Mexiko Stadt (330.000): Fernando Meligeni (BRA) 7:6(4),7:5
      Estoril (575.000): Alberto Costa (ESP) 6:4,6:2
      Barcelona (900.000): Magnus Larsson (SWE) 6:2,6:1,6:4
      Monte Carlo (1,795 Mio): Boris Becker (GER) 4:6,5:7,6:1,
      7:6(6),6:0
      Rom (2 Mio.): Sergi Bruguera (ESP) 3:6,7:6(5),6:2,6:3
      PARIS (3,65 Mio): Michael Chang (USA) 7:5,6:2,6:4
      St. Pölten (375.000): Bohdan Ulihrach (CZE) 6:3,3:6,6:1
      Stuttgart (1,04 Mio): Jan Apell (SWE) 6:2,6:2
      San Marino (300.000): Andrea Gaudenzi (ITA) 6:2,6:0
      Umag (400.000): Carlos Costa (ESP) 3:6,7:6(5),6:4
      Bukarest (1,37 Mio): Gilbert Schaller (AUT) 6:3,6:4
      Essen (2,094 Mio): MaliVai Washington (USA) 7:6(6),2:6,6:3,6:4
 1996 (7) Mexiko Stadt (330.000): Jiri Novak (CZE) 7:6(3),6:2
      Estoril (625.000): Andrea Gaudenzi (ITA) 7:6(4),6:4
      Barcelona (925.000): Marcelo Rios (CHI) 6:3,4:6,6:4,6:1
      Monte Carlo (2,2 Mio.): Alberto Costa (ESP) 6:3,5:7,4:6,6:3,6:2
      Rom (2,2 Mio): Richard Krajicek (NED) 6:2,6:4,3:6,6:3
      Stuttgart (1,04 Mio): Jewgenij Kafelnikow (RUS) 6:2,6:2,6:4
      Bogota (303.000): Nicolas Lapentti (ECU) 6:7(6),6:2,6:3
 1997 (2) Dubai (1,039.250): Goran Ivanisevic (CRO) 7:5,7:6(3)
      Key Biscayne (2,7 Mio): Sergi Bruguera (ESP) 7:6(6),6:3,6:1

      DOMINIC THIEM (7):   Bestes Ranking bisher: 7 (6.6.2016)
 2015 Nizza (439.405 Euro): Leonard Mayer (ARG) 6:7(8),7:5,7:6(2)
 2015 Umag (494.310 Euro): Joao Sousa (POR) 6:4,6:1
 2015 Gstaad (494.310 Euro): David Goffin (BEL) 7:5,6:2
 2016 Buenos Aires (598.865 Dollar): Nicolas Almagro (ESP)
7:6(2),3:6,7:6(4)
 2016 Acapulco (1,551 Mio. Dollar/Hart): Bernard Tomic (AUS)
7:6(6),4:6,6:3
 2016 Nizza (520.070 Euro): Alexander Zverev (GER) 6:4,3:6,6:0
 2016 Stuttgart (675.645 Euro/Rasen): Philipp Kohlschreiber (GER)
6:7(2),6:4,6:4

  JÜRGEN MELZER (5):   Bestes Ranking: 8 (18.4.2011)
 2006 Bukarest (323.250 Euro): Filippo Volandri (ITA) 6:1,7:5
 2009 Wien (574.750 Euro): Marin Cilic (CRO) 6:4,6:3
 2010 Wien (650.000 Euro): Andreas Haider-Maurer (AUT)
      6:7(10),7:6(4),6:4
 2012 Memphis (1,115 Mio. Dollar): Milos Raonic (CAN) 7:5,7:6(4)
 2013 Winston-Salem (575.250 Dollar): Gael Monfils (FRA)
      6:3,2:1 Aufgabe

      HORST SKOFF (4):   Bestes Ranking: 18 (1.1.1990)
 1988 Athen (123.400) Bruno Oresar (YUG) 6:3,2:6,6:2
 1988 Wien (170.000) Thomas Muster (AUT)  4:6,6:3,6:4,6:2
 1990 Genf (225.000) Sergi Bruguera (ESP) 7:6,7:6
 1993 Baastad (260.000) Ronald Agenor (HAI) 7:5,1:6,6:0

      PETER FEIGL (3): Bestes Ranking: 40 (21.5.1979)
 1978 Cleveland (50.000) Van Winitsky (USA) 6:3,4:6,6:1
 1979 Kairo (75.000) Carlos Kirmayr (BRA) 6:3,5:7,6:2
 1980 Lagos (50.000) Harry Fritz (USA) 6:2,6:1

      STEFAN KOUBEK (3):   Bestes Ranking: 20 (13.3.2000)
 1999 Atlanta (350.000 Dollar): Sebastien Grosjean (FRA) 6:1,6:2
 2000 Delray Beach (375.000 Dollar): Alex Calatrava (ESP) 6:1,4:6,6:4
 2003 Doha (1 Million Dollar): Jan-Michael Gambill (USA) 6:4,6:4

      ALEXANDER ANTONITSCH (1):  Bestes Ranking: 40 (9.7.1990)
 1990 Seoul (170.000) Pat Cash (AUS) 7:6(2),6:3

      GILBERT SCHALLER (1): Bestes Ranking: 17 (16.10.1995)
 1995 Casablanca (228.000) Alberto Costa (ESP) 6:4,6:2

      HANS KARY (1): Bestes Ranking: 54 (31.5.1976)
 1979 Lagos (50.000) Peter Feigl (AUT) 6:4,3:6,6:2

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