MOSCOW, RUSSIA - JUNE 20:  Referee Mark Geiger gives instructions during the 2018 FIFA World Cup Russia group B match between Portugal and Morocco at Luzhniki Stadium on June 20, 2018 in Moscow, Russia.  (Photo by Michael Steele/Getty Images)

Halbzeit bei der WM 2018: Ein Rückblick

via Sky Sport Austria

Moskau (APA/dpa) – Probleme für die Top-Favoriten, zahlreiche Tore in der Nachspielzeit und ein großer Einfluss des Videobeweises: Die erste Hälfte der WM, die am Sonntag mit dem 32. von 64 Spielen zu Ende ging, lässt schon zahlreiche Schlüsse für den Showdown zu. Sportlich sind Europas Teams erneut top – nur in einem Punkt dominieren andere.

DAS ZITTERN DER GROSSEN: Die Top-Favoriten haben Probleme. Mit Frankreich schaffte nur ein Weltmeister der vergangenen 48 Jahre vorzeitig den Sprung in die nächste Runde. Neben Deutschland müssen auch Brasilien und Spanien vor dem letzten Gruppenspiel bangen, Argentinien steht am Abgrund. Begeisternden Fußball zeigt hingegen die zweite Reihe des Weltfußballs: Belgien und Kroatien wollen mit weiteren Erfolgen ihren Status als Geheimfavoriten aufwerten, Russland die Stimmung im Gastgeberland hochhalten.

DIE ELFMETER-FLUT: Der Videobeweis lässt offensichtlich auch die Zahl der Strafstöße deutlich steigen. Nach 32 Spielen wurden 13 Elfmeter verwandelt, 16 gab es insgesamt – damit ist bereits der Wert der kompletten Weltmeisterschaften 2014 (13) und 2010 (15) übertroffen. 2002 wurden zuletzt 18 Strafstöße gepfiffen. Insgesamt gab es bei sechs Elfmetern in Russland eine Intervention des Video-Assistenten, die maßgeblich zur Entscheidung beitrug. Auch die Gesamt-Anzahl der Standardtore liegt deutlich über dem Niveau vergangener Weltmeisterschaften.

SPÄTER JUBEL: Der Trend zum Treffer in der Nachspielzeit geht auch bei dieser WM ungebremst weiter. Der Deutsche Toni Kroos sorgte am Samstag für das zehnte Tor nach der 90. Minute. Bei der WM 2010 in Südafrika wurden über das komplette Turnier nur sechs Tore in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit erzielt, vier Jahre später in Brasilien waren es schon zwölf. Begünstigt wird die Entwicklung in Russland auch durch die Anweisung, sämtliche durch den Videobeweis verlorene Zeit nachzuholen. So erzielte Brasiliens Superstar Neymar in der 90.+7 Minute laut Opta den spätesten, seit 1966 erfassten Treffer in der regulären Spielzeit der WM-Geschichte.

VIDEOBEWEIS: Anders als in der Testphase etwa des deutschen Fußballs und auch beim Confederations Cup bleibt die ganz große Konfusion aus. Die Diskussionen reißen aber natürlich nicht ab, vor allem wenn der Video-Assistent nicht eingreift: Brasilien fühlte sich schon betrogen, Serbien wütet über Schiedsrichter Felix Brych. Dass Spieler und Trainer mit ihren Händen die Bildschirm-Geste machen, hat das Gelb-Fordern als häufigste Protestform auf dem Rasen abgelöst.

DER KONTINENTE-VERGLEICH: Europa regiert die Fußball-Welt. Bisher verloren die 13 Teilnehmer lediglich vier Duelle mit Teams von anderen Kontinenten. Keine andere Konföderation kommt zur WM-Halbzeit auf eine positive Sieg-Bilanz, für Asien und Afrika fällt das Zwischenfazit besonders bitter aus. Auch die Mannschaften aus Südamerika müssen sich bis auf Uruguay und Kolumbien am Sonntag steigern. Auch damit setzt sich eine Entwicklung fort. Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften gab es insgesamt nur ein nicht-europäisches Team unter ersten Drei: Vize-Weltmeister Argentinien 2014.

STIMMUNG: Die Südamerikaner geben den Ton vor. Besonders die Fangruppen aus Peru, Mexiko und Argentinien sorgen für die beste Stimmung. Auch Iraner mit ihren vuvuzela-ähnlichen Sheypoors oder Marokkaner überzeugen mit Lautstärke. Die europäischen Anhänger sind bisher nicht die größten Stimmungsbringer – im Vergleich zur EM 2016 fehlen Wales und Nordirland hörbar. Die befürchteten Ausschreitungen blieben bis auf kleinere Scharmützel aus.

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