„Heiliger Merino“: Spanien feiert seinen Super-Joker
Mikel Merino hat es wieder getan: Spaniens Super-Joker war bei der Fußball-WM im Viertelfinale auch gegen Belgien der Matchwinner.
Sein Treffer kurz vor Schluss zum 2:1 bescherte den Iberern ein Gipfeltreffen am kommenden Dienstag mit Frankreich. „Spanien hat wieder einmal Glück, dass der Heilige Merino auftaucht, um ins Halbfinale zu kommen“, schrieb die Sporttageszeitung „Mundo Deportivo“. „Man gewöhnt sich langsam dran“, meinte Merino mit einem breiten Grinsen.
In Los Angeles hatte Fabian Ruiz (30.) für Spanien das 1:0 erzielt, Belgien gelang durch Charles De Ketelaere noch vor der Pause der Ausgleich (41.). Es war der erste Gegentreffer für Keeper Unai Simon bei dieser WM. Für den Unterschied sorgten schließlich zwei Einwechselspieler: der belgische Torhüter Senne Lammens, der den verletzten Thibaut Courtois ersetzte, und eben Merino. Lammens patzte bei einem Cubarsi-Distanzschuss, der spanische Edeljoker staubte trocken ab (88.).
„Immer da, wenn wir ihn brauchen“
„Ich bin so glücklich. Ich kann es noch gar nicht fassen. Es ist wieder passiert“, sagte Merino, der schon die Partie gegen Portugal als „Joker“ in der Nachspielzeit entschieden hatte. „Man sagt, es gibt keine Zufälle, aber wenn man gut vorbereitet ins Spiel geht, kann es wieder klappen.“ Spaniens Teamchef Luis de la Fuente meinte, Merino verkörpere den Geist einer Mannschaft, die eher auf kollektiver Leistung als auf individueller Glanzleistung basiere. „Er hat viele Stärken. Er könnte für jede Nationalmannschaft oder jeden Verein spielen. Bei uns passt er perfekt. Wir wissen, dass er immer da ist, wenn wir ihn brauchen.“
Mit den formstarken Franzosen wartet im Halbfinale von Dallas nun die ultimative Aufgabe. „Frankreich hat bereits außergewöhnliches, herausragendes Potenzial gezeigt, und wir ebenfalls. Das Spiel ist völlig offen“, erklärte de la Fuente und lobte seine Schützlinge. „Eine unserer Stärken als Team ist, dass wir nicht nur die besten Spieler der Welt haben, sondern auch die besten Menschen – Menschen, die es allen erleichtern, gut miteinander auszukommen.“
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Wiederholt sich die Geschichte?
Vorfreude auf den Schlager herrscht auch bei Merino. „Es ist eines dieser Spiele, von denen man als Kind träumt. Jetzt haben wir die Chance, gegen einen großen Rivalen anzutreten. Hoffentlich holen wir den Sieg.“ Geschichte könnte sich dabei wiederholen: Auf dem Weg zum EM-Titel vor zwei Jahren gewann „La Roja“ damals im Halbfinale gegen „Les Bleus“ 2:1.
Davor hatten die Spanier im Viertelfinale Deutschland nach Verlängerung 2:1 gebogen – durch einen Treffer von Merino in der 119. Minute. „Wenn jemand Angst haben sollte, dann sie, wir haben keine“, erklärte Lamine Yamal mit Blick auf die Franzosen.
Torhüterdrama bei Belgien
Für Belgien endete indes eine Serie von 18 ungeschlagenen Spielen mit einem Drama. Zuerst wurde Thibaut Courtois wegen einer Beinverletzung vom Platz genommen, dann patzte sein Stellvertreter Lammens. „Ich habe ihn fest umarmt. Mehr kann ich im Moment nicht tun. Für einen Torhüter ist das ein beschissenes Gefühl“, sagte Courtois über den Weitschuss, den Lammens nur nach vorn hatte abprallen lassen. „Das war nicht der einfachste Ball, der springt direkt vor ihm auf“, nahm Verteidiger Brandon Mechele Lammens in Schutz.
Courtois, der eigentlich weiterspielen wollte, war danach mit Tränen in den Augen zu sehen. „Die Tränen kamen aus Frustration, weil ich in so einem Spiel ausgewechselt werden musste, obwohl ich mich gut fühlte und nach dem 1:1 einige wichtige Paraden gemacht hatte. Das ist schade. Aber letztlich war es die Entscheidung des Trainers“, sagte der Torhüter von Real Madrid. Auf 21 WM-Spiele kommt Courtois, nur Manuel Neuer hat unter den Torhütern weltweit mit 23 Einsätzen noch mehr. Ob der Einsatz gegen Spanien sein letzter war als Nationalkeeper Belgiens, wusste der 34-Jährige selbst nicht. „Das ist etwas, worüber ich mit dem Trainer und (Sportdirektor, Anm.) Vincent Mannaert sprechen muss.“
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Ende einer belgischenGeneration
Das WM-Aus dürfte jedenfalls auch das Ende einer belgischen Generation sein, die als golden bezeichnet wurde, das Versprechen aber nie ganz erfüllen konnte und titellos blieb. Mit Courtois, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku könnten sich nun die letzten Vertreter dieser Ära verabschieden.
„Leider haben die Sterne nicht günstig gestanden. Wir haben unseren Tormann und unseren Kapitän (Youri Tielemans, Anm.) verloren. Wir mussten Kevin auswechseln, das war nicht Teil unseres Spielplans. Es waren einfach zu viele Dinge. Es lief einfach nicht rund“, erklärte Chefcoach Rudi Garcia. Aber man habe keinen Grund, „sich gedemütigt zu fühlen“, sagte der 62-Jährige, dessen Zukunft ebenfalls in den Sternen steht.
