MOSCOW,RUSSIA,14.JUN.15 - SOCCER - UEFA European Championship 2016, European Qualifiers, OEFB international match, Russia vs Austria. Image shows the rejoicing of AUT with Sebastian Proedl, Marc Janko, Aleksandar Dragovic and Heinz Lindner (AUT). Photo: GEPA pictures/ Christian Ort

Liga-Trainer trauen ÖFB-Team bei EM 2016 einiges zu

via APA
Wien (APA) – Die zehn Betreuer der österreichischen Fußball-Bundesligisten haben die jüngste Entwicklung des ÖFB-Nationalteams äußerst positiv aufgenommen. An einem Startplatz bei der EM 2016 herrscht unter den Trainern praktisch kein Zweifel mehr, und beim Turnier in Frankreich spekulieren die Coaches mit einem erfolgreichen Abschneiden der Auswahl von Marcel Koller.

So meinte etwa Peter Zeidler von Titelverteidiger Red Bull Salzburg: “Wenn ich jetzt sage Halbfinale, dann wird man sich wahrscheinlich fragen: Spinnt der oder meint der das ernst? Aber ich traue dem Team sehr viel zu und drücke ihm die Daumen.”

Auch Rapids Zoran Barisic ließ anklingen, dass für David Alaba und Co. in Frankreich viel möglich sein könnte. “Wenn sie gut starten, dann hoffe ich, dass sie die Gruppe überstehen und ins Achtel-, Viertel- oder vielleicht sogar Semifinale kommen.” Ernst Baumeister von der Admira hob ebenfalls die Bedeutung eines gelungenen Turnier-Auftakts hervor. “Bei einem guten Start kann das Team weit kommen.”

Die Qualität der ÖFB-Auswahl sei bereits so hoch, dass man mit jedem Gegner mithalten könne, betonte WAC-Trainer Dietmar Kühbauer. “Da hat sich etwas entwickelt. Die Teamspieler sind älter und reifer geworden und haben in ihren Clubs gute Positionen. Mittlerweile darf uns keiner mehr abschreiben. Gegen uns wird sich jeder schwertun.”

Laut Sturm-Coach Franco Foda haben die ÖFB-Internationalen im Fall einer erfolgreichen Qualifikation bei der EURO 2016 “nichts zu verlieren. Insofern glaube ich, dass Österreich auch bei der EM eine gute Rolle spielen kann”, sagte der Deutsche und lag damit auf einer Wellenlänge mit Mattersburg-Betreuer Ivica Vastic. Ähnlich äußerte sich Grödigs Peter Schöttel: “Ich trauen dem Nationalteam zu, dass es nicht nur teilnimmt. Wenn alle fit sind, können sie sicher die Gruppenphase überstehen.”

Ried-Betreuer Helgi Kolvidsson und sein Austria-Kollege Thorsten Fink vermuten, das ÖFB-Team könne in Frankreich “eine super Rolle spielen”. Altach-Trainer Canadi hofft, “dass die Jungs bei der EM ähnlich für Furore sorgen und so spielen, wie sie bisher in der Qualifikation gespielt haben”.

Die Wiener lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit von Teamchef Koller. “Er hat es geschafft, nach der vielen Kritik, die er am Anfang bekommen hat, ein sehr homogenes, junges und flexibles Team aufzustellen.” Kolvidsson ortete unter dem Schweizer in den vergangenen Jahren eine “gravierende Weiterentwicklung”.

Dass diese Fortschritte vor allem dank der Legionäre gelangen und immer weniger Kicker aus der heimischen Bundesliga im Teamkader aufscheinen, ist für die zehn Coaches eine logische Entwicklung. “Mittlerweile ist es schwer, aus der österreichischen Liga ins Nationalteam zu kommen, weil der Stamm der Mannschaft steht. Diese Spieler sind alle in stärkeren Ligen engagiert, deswegen haben sie einen Wettbewerbsvorteil”, vermutete Barisic. Diese Ansicht vertrat auch Foda: “Wenn du Stammspieler in einer der Topligen bist, hast du immer Vorteile gegenüber Spielern in der österreichischen Liga.”

Kühbauer ergänzte: “Wenn einer in Deutschland und England Stammspieler ist, müssen wir nicht diskutieren, da ist das selbstverständlich. Wobei jeder in Österreich die Möglichkeit hat, sich ins Blickfeld zu spielen – siehe Schobesberger.” Der Rapid-Flügelspieler hatte es im Juni nach einer starken Frühjahrssaison erstmals ins ÖFB-Aufgebot geschafft.

Dennoch wird der Teamkader laut Schöttel wohl auch in Zukunft überwiegend aus Legionären bestehen. “Der Teamchef hat gezeigt, dass er mit diesem Ansatz goldrichtig liegt. Die meisten Legionäre sind schon lange im Ausland, haben bei ihren Clubs Schlüsselpositionen und sind deshalb auch als Persönlichkeiten sehr gefestigt.”

Zeidler, in dessen Kader mit Martin Hinteregger, Christoph Leitgeb, Andreas Ulmer und Marco Djuricin immerhin vier Team-Anwärter stehen, hat ebenfalls Verständnis für die Bevorzugung der Auslands-Österreicher. “Weil wir wissen, dass es größere Ligen gibt, in denen viele gute österreichische Spieler tätig sind. England etwa und natürlich auch Deutschland.”