Make your Move #33: Die Reise geht weiter

von Gerfried Pröll

Matthias Zollner war in den vergangenen beiden Saisonen Headcoach des BC Körmend in Ungarn. Trotzdem hat der Güssinger Meistertrainer der Jahre 2014 und 2015 wieder viel Zeit in seiner alten Heimat verbracht. Kein Wunder, ist Körmend gerade 15 km von der Grenze zu Österreich entfernt. Alte Liebe rostet eben nicht. Jetzt geht die Reise durch Europa für den 39-jährigen Deutschen aber weiter. Ab Juli ist er Cheftrainer des polnischen Erstligaklubs GTK Gliwice, einer Industrie-Stadt mit 185.000 Einwohnern in Schlesien. Der dort beheimatete Fußball-Verein „Piast Gliwice“ ist 2019 erstmals Polnischer Meister geworden. Ein Jahr davor ist in Gliwice eine neue Sporthalle mit 20.000 Sitzplätzen eröffnet worden. Dort trägt auch der 2017 in die erste Liga aufgestiegene Basketball-Klub seine Heimspiele aus. Ausverkauft war die Arena dabei noch nie. Das soll sich unter dem neuen Headcoach ändern.

Anfang dieser Woche ist Zollners Wechsel nach Polen fixiert worden. Seither telefoniert er von seiner Heimatstadt Aschaffenburg aus fast rund um die Uhr. Das Grundgerüst der Mannschaft besteht aus jungen, gut ausgebildeten polnischen Spielern, die auffallend athletisch sind. Jetzt gilt es, die passenden Legionäre dazu zu finden. „Meine Aufgabe in Gliwice erinnert mich stark an meine Anfänge in Güssing. Auch damals war ich aufgefordert, eine Mannschaft zu entwickeln. Das kann natürlich dauern, kann aber auch sehr schnell gehen“, ist Zollner Feuer und Flamme. In den ersten drei Jahren in Polens 16er Liga hat Gliwice die Plätze 14, 12 und 13 belegt. Ziel der Klubführung ist es, 2021 erstmals die Playoffs der ersten Acht zu erreichen. „Ich war mit Körmend im Alpe-Adria-Cup in Gliwice zu Gast und hab dabei die Verantwortlichen kennengelernt. Ich hab ein gutes Gefühl“, hofft Zollner auf eine erfolgreiche Zeit.

Zollner führte Güssing zu den österreichischen Meistertiteln 2014 und 2015 (zudem Pokalsieger 2015). (Foto: GEPA)

Wie schon bei seinem Engagement in Ungarn bleibt Zollners Familie auch diesmal zuhause in Aschaffenburg. Der Unterschied: Diesmal kann er sich nicht einfach ins Auto setzen und ein paar Kilometer weiter alte Freunde besuchen. Während seiner Zeit in Körmend hat er sich vor allem mit Daniel Müllner, seinem früheren Assistant Coach bei den Knights, oft getroffen. „Ich bin auch auf Daniels Hochzeit eingeladen. Die ist wegen Corona aber vorerst verschoben worden“, bedauert der frühere ÖBV-Teamchef. Den intensivsten Kontakt hat er aber – wenn auch meist telefonisch – zu seinem früheren Musterschüler bei den Knights, Nationalteamspieler Thomas Klepeisz. Zollner ist schon sehr gespannt darauf, wie sich Klepeisz mit Ulm im BBL-Finalturnier schlägt. „Tommy hat sich bei Braunschweig toll weiterentwickelt und ist ein echter Führungsspieler geworden. Er ist noch immer sehr kreativ, produziert aber nicht mehr so viele Ballverluste wie früher. Das ist genau das, was die Ulmer brauchen“, analysiert Matthias Zollner.

Von Oktober 2017 bis April 2018 betreute Zollner auch das österreichische A-Nationalteam. (Foto: GEPA)

Der frühere Sky-Experte hat natürlich auch die BSL von Körmend aus aufmerksam verfolgt. Auch deshalb, weil sein Freund Anton Mirolybov seit vergangenem Sommer Headcoach der Swans ist. „Ich war an dem Deal nicht ganz unbeteiligt“, verrät Zollner. „Anton und ich haben Einiges gemeinsam. Unter anderem unsere Vorliebe für Rotwein.“ Dem Vierkampf an der Spitze in der abgelaufenen BSL-Saison konnte er Einiges abgewinnen. „Aber insgesamt war das Niveau Anfang der Zehner Jahre schon etwas höher“, schwärmt Matthias Zollner von seinen Meisterjahren. Vielleicht kehrt er auf seiner Reise durch Europa ja irgendwann wieder nach Österreich zurück. Nicht nur wegen der Hochzeit seines Freundes Daniel Müllner.