Make your Move #35: Eine filmreife Story

via Sky Sport Austria

Matthias Klepeisz aus Güssing ist „Motion Graphic Designer“ und hat auch schon ein paar Kurzfilme gestaltet. Und wer weiß, vielleicht dreht der frühere Knight auch irgendwann einmal einen abendfüllenden Kinofilm. Nach einem geeigneten Stoff bräuchte er nicht lange zu suchen. Denn die Karriere seines jüngeren Bruders Thomas ist längst zu einer filmreifen Story geworden. Möglicher Titel: „Tommy Klepeisz – vom Schulplatz in den EuroCup.“

Begonnen hat alles am Anfang der Nuller Jahre auf dem roten Hartplatz neben dem Güssinger Gymnasium. Die Brüder Klepeisz (damals 11 und 13 Jahre alt), die Brüder Astl und die Brüder Koch wollten es ihren Vätern gleichtun und Bundesliga-Spieler werden. Einer der Väter, Reinhard Koch, hatte früher sogar im Nationalteam gespielt. Um diesen Traum zu verwirklichen, haben die drei Brüderpaare gemeinsam mit Manuel Jandrasits und Philipp Horvath beinahe jede freie Minute genützt, um auf Korbjagd zu gehen. Erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, die jungen Ritter holten serienweise Österreichische Nachwuchstitel. Der Rest ist Legende.

Die acht Freunde bildeten später das Grundgerüst der Güssing Knights, die 2014 und 2015 Bundesliga-Meister geworden sind. Begleitet von einer in der Region Güssing noch nie dagewesenen Euphorie. Die Playoff-Serien gegen Kapfenberg gingen in die Geschichte ein, so mancher Sky-Kommentator schrie sich die Seele aus dem Leib. Meister-Coach Matthias Zollner liebte und lobte sie alle. Aber er hatte auch einen absoluten Lieblingsschüler: Tommy Klepeisz. Der deutsche Trainer wurde nicht müde, das außergewöhnliche Talent des Combo-Guards hervorzuheben. Und bescheinigte ihm damals schon, auch international Karriere machen zu können.

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Fünf Jahre später ist Klepeisz Leistungsträger in der BBL, zieht mit Ratiopharm Ulm ins Semifinale ein und spielt mit seinem neuen Team in der kommenden Saison in der EuroCup! Die Gegner in der Gruppe B kommen aus Spanien, Italien, Frankreich, Israel und Montenegro. „Das ist der vorläufige Höhepunkt meiner Karriere. Ich freue mich riesig auf diese Herausforderung“, sagt Klepeisz, der in Ulm mit offenen Armen empfangen wurde. Headcoach Jaka Lakovic bevorzugt ein System, das wie auf ihn zugeschnitten ist. Der 29jährige Burgenländer spielt wie schon bei Braunschweig meist Shooting Guard, rutscht aber auch immer wieder auf die Position des Spielmachers. „Ich versuche mit kurzen, schnellen Aktionen das Spiel zu gestalten. Die Luft aus dem Ball zu dribbeln, interessiert mich nicht.“

Das Mammutprogramm mit zwei Bewerben und den dazugehörigen Reisestrapazen ist für Klepeisz nichts Neues. Mit den Güssing Knights hat er 2014/15 mehr als 60 Partien in der Liga und im Europacup gespielt. „Unser Kader in Ulm ist deutlich größer. Dadurch bekomme ich sicher mehr Pausen“, erklärt Klepeisz, der derzeit auf Heimaturlaub in Güssing ist. Wo verbringt er dabei die meiste Zeit? Richtig! Auf dem roten Hartplatz neben dem Gymnasium. In der vergangenen Woche herrschte dort Hochbetrieb wie in alten Zeiten. Neben den Brüdern Koch, Astl und Klepeisz haben auch Ex-Knight Travis Taylor (jetzt Körmend) und Anton Maresch vom UBSC Graz an einigen „Legenden-Partien“ teilgenommen. Dabei ging’s ordentlich zur Sache. Beim Feiern danach sowieso. Wie es sich für echte Ritter eben gehört.

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