Make your Move #37: Neuer Bullenstall

von Gerfried Pröll

Österreichs Basketball-Klub Nr. 1 hat ein neues Zuhause. Die Kapfenberg Bulls haben das alte Bawag-Gebäude im Zentrum der Stadt erworben und füllen es mit neuem Leben. Auf drei Etagen entstehen in den kommenden Monaten Wohnungen für die Profis, ein Wohnheim für die Akademie-Spieler, Büros für die Klubführung, Seminarräume und ein Vereinslokal mit Gastronomie.

Das „Bulls.Home“ hat ein Sponsor vorfinanziert, der Klub zahlt die Summe binnen 20 Jahren zurück. „Wir waren seit der Gründung überall immer nur Mieter. Jetzt haben wir endlich eine Heimstätte, die uns gehört“, freut sich General Manager Michael Schrittwieser auf den neuen Bullenstall. Für den Titelhamster der vergangenen Jahre (zuletzt drei Meistertitel und vier Cupsiege in Serie) soll damit eine neue Ära beginnen.

Spielstätte der Bulls bleibt natürlich die Sporthalle Walfersam. Die Heimspiele der kommenden Superliga-Saison werden dort gerade einmal 327 Zuschauer verfolgen dürfen. Aber seien wir ehrlich: Mehr waren es bei den meisten Begegnungen in den vergangenen Jahren auch nicht. Wegen der höheren Kosten (mehr Security, Gesundheitschecks etc.) werden die Heimspiele für die Bulls sogar ein Verlustgeschäft sein. „Es wäre für uns günstiger, vor leeren Rängen zu spielen. Aber wir wollen den Abonnenten, VIPs und Sponsoren natürlich die Möglichkeit geben, die Partien zu sehen“, erklärt Schrittwieser. Stichwort Geld: Die von Sportminister Kogler in Aussicht gestellte Förderung aus dem Corona-Hilfspaket ist noch immer nicht eingetroffen. Und das Land Steiermark macht seinen Zuschuss wiederum von der Höhe der Bundesförderung abhängig.

„Wir haben jetzt seit einem halben Jahr keinen einzigen Cent eingenommen. Wie auch? Kein Wunder, dass wir täglich auf die Überweisung vom Bund warten“, bangt Schrittwieser. Trotz der widrigen Umstände ist das Team für die neue Saison fast komplett. Wer noch fehlt, ist ein großer Innenspieler. Denn Marino Sarlija scheint nach seiner Verletzung nicht rechtzeitig fit zu werden. Im Jahr eins nach Bogic Vujosevic bilden vorerst Eric McClellan, der neue 2m01 große Guard A.J. Turner, Dejan Cigoja und Rückkehrer Nemanja Krstic das Gerüst der Mannschaft. Letzterer hat mit den Bulls 2017 das Double gewonnen, ist mittlerweile 27 Jahre alt und gilt als Hoffnungsträger. „So komisch es klingt: Seine Rückkehr haben wir auch Corona zu verdanken. Nemanjas Frau wollte unbedingt in ein Land mit einem guten Gesundheitssystem wechseln“, plaudert Schrittwieser aus dem Nähkästchen.

Nemanja Krstic ist wieder zurück bei den Bulls. Photo: GEPA pictures/ Mario Buehner

Beinahe parallel zur Superliga hätten für die Bulls auch die Gruppenspiele im FIBA Europe Cup beginnen sollen – mit einem Heimspiel im Sportpark Graz. Coronabedingt ist der Start des Bewerbes diese Woche aber auf Anfang Jänner verschoben worden. Trotz der starken Gegner (Perm aus Russland bzw. Botewgrad aus Bulgarien oder Tsmoki-Minsk aus Weißrussland) gibt es für Schrittwieser nur ein Ziel: „Wir wollen weiterkommen! Das gilt nicht nur für den Europe Cup, sondern insgesamt für die Entwicklung des Vereins. Schritt für Schritt.“ Die Voraussetzungen in Sachen Infrastruktur werden jedenfalls immer professioneller. Im neuen Vereinslokal im Bulls.Home soll natürlich auch das eine oder andere Mal ordentlich gefeiert werden. Vielleicht sogar der nächste nationale Titel 2021.

Make your Move #36: Geballte Austro-Power

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Beitragsbild: GEPA