YEKATERINBURG, RUSSIA. MARCH 9, 2016. Meldonium for sale under the trademark Mildronat. The drug, manufactured by Grindeks, is used in heart disease therapy. Meldonium was added to the World Anti-Doping Agency's banned list on January 1, 2016. Russian tennis player Maria Sharapova admitted to testing positive to Meldonium during the 2016 Australian Open. Donat Sorokin/TASS (Photo by Donat SorokinTASS via Getty Images)

Chronologie des Doping- und Korruptionsskandals in Russland

via APA

Ein Überblick zum Doping- und Korruptionsskandal in der russischen Leichathletik

 

3. Dezember 2014: Die ARD-Dokumentation “Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht” erzählt vom systematischen und den entscheidenden Institutionen gedeckten Doping. Belegt durch Interviews mit Sportlern und Trainern. Die Nationale Anti-Doping-Agentur Russlands (RUSADA) soll beteiligt sein, über mögliche Korruption im Leichtathletik-Weltverband (IAAF) wird berichtet.

10. Dezember 2014: Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kündigt eine umfassende Untersuchung zu den in der ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfen an. Der dreiköpfigen unabhängigen Kommission gehören der ehemalige WADA-Präsident Richard Pound, der renommierte Jurist Richard McLaren an und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger an.

11. Dezember 2014: Papa Massata Diack, der Sohn von IAAF-Präsident Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater ruhen. Russlands Leichtathletik-Präsident Valentin Balachnitschjow zieht sich als Schatzmeister der IAAF zurück.

12. Dezember: Der Franzose Gabriel Dolle, Direktor der Anti-Doping-Abteilung in der IAAF, legt sein Amt nieder.

17. Februar 2015: Russlands Leichtathletik-Verbandspräsident Valentin Balachnitschjow stellt sein Amt zur Verfügung.

16. Juli 2015: Der russische Verband zieht sein komplettes Geher-Team von internationalen Wettkämpfen zurück.

1. August 2015: Die ARD bringt kurz vor Beginn der Leichtathletik-WM in Peking die Dokumentation “Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik” und alarmiert damit erneut die WADA. Die ARD und die “Sunday Times” haben eine Liste mit 12.000 Bluttests von rund 5.000 Leichtathleten aus den Jahren 2001 bis 2012 ausgewertet, die aus der IAAF-Datenbank stammt. Die Zahl der dopingverdächtigen Athleten soll erheblich sein.

19. August 2015: In Peking wird im Vorfeld der WM der Brite Sebastian Coe zum neuen IAAF-Präsidenten gewählt. Er löst den Senegalesen Lamine Diack ab, der ihm ein schweres Erbe hinterlässt.

4. November 2015: Die französische Justiz leitet gegen Lamine Diack ein Verfahren ein, ihm werden Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Er wird verdächtigt, für die Vertuschung von positiven Blutdoping-Fällen 200.000 Euro aus Russland erhalten zu haben. Zudem wird der frühere Direktor der Anti-Doping-Abteilung der IAAF, Gabriel Dolle, in Polizeigewahrsam genommen.

9. November 2015: Mit der Forderung nach drakonischen Strafen und schweren Vorwürfen bis in russische Regierungskreise hinein reagiert die WADA auf die Manipulationsaffäre in Russland. Die Ermittlungskommission empfiehlt, Russland aus der IAAF auszuschließen und fünf Athletinnen, vier Trainer und einen Sportarzt auf Lebenszeit zu sperren. Außerdem solle das Doping-Kontrolllabor in Moskau geschlossen und dessen mutmaßlich in Manipulationen verwickelte Direktor abgelöst werden. Dem russischen Sportminister Witali Mutko wird vorgeworfen, er solle angeordnet haben, “bestimmte Dopingproben zu manipulieren”. Der Kreml hält an Mutko fest.

10. November 2015: Die WADA entzieht dem Testlabor in Moskau mit sofortiger Wirkung die Akkreditierung. Am gleichen Tag suspendiert das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sein unter Korruptionsverdacht stehendes Ehrenmitglied Lamine Diack, tags darauf legt dieser seine Ehrenmitgliedschaft nieder. Auch der Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors tritt von seinem Posten zurück, Gregori Rodschenkow soll dem erschütternden WADA-Report zufolge die Beseitigung von 1.417 Dopingproben angewiesen haben.

13. November 2015: Der Vorstand des Weltverbandes (IAAF) beschließt bei einer Telefon-Konferenz seiner 24 teilnehmenden Mitglieder die russische Leichtathletik-Föderation (ARAF) vorläufig zu suspendieren. Kein Sportler darf bei internationalen Veranstaltungen starten. Der Olympia-Bann für Rio droht.

17. November 2015: Die IAAF setzt ein fünfköpfiges Inspektionsteam für Russland unter der Leitung des Norwegers Rune Andersen ein, um die Einhaltung zahlreicher Auflagen zu überprüfen. Andersen arbeitet seit 2002 für die WADA. Dem Norweger stehen die IAAF-Council-Mitglieder Abby Hoffman, Anna Riccardi, Frank Fredericks und Geoff Gardner zur Seite.

18. November 2015: Wegen Nichteinhaltung der grundlegenden Regeln und Standards wird die nationale Anti-Doping-Agentur Russlands von der WADA suspendiert.

26. November 2015: Die ARAF akzeptiert hat die vorläufige Suspendierung durch den Weltverband und erkennt zudem an, dass über die volle Wiederherstellung der IAAF-Mitgliedschaft entschieden wird, wenn der russische Verband nachweislich Reformen eingeführt hat.

17. Dezember 2015: Die Spitze der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) tritt geschlossen zurück. Neue Generaldirektorin wird Anna Anzeliowitsch.

7. Jänner 2016: Die Ethikkommission der IAAF verhängt erste lebenslange Sperren. Die Sanktionen betreffen Ex-IAAF-Schatzmeister Valentin Balachnitschjow, Russlands früheren Cheftrainer Alexej Melnikow und Papa Massata Diack, der als Marketing-Beauftragter für den Weltverband tätig. Der ehemalige Anti-Doping-Chef der IAAF, Gabriel Dolle, wird für fünf Jahre gesperrt.

12. Jänner 2016: Laut internen Dokumenten der IAAF, die der US-Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, weiß die IAAF bereits seit 2009 von massivem Doping in Russland.

14. Jänner 2016: Die WADA wirft der IAAF ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption vor. Hauptverantwortlicher für die “Organisation und Ermöglichung der Verschwörung” sei der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack, heißt es in einem neuen Bericht der unabhängigen WADA-Kommission.

16. Jänner 2016: Der russische Leichtathletikverband wählt Dmitri Schljachtin einstimmig zum neuen Präsidenten.

6. März 2016: Die TV-Dokumentation “Geheimsache Doping: Russlands Täuschungsmanöver” im WDR zeigt Belege für Verstöße von Russlands Leichtathletik gegen Auflagen der IAAF und WADA. Die WADA zeigt sich bestürzt. Richard Pound, der Vorsitzende der unanhängigen WADA-Kommission, zweifelt an einer Olympia-Teilnahme des suspendierten Leichtathletik-Teams.

11. März 2016: Das Council des Weltverbandes IAAF teilt mit, dass Russlands Leichtathletik-Verband weiter gesperrt bleibt.

20. April 2016: Zwei von der WADA gestellte unabhängige Experten sollen künftig die Anti-Doping-Reformen von Russland vor Ort überwachsen. Das russische Sportministerium stimmt den Maßnahmen zu.

21. April: Die IAAF verlautbart, dass sie am 17. Juni in Wien die Entscheidung des Councils bekanntgeben wird, ob die russischen Athleten wieder zu Leichtathletik-Wettkämpfen zugelassen werden oder weiterhin ausgeschlossen bleiben. In diesem Fall wäre auch eine Olympiateilnahme nicht möglich.

12. Mai 2016: Gregori Rodschenkow, ehemals Chef des Moskauer Doping-Kontrolllabors, spricht in der “New York Times” über ein staatliches Dopingsystem, das bei den Winterspielen in Sotschi 2014 maßgeblich zum Erfolg der Russen beigetragen haben soll. 15 russische Medaillen-Gewinner sollen gedopt gewesen sein. US-Justiz, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die WADA nehmen Ermittlungen auf.

17. Mai 2016: Das IOC teilt mit, dass nach der Auswertung von 454 aufbewahrten Proben der Sommerspiele 2008 in Peking 31 Teilnehmer auffällig geworden sind. Darunter sind 14 Russen.

21. Mai 2016: Die WADA lässt das suspendierte Moskauer Testlabor zumindest wieder Blutproben analysieren, aber weiterhin keine Urinproben.

27. Mai 2016: Bei Nachkontrollen der Sommerspiele 2012 in London wurden 23 Sportler positiv getestet, hinzu kommt ein weiterer von Peking 2008. Wie das russische Olympische Komitee bekannt gibt sind, sind unter den London-Positiven acht Russen.

9. Juni 2016: Russlands Sportminister Witali Mutko weist in der ARD-Dokumentation “Geheimsache Doping – Showdown für Russland” erhobene Vorwürfe als “lächerlich” zurück, er habe die positive Probe eines Fußballers vertuscht. Er widerspricht auch der Darstellung, der wegen Dopings lebenslang gesperrte frühere Geher-Cheftrainer Wiktor Tschegin arbeitete weiterhin für den Verband.

10. Juni 2016: Die Ethik-Kommission der IAAF suspendiert im Zusammenhang mit dem russischen Doping-Skandal drei Mitarbeiter vorläufig für sechs Monate. Es sind dies der frühere Kommunikationsdirektor und stellvertretende IAAF-Generalsekretär Nick Davies, Jane Boulter-Davies aus der IAAF-Zentrale und Pierre-Yves Garnier, Manager im Medizinischen Stab.

17. Juni 2016: Die IAAF entscheidet in Wien, ob die russischen Bemühungen um Rehabilitation ausreichend sind, und die Suspendierung aufgehoben wird.

15. Juli 2016: Die WADA will bis 15. Juli ihren Ermittlungsbericht zur Untersuchung zu Sotschi abgeschlossen haben. Dann muss das IOC entscheiden, ob Russland möglicherweise komplett von den Rio-Spielen ausgeschlossen wird.

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