ÖFB-Präsident Windtner: “Koller hat keine Ausstiegsklausel”

via Sky Sport Austria

Wien, 20.03.2016. Zu Gast bei „Talk & Tore – Die Tipico Fußballdebatte” waren am Sonntag ÖFB-Präsident Leopold Windtner, Standard-Journalist Christian Hackl, Sportzeitung-Chefredakteur Gerhard Weber und Kurier-Sportresortchef Bernhard Hanisch. Hier einige Aussagen des von Gerfried Pröll moderierten Live-Talks.

 

 

Leo Windtner:

…wird nicht Gefahr laufen, dass ihm Marcel Koller bei weiteren Erfolgen zu früh davon läuft: “Es gibt keine Ausstiegsklausel. Ich glaube, dass man bei derartigen Verträgen die robuste Vertrauensbasis braucht um zu sagen, wir gehen für die nächsten zwei Jahre eine Partnerschaft ein und da wollen wir keinen Unsicherheitsfaktor einschließen und klare Sicht haben.”

…über Infrastrukturkriterien und das richtige Ligenformat der SkyGo-Erste-Liga: Wir haben hier bereits den entsprechenden Beschluss, dass die Infrastrukturkriterien für die Regionalligaklubs in Zukunft ganz klar klassifiziert werden. Da gibt es Mindeststandards. Bei Spielerverträgen, es kann niemand verhindern, dass jemand bei Rot über die Kreuzung geht. Das ist einmal so. Wir können nur die Regeln dafür schaffen und wenn sich jemand nicht daran hält, dann muss man das entsprechend sanktionieren. Da gibt es keinen Zweifel. Aber wir werden auch nicht an der Formatdiskussion vorbei kommen. Es geht um die Grundsatzdiskussion, wie wir den Übergang vom Amateur- in den Profifußball schaffen. Das ist die wesentliche Schlüsselstelle für unseren Fußball. Ob wir jetzt 16, 12 oder 10 Klubs haben, das kann man sich anschauen. Alles ist schlüssig. Das teilt sich in Europa auf. Die Hälfte hat mehr als 14, die Hälfte hat weniger als 14. Das ist nicht der entscheidende Faktor dafür.

…über die künftigen Nachfolger Thomas Hollerer und Bernhard Neuhold beim ÖFB: Sicher hat Gigi Ludwig viel Macht gehabt. Die hat er auch gut genutzt, da gibt es keinen Zweifel. Aber es wird notwendig sein, schon alleine aufgrund des Wartungserlasses des Finanzministeriums. Es wird der ÖFB in Zukunft jenen Bereich, der die Profiabteilung bildet, das Nationalteam, das U21-Team und auch den gesamte Sponsorenbereich, in eine Kapitalgesellschaft eingliedern.

…vertraut der Reife der Nationalmannschaft in Hinblick auf die EM und warnt gleichzeitig vor Leichtsinn: Ich verweise auf das Beispiel, als wir uns vor kurzem beim FIFA-Kongress getroffen haben, mit unseren Freunden aus Ungarn und mit den Isländern. Die Isländer sind happy, dass sie Österreich und Ungarn in ihrer Gruppe haben. Die Ungarn sind nicht unglücklich, um das so zu formulieren. Damals ist gerade die Vertreterin von Norwegen vorbei gegangen und das war das leuchtende Beispiel dafür. Norwegen hat sich irrsinnig gefreut, im Play-Off die Ungarn zugelost zu bekommen und sind zu Hause geblieben. Daher, wir müssen vollen Respekt vor diesen Gegnern haben. Aber wir sind uns auch darüber einig, es ist das erklärte Ziel von uns, dass wir die Gruppenphase überstehen. Ich kann nur Marcel Koller zitieren: Wir fahren nicht hin um dann nach der Gruppenphase heimzufahren.

…würde sich während seiner dritten Amtsperiode, die er sich gut vorstellen kann, um ein neues Nationalstadion kümmern: Das Entscheidende ist, dass wir die Politik überzeugen können, dass der Bedarf für ein Nationalstadion wirklich da ist. Und Varianten schaffen, dass es finanzierbar ist, ausgelastet ist und dass es für die Infrastruktur Wiens, und damit habe ich schon klargestellt, wo es stehen soll, ein wesentlich bereichender Bestandteil und ein Zukunftsprojekt ist. Das ist wichtig, denn ansonsten werden wir darauf reduziert, dass vier oder fünf Spiele im Jahr zu wenig sind. Es muss ein Gesamtkonzept geben und das müssen wir mit der Politik gemeinsam entwickeln. Wir wollen keinen Druck erzeugen sondern wir wollen Verständnis schaffen, dass wirklich Bedarf gegeben ist. […] Wien hat einen Nimbus als Host-City wie kaum eine andere Hauptstadt in Europa.

 

Christian Hackl:

…sorgt sich um die zunehmende Bedeutungslosigkeit der heimischen Bundesliga: Die Leute sind ausgehungert. Wir leben in Österreich. Der Alltag ist die Liga. Die Zuschauerzahlen gehen extrem zurück. Die Leute interessiert mittlerweile eher, wie Nürnberg gegen Leipzig ausgegangen ist als Altach gegen Grödig. Voraussichtlich haben wir einen einzigen Spieler aus der österreichischen Liga, den Tormann Franz Almer. Künftige Nationalspieler werden nie im Land gespielt haben.

 

Gerhard Weber:

…über den “Abstiegs-Krampf” in der SkyGo-Erste-Liga: Die gehören definitiv weg. Zwei Fixabsteiger in einer Zehnerliga, das ist nicht machbar. Nachdem von unten kaum jemand mehr hinauf will oder kann.

 

Bernhard Hanisch:

…warnt die Öffentlichkeit vor übertriebener EM-Euphorie: Ich bin immer ein bisschen vorsichtig. Man hat schon bei anderen Großveranstaltungen geglaubt, dass man weit kommt. Der Teamchef sagt nämlich etwas richtiges. Die Menschen wissen sehr wenig über Ungarn und Island. Und er selbst sieht sich zehn Spiele von jedem Gegner an sagt dann zurecht, ich weiß schon, wie gut die sind. Trotzdem glaube ich, dass man die Gruppenphase überstehen sollte. Obwohl es schwieriger wird, als man denkt.

 

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Wiederholungstermine der aktuellen Sendung auf Sky Sport Austria HD:
Montag, 21. März, 23.45 Uhr
Dienstag, 22. März, 8.15 Uhr
Mittwoch, 23. März, 16.45 Uhr

 

Titelbild: Sky Sport Austria