MARIA ENZERSDORF,AUSTRIA,28.OCT.17 - HANDBALL - OEHB international match, Austria vs Serbia, test match. Image shows the team of AUT. Photo: GEPA pictures/ Christian Ort

ÖHB-Männer nach Umbruch zwischen Euphorie und Realismus

via Sky Sport Austria

Angesichts des Generationenwechsels war für Österreichs Handballmänner schon die Qualifikation für die am Freitag (18.00 Uhr) mit dem Match gegen Weißrussland beginnende EM in Kroatien ein beachtlicher Erfolg. Das Team, das spätestens seit dem Karriereende von Jahrhundertspieler Viktor Szilagyi 2016 vom Kollektiv lebt, muss nun den Spagat zwischen Realismus und Euphorie schaffen.

“Ich habe mir selbst die Frage gestellt, ob die EM für das Team zu früh kommt”, lächelte Teamchef Patrekur Johannesson vor dem EM-Start. Die Antwort sei freilich klar: Eine Endrunde könne nie zu früh kommen. Schließlich biete sie den jungen Akteuren die unbezahlbare Möglichkeit, Erfahrung auf Topniveau zu sammeln. Und da haben zahlreiche Spieler tatsächlich Bedarf: Schließlich sind von der starken Truppe um Szilagyi, die 2015 das WM-Viertelfinale nur hauchdünn verpasste, lediglich noch sechs Mann an Bord. Im Vergleich zur Heim-EM 2010 sind es überhaupt nur noch zwei.

Szilagyi hat ebenso wie Roland Schlinger, Markus Wagesreiter und Lucas Mayer die Karriere beendet. Andere wie Kiel-Legionär Raul Santos (der immerhin im erweiterten Kader aufscheint) oder Maximilian Hermann waren bzw. sind verletzt. Und auch der inzwischen 38-jährige unermüdliche Kämpfer Vitas Ziura, der im EM-Quali-Play-off noch dabei war, befindet sich derzeit nur im erweiterten Aufgebot. Junge wie Flügel Sebastian Frimmel (31 Länderspiele), Goalie Kristian Pilipovic (14) oder Kreisläufer Wilhelm Jelinek (28) sind bei ihrem ersten Großereignis gefordert.

Bleiben noch die Routiniers Robert Weber (155), Thomas Bauer (132/beide schon 2010 dabei), Janko Bozovic (126), Alexander Hermann (69) und Romas Kirveliavicius (30), die alle 26 Jahre oder älter sind. Eine Sonderrolle nimmt Kiel-Legionär Nikola Bilyk ein: Österreichs Aushängeschild ist zwar erst 21, hat aber bereits 42 Länderspiele am Konto und war bereits in Katar mit von der Partie. Auf dem Rückraumakteur lastet schon in frühen Jahren viel Druck. “Ich habe gesehen, dass er uns fehlt”, meinte Johannesson etwa im Rückblick auf das letzte EM-Testspiel gegen Tschechien (21:35), in dem er Bilyk einer Fußblessur wegen schonte.

“Er ist ein wichtiger Faktor”, sagte Johannesson über den ehemaligen Margaretner, der es in der laufenden Saison mit dem deutschen Rekordmeister nicht immer leicht hat. “Er war schon als junger Spieler im Kopf sehr reif. Aber jetzt hat er mit Kiel Spiele gewonnen und Spiele verloren. Er ist kritisiert worden”, zeigte sich der ÖHB-Teamchef überzeugt von einem weiteren Reifeprozess. Genau das sei notwendig: “Wenn du in deinem gemütlichen Raum bleibst, wirst du nicht besser.”

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Johannesson selbst ist die Konstante an der Seitenlinie, er betreut Rot-Weiß-Rot bereits seit November 2011. Der 45-jährige betonte, “heiß” auf die EM zu sein – und doch einigermaßen entspannt an die Sache heranzugehen. Dafür seien auch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit verantwortlich. “Ich weiß, dass ich die Qualifikation für diese drei Großereignisse (EM 2014 und 2018, WM 2015) geschafft habe, das nimmt mir keiner weg”, erklärte der 241-fache Ex-Internationale seiner isländischen Heimat. Auf der Insel trainiert der Bruder des Präsidenten Gudni in seiner ÖHB-freien Zeit den Erstligisten UMF Selfoss.

Seine Aufgabe in Kroatien werde es unter anderem sein, den “Neuen” den Druck zu nehmen. “Ich will meine jungen Leute in Schutz nehmen”, betonte Johannesson. “Schließlich mussten auch Viktor (Szilagyi) oder Conny (Konrad Wilczynski) erst 30 werden, um die Qualifikation zu schaffen.” Das Ziel in Kroatien? “Man muss aus der EM lernen. Wir wollen aber das Maximale.”

Das ist wohl der Aufstieg in die Hauptrunde, die ersten drei jeder Vorrundengruppe lösen das Ticket. Angesichts der weiteren Gegner in Porec, Weltmeister Frankreich (Sonntag, 18.00) und Vizeweltmeister Norwegen (Dienstag, 20.30), kommt dem Auftakt gegen Weißrussland vorentscheidende Bedeutung zu. “Wir haben nur Weißrussland im Kopf”, meinte denn auch Johannesson.

Beitragsbild: GEPA

(apa)