Austrias Elfmeterschüt­zen sind nicht schuld

via Sky Sport Austria

Die Kolumne von Sky-Experte Peter Schöttel.

Für Diskussionen war gleich einmal gesorgt in dieser ersten Frühjahrsrunde. Und ich meine damit bei meiner ersten Bundesliga-Kolumne für den KURIER nicht die Ergebnisse, sondern die fünf Elfmeter für die Wiener Vereine und deren komplett unterschiedliche Auswirkungen.

Vorweg: Alle fünf Elfmeter waren regeltechnisch zu geben. Bei der schwierigsten Entscheidung war Referee Dominik Ouschan nicht souverän, weil er offensichtlich schon Gelb für Robert Beric zeigen wollte, um dann nach Rücksprache mit dem Assistenten doch auf Elfmeter und Rot für den Rieder Tormann zu entscheiden. Wenn er sich ein wenig mehr Zeit gelassen hätte, wäre sicher weniger Hektik auf dem Spielfeld entstanden.

Rapid nach der Pause zu langsam und unpräzise
Auffällig war auch, dass Steffen Hofmann erstmals in dieser Saison (krankheitsbedingt) nicht in der Startformation stand. Prompt konnte sich Rapids Elfmeterschütze Nr. 1 – nach 18 Runden ohne Strafstoß – von der Bank aus über die staubtrocken und sicher verwandelten Penaltys von Deni Alar und Beric freuen.

Dass es beim 3:0 blieb, lag auch daran, dass Rapid nach der Pause zu langsam und zu unpräzise gespielt hat. Allerdings: Der Start ist mit den drei Punkten geglückt. Und dass drei sicher verwandelte Elfmeter gar nicht so selbstverständlich sind, hat sich in Klagenfurt mit den beiden vergebenen Strafstößen der Austria gezeigt.

Egal, ob vom Trainer bestimmt, oder auf dem Feld von den Spielern entschieden – wenn der Strafstoß nicht verwertet wird, kommen dir als Trainer natürlich Zweifel an der Wahl des Schützen.

Nach den Fehlschüssen habe ich Austria-Trainer Gerald Baumgartner in seiner Coachingzone genau beobachtet: In diesen Momenten stehst du als Trainer einsam da. Du bist abhängig von einer Aktion, die enorme Auswirkungen haben kann. Vielleicht ist Baumgartner eingefallen, dass es nicht der erste verschossene Elfer von Alexander Grünwald innerhalb eines Jahres war. Oder, ob es wirklich so schlau war, Raphael Holzhauser seinen ersten Ballkontakt in der Bundesliga gleich vom Elfmeterpunkt ausführen zu lassen?

Uninspirierte Austria

Jeder Trainer wünscht sich Spieler, die Verantwortung übernehmen, sich nicht verstecken in schwierigen Situationen. Grünwald und Holzhauser die Schuld an der Pleite zu geben, wäre daher viel zu einfach gedacht. Ich sage: Die Austrianer wirkten viel zu uninspiriert und schwerfällig. Sie fanden keine Mittel gegen die stabile WAC-Defensive, angeführt vom Elfmeterkiller Alex Kofler. Außerdem war das Abwehrverhalten beim 0:1 indiskutabel für eine Mannschaft mit diesen Ansprüchen.

Während Rapid kaum Aufschlüsse vom Auftakt mitnehmen kann, muss die Austria das Spiel in Kärnten rasch, klar und schonungslos analysieren. Der ohnehin schon große Druck aus dem Herbst wurde nochmals verstärkt. Das Heimspiel am Samstag wird ganz wichtig. Ausgerechnet jetzt wartet der ebenso unangenehme wie starke Aufsteiger aus Altach.

Peter Schöttel ist Sky-Experte und schreibt in seiner Kurier-Kolumne regelmäßig über das Geschehen in der Bundesliga.