MUNICH,GERMANY,18.AUG.17 - SOCCER -  1. DFL, 1. Deutsche Bundesliga, FC Bayern Muenchen vs Bayer 04 Leverkusen. Image shows referee Tobias Stieler listen to the video assist. Photo: GEPA pictures/ Markus Fischer

Premiere für den “VAR”: Erst “nahe an der Perfektion”, dann peinliche Panne

via Sky Sport Austria

München (SID) – Der erste Abend, stellte Tobias Stieler erleichtert fest, war schon “nahe an der Perfektion”. Die Technik in München funktionierte reibungslos, in der 52. Minute des Eröffnungsspiels der Bundesliga zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen (3:1) kam es dann sogar zur historischen Entscheidung: Stieler, Schiedsrichter aus Hamburg, gab Elfmeter – nachdem ihm Jochen Drees, “Video-Assistent” in Köln, signalisiert hatte: Stimmt so!

Was nach einjähriger Vorbereitungszeit so bemerkenswert gut begonnen hatte, entwickelte sich allerdings am Samstag zu einer Premiere mit Pannen. Bei drei von fünf Spielen kam aufgrund von erheblichen technischen Problemen beim Dienstleister Hawkeye der Video-Assistent gar nicht oder lediglich teilweise zum Einsatz. Das erzürnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) in seltener Heftigkeit. Die Situation sei “nicht hinnehmbar”, teilte sie mit.

Bei den Spielen in Hoffenheim (gegen Bremen), Hamburg (gegen Augsburg) und Berlin (gegen Stuttgart) konnte das System in der ersten Halbzeit nicht genutzt werden, weil keine Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent möglich war. Heißt: Die Schiedsrichter im Stadion waren auf sich allein gestellt. In der zweiten Halbzeit klappte die Verständigung mit Köln dann wenigstens in Hoffenheim und in Berlin wieder.

Eine reibungslose Kommunikation ist Sache von Hawkeye, Anfang der Woche müssen die Verantwortlichen nun zum Rapport bei der DFL. Zur Sprache kommen wird dabei auch, dass die Kalibrierung der Linien, mit denen Abseitssituationen überprüft werden sollen, nicht funktioniert. Dieses Problem war bereits beim Supercup in Dortmund zwischen dem BVB und dem FC Bayern Anfang August aufgetaucht, führt aber nicht zum Komplett-Ausfall.

Wenn alles funktioniert wie am Freitagabend, ist der “Video Assistant Referee” (VAR) ein Gewinn. “Wir wissen ja: Auch die Schiedsrichter sind nicht perfekt, wir machen auch Fehler, und wenn sie dann so korrigiert werden: wunderbar”, sagte Stieler. Tatsächlich hatte er die Situation in der 52. Minute, als Robert Lewandowski von Charles Aránguíz im Strafraum umgerissen wurde, nur “aus den Augenwinkeln” wahrgenommen.

“Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat, denn wie wäre es ohne Video-Assistent gewesen …?” Ja, wie wohl? “Ich wäre”, ahnt Stieler, “in die Kabine gekommen und die hätten gesagt, ich habe einen klaren Elfmeter übersehen.” So aber konnte Video-Assistent Drees dem Kollegen in München bestätigen, was dieser “vom Gefühl her” bereits zu wissen glaubte. Nur 36 Sekunden nach dem Foul und der Kontaktaufnahme zu Drees pfiff Stieler Elfmeter.

Der VAR beruhigt auch die Emotionen aller Beteiligten. “Im Spiel habe ich mir schon gedacht, dass da nicht alles astrein war”, sagte Thomas Müller über die Szene, die mit Verspätung zum Elfmeter führte, doch auch er, der ja stets so emotional reagiert, blieb ruhig: keine Aufregung, keine Proteste auf dem Spielfeld, als Stieler den Finger ans Ohr legte – eindeutiges Zeichen dafür, dass er Kontakt mit seinem Helfer in Köln aufgenommen hatte.

“Das sind genau die Situationen”, betonte Stieler, “in denen der Video-Assistent helfen kann, den Fußball gerechter zu machen.” Vorausgesetzt, die Technik funktioniert.

Beitragsbild: GEPA Pictures