Stadt Graz schlägt Land als Miteigentümer für Stadion Liebenau vor
Nachdem die beiden Bundesligisten SK Sturm Graz und GAK in der vergangenen Woche ihre Vorstellungen für das Stadion in Liebenau vorgelegt haben, hat die Grazer KPÖ-geführte Rathauskoalition am Dienstag einen Teil der Ideen der Vereine aus rechtlichen Gründen verworfen. Stattdessen bietet die Stadt Graz dem Land Steiermark an, Miteigentümer zu werden. Eine Modernisierung für 60 bis 70 Millionen Euro sei vorgesehen, hieß es in einer Aussendung.
Der nun vorliegende Plan habe die von den Vereinen vorgelegten Ideen aufgegriffen, nun aber auch die wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen dazu auf den Tisch gelegt. Ein wie von Sturm und GAK vorgelegtes Modell sei in dieser Form nicht umsetzbar: „Es verstößt gegen die Subventionsordnung der Stadt Graz, das EU-Beihilfenrecht sowie das EU-Wettbewerbsrecht und wäre darüber hinaus gegenüber der Grazer Bevölkerung finanziell nicht verantwortbar.“ Vergleiche mit Wien und Linz seien nicht haltbar, denn dort hätten die Vereine bis zu 70 Prozent der Kosten getragen, während die Vereine in ihrem Modell für Graz nur etwa 20 Prozent vorschlagen und dafür aber sämtliche Stadionrechte sowie ein Baurecht ohne Gegenleistung beanspruchen. Das sei für die Stadt nicht denkbar.
Zuschauerzahl-Erhöhung auf 20.000
Am kommenden Donnerstag will die Stadt Graz nun ihr neues Modell den Vereinen präsentieren und dieses sehe ein „deutlich erweitertes Mitspracherecht sowie mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Vereine vor“. Dem Wunsch der Vereine nach mehr Mitbestimmung, Verantwortung und zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten werde dadurch Rechnung getragen, „dass sie das gesamte Stadion pachten und umfassende Nutzungs- und Verwertungsrechte erhalten. Dazu zählen unter anderem Rechte für Veranstaltungen, Schankrechte, Namensrechte, Vermarktung sowie Eventformate“.
Auf technischer Ebene sei eine Modernisierung des Stadions mit einem Investitionsvolumen von rund 60 bis 70 Millionen Euro vorgesehen. Geplant sind unter anderem eine Absenkung des Rasens zur Kapazitätserhöhung auf rund 20.000 Zuschauer, die Herstellung der Champions-League-Tauglichkeit, ein gezielter Ausbau des Hospitality-Bereichs, die Erneuerung der Stadiontechnik, Verbesserungen an der Fassade sowie eine Neugestaltung des Stadionvorplatzes.
Land als Miteigentümer der Stadion Verwaltungs GmbH
Ohne eine substanzielle Beteiligung des Landes Steiermark sei eine derartige Modernisierung aber nicht möglich, betonte die Stadt. Der Vorschlag sieht daher vor, dass das Land Miteigentümer der Stadion Verwaltungs GmbH sowie Miteigentümer des Stadions Liebenau wird. „Stadt und Land würden gemeinsam die bauliche Modernisierung inhaltlich und finanziell verantworten“, so die Idee. Mit dem Land stehe die Stadt diesbezüglich bereits seit Ende vergangener Woche im Austausch und vertiefende Gespräche würden diese Woche folgen.
Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) sagte am Dienstag bei der Landtagssitzung, dass sich das Land jedenfalls finanziell am Stadion-Ausbau beteiligen werde, doch es brauche eine „tragfähige Lösung für die Vereine, für die Stadt, für das Land Steiermark und die Steuerzahler“. Auf die Frage, ob das Land Miteigentümer sein wolle, sagte Kunasek: „Wenn die öffentliche Hand, sprich die Stadt Graz als Eigentümer, und das Land Steiermark Steuergeld in die Hand nimmt, dann ist es selbstverständlich klar, dass diese Beteiligung auch mit entsprechenden Rechten in entsprechenden Verträgen abgebildet sein muss.“
Das sagte Jauk im November bei „Talk und Tore“ zur Stadionthematik:
Entscheidung noch vor Gemeinderatswahl
Die Stadt Graz meinte, dass der nun vorliegende Vorschlag schon im Februar im Gemeinderat beschlossen werden könnte, sofern die Vereine und das Land Steiermark ihn mittragen. Danach könnte ein Planungsbeschluss im Mai folgen. Die technische Basis biete die von der Baudirektion ausgearbeitete Machbarkeitsstudie. Für Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) entspreche der Plan „den Interessen der Stadt und der Vereine gleichermaßen“. Über die Zukunft des Stadions soll noch vor der anstehenden Gemeinderatswahl entschieden werden, so der Wunsch der Koalition. Klappe das nicht, werde die Stadt Graz das Stadion „mit rund 30 Millionen Euro sanieren, um die notwendige Bestandssicherung zu gewährleisten“, so Kahr.
KFG-Obmann Alexis Pascuttini äußerte sich am Dienstag kritisch, denn im Gegensatz zu bisherigen Einschätzungen sei das Stadion nun doch für weit weniger Geld zu sanieren: „Dieser Schlingerkurs rund ums Stadion muss endlich enden.“ Der steirische NEOS-Klubobmann Niko Swatek, der die Anfrage im Landtag an Kunasek gestellt hatte, meinte: „Der Ball liegt nun bei der Landesregierung. LH Kunasek muss klarstellen, ob und wie die Unterstützung des Landes aussehen soll.“
(APA) / Bild: GEPA
