Sturm Graz: Das Tischtuch zwischen Verein und Teilen der Fans scheint eingerissen

via Sky Sport Austria

Das Tischtuch zwischen Verein und einem Großteil der Fans scheint beim SK Sturm Graz eingerissen. Trotz des 4:1-Erfolgs gegen Altach (der erste Heimsieg im Jahr 2016) fiel der Support und Jubel auf den Tribünen eher verhalten aus. Nach den Toren zeigten vor allem das Team eine geschlossene Reaktion und jubelte im Kollektiv vor der eigenen Bank. Das könnte auch als Seitenhieb der Mannschaft gegenüber den Fans verstanden werden, denn auch nach dem Spiel versammelten sich die Sturm-Spieler nicht vor den Fans, sondern im Mittelkreis, um den wichtigen “Dreier” gebührend zu feiern.

Bereits am 1. April kündigte das “Kollektiv 1909” nämlich auf ihrer Internetpräsenz in einer Mitteilung an, den “organisierten Support einzustellen”. Der “Unmut quer durch die Fanszene” sei einfach zu groß. Dies beruhe allerdings “nicht auf kurzfristigen Misserfolgen, sondern vielmehr an jahrelangen Fehlentwicklungen”, wie das “Kollektiv 1909″ erklärt.

Fanthematik auch bei Talk und Tore Thema

Auch bei Talk und Tore wurde die Fan-Thematik am Sonntag aufgegriffen. Talk-Gast Josef Hickersberger bezog zum Fanboykott klar Stellung: “Ich habe überhaupt kein Verständnis, wenn sich Fans, sei es bei Sturm, Rapid oder Austria, für wichtiger halten, als der Verein. Wenn sie glauben Entscheidungen des Klubs beeinflussen zu können, das ist das schlimmste, was einem Trainer und einem Verein im Fußball passieren kann. Und wenn da von Vereinsseite nicht rechtzeitig dagegen vorgegangen wird, dann kann das kein gutes Ende nehmen”.

 

 

Sturm-Trainer Franco Foda war hingegen sichtlich mehr um Deeskalation bemüht. “Ich kann viel ertragen. Gerade in so einer Situation werde ich sehr ruhig”. Er sieht das Thema also insgesamt gelassener und kann die in einem Traditionsverein vorhandenen Emotionen und Erwartungshaltungen nachvollziehen. Seiner Meinung nach, ist aber vor allem das Verletzungspech zentraler Leistungsträger wie Roman Kienast, Thorsten Schick und Donis Avdijaj Schuld an der allgemeinen Unzufriedenheit.

Foda: Kritik ja, Angriff auf die Spieler nein

Diese Einschätzung deckt sich auf den ersten Blick allerdings nicht mit dem Wortlaut vom “Kollektiv 1909”, welche ja die “jahrelangen Fehlentwicklungen” innerhalb des Vereins als Grund für ihre Entscheidungen den Support einzustellen, nennt. Kein Verständnis zeigt Sturm-Trainer Franco Foda allerdings, wenn seine Spieler persönlich angegriffen werden: “Wenn die Erwartung nicht erfüllt wird, dann muss man bei einem Tradiotionsverein mit Kritik leben können, mit Unmutsäußerungen und auch mit Pfiffen. Aber persönliche Angriffe auf Spieler – das geht einfach zu weit. Da wurden Grenzen überschritten.”

Vor allem Dreifachtorschütze Bright Edomwonyi, der zuletzt als Chancentod bezeichnet wurde, wurde von den eigenen Fans vor dem Spiel verhöhnt. “Insofern ist es dem Spieler noch höher anzurechnen, dass er gestern dreimal getroffen hat. Das hat man auch an der Reaktion der Mannschaft gesehen. Sie haben sich mit ihm gefreut und das war für ihn extrem wichtig”, zeigte sich Foda erfreut.

Das “Kollektiv 1909” hat sich nach dem Heimspiel gegen Altach in einer weiteren Aussendung von den “beschämenden Vorfällen” distanziert. Die “Verhöhnung von einzelnen Mannschaftsmitgliedern und jegliche Form von Negativ-Support gegeüber einzelnen Mannschaftsmitgliedern” sei “völlig inakzeptabel”. Auch in diesem Schreiben wird erwähnt, dass sich “der momentane Protest ausdrücklich nicht gegen die Elf am Feld richtet, sondern auf weitreichende Probleme im Verein hinweisen soll”.

 

 

Sportdirektor soll kommen

Sportlich ging es in den letzten beiden Spielen bei den Grazern wieder aufwärts. Dem 3:1 in Grödig, folgte der oben erwähnte 4:1-Heimsieg über Altach. In der Tabelle liegt man einen Punkt hinter der Admira auf Rang fünf. Das “Kollektiv 1909” kritisiert in ihrer Aussendung aber weniger die aktuelle sportliche Lage, als viel mehr die fehlenden Strukturen im Verein. Der SK Sturm hatte zuletzt angekündigt auf der Suche nach einem Sportdirektor zu sein, was die Fans durchaus begrüßenswert finden. Die “Steirer Krone” brachte zuletzt Günter Kreissl, aktuell Trainer bei Sky Go Erste Liga-Klub SC Wiener Neustadt, ins Spiel. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings noch aus. Die Führungsriege soll sich aber bereits auf den 41-jährigen Wiener festgelegt haben.

Jedoch könne die Installierung eines Sportdirektors nur ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sein, um die jahrelangen Versäumnisse, in nächster Zeit aufzuarbeiten und schließlich auch auszumerzen, wie der Verein zur Förderung der Fankultur ausdrücklich betont.

Trainer Franco Foda betonte bei “Talk und Tore” aber auch, dass er die geleistete Arbeit von General Manager Gerhard Goldbrich durchaus schätze. Er habe mit Goldbrich natürlich auch schon darüber gesprochen, wie der Kader für die kommende Saison aussehen soll bzw. auf welchen Positionen noch Handlungsbedarf besteht. Ob der neue Sportdirektor – sei es nun Kreissl, oder eben ein anderer – auch noch Einfluss auf die Kaderplanung für die kommende Spielzeit hat, wird man sehen. Aber wie sagte Foda so schön: “Die Zeit drängt. Das ist momentan eine extrem wichtige Phase.”

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