“Talk & Tore” mit Freund, Baumeister, Kastler und Tatar

via Sky Sport Austria

Wien, 07.08.2016. Zu Gast bei „Talk & Tore – Die Tipico Fußballdebatte” waren am Sonntag der sportliche Leiter von Red Bull Salzburg Christoph Freund, Admira Wacker-Sportdirektor Ernst Baumeister, LAOLA1-Redakteur Bernhard Kastler und Sky-Experte Alfred Tatar.

Die komplette Sendung im Video:

Christoph Freund:

über die Entwicklung des FC Liefering: Wir haben da einen Pool an richtig interessanten und guten Spielern und dadurch wird sich hoffentlich auch das Niveau in der österreichischen Liga auf Dauer verbessern, weil viele bei anderen Vereinen auch unterkommen werden. Es ist unsere Art und Weise wie wir arbeiten und das wollen wir auch in Zukunft weiter voran treiben. Wir haben jetzt wieder eine richtig spannende Lieferinger Mannschaft. Für mich ist das eine der interessantesten U23-Mannschaften in ganz Europa. Das kann man wirklich so sagen.

über die erneuten Champions-League-Ambitionen von Salzburg gegen Dinamo Zagreb: Es ist immer das große Ziel. Man kann jedes Jahr durchgehen, es hat nie gepasst, warum auch immer. Wir schauen jetzt nicht zurück, wir schauen nach vorne. Ich habe der Mannschaft schon gesagt, dass wir unser Ziel erreicht haben, dass wir im Herbst international dabei sind. Da war auch ein großer Druck auf der Mannschaft. Das hat man auch teilweise gesehen. Und bei diesem Spiel können wir jetzt nur gewinnen. So gehen wir an diese Sache heran und vielleicht ist das der ausschlaggebende Trumpf, dass wir es dieses Jahr schaffen können. Wer weiß es. Die Entscheidung fällt am Platz. Es sind immer knappe Spiele. Wir gehen mit einer sehr positiven Grundstimmung rein. Wir haben von den letzten 27 Spielen unter Oscar Garcia nur zwei verloren, zwanzig gewonnen. Das ist schon eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Die Mannschaft ist gefestigt. Es ist nicht leicht uns zu schlagen. Das weiß die Mannschaft. Und da ist in den letzten Monaten ein Prozess von statten gegangen. Diese Tatsachen sprechen für uns, dass wir es dieses Jahr schaffen werden.

stellt die Ausbildung von Spielern über das Erreichen der Champions-League: Ich möchte noch einmal sagen, was sich in den letzten Jahren bei Red Bull alles entwickelt hat. Welche Spieler wir hierher gebracht haben, wie wir sie entwickelt haben und dann Transfersummen in die Höhe geschraubt haben. Das war vorher nicht vorstellbar. Das macht uns schon stolz. Und es geht nicht nur um die Champions-League sondern auch um Entwicklung und die Spieler, die wir nach Österreich gebracht haben. Und darum soll man nicht immer nur alles auf der Champions-League aufhängen. Wir haben in den letzten fünf Jahren von zehn möglichen Titeln acht gewonnen. Man muss das Große und Ganze sehen.

Ernst Baumeister:

zieht eine positive Europacup-Bilanz: Für unsere Verhältnisse war es erfolgreich. Wir haben im Vorfeld wie voriges Jahr in der Meisterschaft gehört, dass wir keine Punkte machen werden. Wir haben für die Fünfjahreswertung viele Punkte gemacht. Klar wollten wir viel weiter kommen, aber wir sind in der dritten Runde auf einen Gegner gestoßen, der zur Zeit noch für uns eine Nummer zu groß war. Für uns war es sehr interessant, weil wir eine junge Mannschaft haben und junge Trainer. Sie haben dazu gelernt. Ich hoffe, dass sie für ihre Entwicklung daraus lernen werden, nicht nur am Feld, weil man international auch rundherum sehr viel mitnehmen kann. So gesehen waren die drei Runden sehr positiv.

möchte mit der Admira in Zunkunft hoch hinaus: Wir sind auf einem sehr guten Weg dorthin. Das geht nicht von heute auf morgen. Jetzt haben wir einmal in sportlicher Hinsicht Werbung für uns gemacht, es geht ohnehin nur sportlich. Und jetzt schön langsam ist auch ein Umbruch in höhere Regionen bei uns da. Wir sind auf einem sehr guten Weg und wollen uns in den nächsten zwei, drei Jahren auch höher in der Tabelle etablieren. Das haben wir uns als Ziel gesetzt. Außerdem wollen wir nicht immer nur der Ausbildungsverein für Rapid oder Austria sein. Wir wollen so stark werden und die Kraft haben, dass wir auch bei Spielern nein sagen können, dass wir sie nicht hergeben müssen. Das verfolgen wir sehr intensiv und ich gehe auch davon aus, dass wir das umsetzen werden.

über den Stand der Vertragsverhandlungen mit Markus Wostry: Mit Markus habe ich schon zwei ganz positive Gespräche geführt und ihn werden wir jetzt länger an uns binden. Da haben wir nächste Woche den nächsten Termin, da haben wir endlich Ruhe, weil wir die ganze Zeit unterwegs waren. Ich werde in den nächsten Wochen auch noch mit zwei, drei anderen jungen Spielern reden. Die werde ich aber nicht nennen, weil ich die anderen Vereine nicht auf sie aufmerksam machen möchte.

Bernhard Kastler:

über die Leistungsexplosion von Altach-Stürmer Oberlin: Er hat die Ansätze schon in Salzburg gezeigt. Jetzt bleibt der Ball schon näher bei ihm. Er hat schon einen Schritt gemacht und jetzt explodiert er gleich einmal. Wenn eine Aktion aufgeht,dann geht vielleicht auch die nächste auf. So gesehen war es eine Frage der Zeit. Er braucht das Vertrauen, hat in den ersten beiden Spielen Halbstunden-Einsätze von Damir Canadi bekommen, gestern schon von Anfang an gespielt. So kann es gehen. Ein wenig schneller als erwartet. Es war eine Win-Win-Win-Situation, weil er bei Salzburg einfach nicht soviel gespielt hätte.

schätzt die Chancen von Salzburg gegen Dinamo Zagreb ein: Es kommt natürlich immer auch auf die Tagesform an. Salzburg hatte 2014 wahrscheinlich die beste Mannschaft in der Red Bull-Ära und ist sang- und klanglos in Malmö gescheitert. Jetzt ist es eine andere Herangehensweise. Es hätte vom Los her schlimmer kommen können als Dinamo Zagreb. Es ist ein Los, mit dem man leben kann. Salzburg ist jetzt defensiver. Das hat Oscar Garcia in seinem ersten Halbjahr gut gemanaged. Er hat die Defensive zurückgeschraubt, sie steht jetzt nicht mehr so hoch. Das könnte ein Trumpf sein, das hat man auch bei der Europameisterschaft gesehen. Vielleicht geht es ja auch einmal mit weniger Toren, die sie bekommen. Wer weniger bekommt, steigt auf.

Sky-Experte Alfred Tatar:

über Gründe der deutlichen Derby-Niederlage der Austria: Man dürfte erwarten, dass die Austria mit dem Messer zwischen den Zähnen einen heroischen Fight liefert. Aber das ist nicht geschehen. Die Austria hat nach diesem glorreichen Aufsteigen in das Play-Off gegen Trnava überhaupt nicht gezeigt, was sie dort ausgezeichnet hat, nämlich den unbedingten Siegswillen. Das hat mir völlig gefehlt. Und da ist es unerheblich, ob Trainer Thorsten Fink eine Mannschaft aufs Feld schickt, die nominell sehr offensiv ausgerichtet ist. Wenn nämlich die Grundtugenden, wie man überall hört, nicht vorhanden sind, die Kampfbereitschaft, so ein Spiel anzunehmen und mit Biegen und Brechen für sich zu entscheiden, dann ist es egal ob man mit einem, vier oder zehn Stürmern spielt.

über eine veränderte Spielphilosophie der Salzburger in Hinblick auf ihre Champions-League-Chancen: Philosophie ist immer ein hochtrabendes Wort. Es ist auf jeden Fall eine neuere Spielanlage. Wenn man Adi Hütter, Peter Zeidler und die Trainer davor hernimmt, da war das Spiel auf offensives, schnelles Agieren ausgerichtet, auf Spektakel. Jetzt hat man ein wenig das Tempo heraus genommen in dieser Hinsicht, mehr Kontrolle über das Spiel erlangt, vor allem mehr Kontrolle über die defensive Seite des Spiels. Damit ist die Mannschaft auch geerdet worden. Es ist zwar nicht mehr so, dass man erwarten darf, dass Salzburg in einem Spiel vier oder fünf Tore erzielen wird, das war früher der Fall. Jetzt kann man aber durchaus erwarten, dass man eine Mannschaft sieht, die das Spiel permanent kontrollieren wird, ohne großartig zu glänzen. Aufgrund der Tatsache, dass man die besseren Einzelspieler hat, werden sie sich auf Sicht über 90 Minuten durchsetzen. Das ist momentan die realistische Variante. Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube am Dach. Und deshalb wird es gegen einen enorm schweren Gegner mit Zagreb zum ersten wirklich realistisch sein, die Champions-League endlich zu erreichen.