Thiems Turnierplan wird sich auch 2017 nicht großartig ändern

via Sky Sport Austria

London (APA) – Immer wieder kommen die Fragen, auch von internationalen Journalisten, ob Dominic Thiem im Jahr 2017 seinen Plan zurückschrauben wird. Nicht weniger als zumindest 82 Matches wird der 23-jährige Niederösterreicher am Donnerstag absolviert haben. Mit dem Dreisatz-Sieg über Gael Monfils erhöhte er seinen Rekord in entscheidenden Sätzen in diesem Jahr bereits auf 22:3-Erfolge.

So mancher langjähriger ausländischer Experte äußert Bedenken, dass sich Thiem möglicherweise zu viel zumutet. Auf die Frage, ob der Aufsteiger seinen Plan 2017 ändern wird, bleibt Thiem bei früheren Aussagen. “Wenn ich weniger gespielt hätte, dann würde ich nicht hier bei den Finals sein. Einer der Gründe, warum ich hier bin, ist, weil ich viel gespielt habe”, sagte Thiem. Vielleicht werde er weniger spielen, vielleicht aber auch nicht. “Ich glaube auch, dass der Körper und der Geist sich daran gewöhnen wird. Es war mein erstes Jahr, dass ich über 80 Matches gespielt habe, natürlich falle ich da etwas zurück, das ist normal. Wenn ich nächstes Jahr die gleiche Menge an Matches und Turnieren spiele, werde ich daran schon viel besser gewöhnt sein”, glaubt der siebenfache Turniersieger aus Lichtenwörth.

250er-Turniere “Basis für ganze Tour”

Sein Langzeit-Coach Günter Bresnik sieht das genauso, auch die ATP-250er-Events wird Thiem wohl im gleichen Umfang spielen. “Freilich wird er wieder 250er spielen, er ist ja nicht einer, der nur bei den 1000ern und 500ern abgrasen würde.” Vor jedem Belagwechsel und großen Events ein kleines Turnier zu spielen ist für Bresnik wichtig. “Ersparen kannst du dir nie was, weil die Selbstverständlichkeit kriegst du ja nur dort.” Zudem sei die Wertigkeit der kleinen Turniere unterschätzt. “250er-Turniere sind für mich nach wie vor die Basis für die ganze Tour.” Tennis besteht für den 55-jährigen Niederösterreicher nicht nur aus denn vier Majors und den 1000ern, erklärt er.

Nach London wird Thiem wie auch sonst nur einen etwa zweiwöchigen Urlaub bekommen. Durch die ATP-Finals wurde seine Saison ja verlängert, die Vorbereitungszeit dementsprechend verkürzt. “Er fliegt am 4. Dezember nach Teneriffa”, sagte Bresnik. Die schon traditionelle Vorbereitung bis kurz vor Weihnachten wird u.a. auch mit Philipp Kohlschreiber in Szene gehen. Nach der Rückkehr um den 20.12. wird noch ein paar Tage in der Südstadt trainiert und voraussichtlich am Stefanitag fliegt Thiem zum Saisonauftakt nach Australien.

“Riesenvorteil, dass er so viel gespielt hat”

Bresnik sieht aber auch Gutes in der langen Saison. “Es ist ein Riesenvorteil, dass er heuer so viel gespielt hat. Da kriegst eine andere Form von Toughness und Ausdauer. Der wird nächstes Jahr wieder eine harte Saison spielen.”

Aus Thiems Sicht ist das “Ende der Saison” überbewertet, denn so richtig aufhören tut sie für ihn gar nicht. “Es ist nicht wie im Fußball oder in den amerikanischen Sportarten, dass du drei, vier Monate freihast”, präzisierte Thiem.

Der French-Open-Halbfinalist, der seit kurzem in “Saturn”-TV- und -Radio-Spots zu hören und zu sehen ist, hat seit Juni übrigens auch einen Dreijahres-Vertrag für die Uhren-Nobelmarke “Rolex” laufen. Wie es mit weiteren Sponsoren aussieht? “Dominic ist nach wie vor eher ein Spieler für den österreichischen Markt, abgesehen von Kia”, erklärte Bresnik, der ja auch als Thiems Manager fungiert. Die “badges” auf dem Trikot werden voraussichtlich auch 2017 aus Österreich kommen, bestenfalls eines aus einem Nachbarland. “Aber das ist alles noch nicht abgeschlossen.”

Beliebtheit steigert sich

Von einer eigenen “Marke Thiem” oder einem eigenen Logo sieht Bresnik seinen Schützling noch “weit entfernt”, aber Potenzial hat er, wenn die Leistungskurve weiter nach oben geht. “Die Beliebtheit von Dominic zieht sich mittlerweile über den ganzen Planeten. Er kommt überall gut an, weil er sympathisch ist”, lobt Bresnik und ergänzt, “er ist ehrlich, authentisch, gescheit, gibt bei Interviews immer gute Antworten am Platz, und ist respektvoll im Umgang mit allen Leuten.”

Auch wenn von den kolportierten Preisgeldern nach Abzug von Steuern, aller Reisekosten, Trainer- und Physio-Gehälter weit weniger übrig bleibt, verdiene Thiem gutes Geld. “Das Risiko und die Investitionen von ihm und seiner Familie waren nicht unbeträchtlich. Wenn einer viel riskiert, darf er auch viel gewinnen.” Dass er sich wie in manchen Medien beschrieben nun ein Haus baut oder eine Eigentumswohnung in Wien nimmt, dementierte Bresnik. “Aber er hat sich eine Mietwohnung in der Hinterbrühl genommen”, verriet er.

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