NEW YORK, NEW YORK - SEPTEMBER 07: Bianca Andreescu of Canada celebrates with the championship trophy during the trophy presentation ceremony after winning the Women's Singles final against Serena Williams of the United States on day thirteen of the 2019 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 07, 2019 in the Queens borough of New York City. (Photo by Elsa/Getty Images)

US-Open-Siegerin Andreescu: “Verrückt, dass es Realität geworden ist”

via Sky Sport Austria

Bianca Andreescu hat am Samstag bewiesen, dass sie eine der Tennis-Spielerinnen ist, denen die Zukunft gehört.

Die 19-jährige Kanadierin überstand die Prüfung bei den US Open in ihrem ersten Major-Finale vor fast 24.000 Fans, die nahezu wie eine Wand hinter Serena Williams standen, ebenso wie ein Jahr vor ihr die Japanerin Naomi Osaka. Andreescu ist erste kanadische Major-Siegerin überhaupt.

Osaka war vor Jahresfrist zur ersten Grand-Slam-Siegerin aus Japan geworden und hatte dieses Jahr mit dem Gewinn der Australian Open nachgelegt. Bei den diesjährigen French Open hatte die Australierin Ashleigh Barty gleich ihr erstes Major-Endspiel gewonnen. Da die Wimbledonsiegerin Simona Halep aus Rumänien stammt, wie übrigens auch die Eltern von Andreescu, gibt es bei den Damen 2019 nicht nur vier verschiedene Siegerinnen, sie stammen auch von vier verschiedenen Kontinenten.

“Ich komme aus dem Staunen nicht heraus”, meinte Andreescu, als sie all die Gratulationen via Twitter unter anderem auch aus ihrer Heimat sah. Der CN Tower in Toronto sollte ihr zu Ehren beleuchtet werden, und gerade in Toronto ist man 2019 besonders verwöhnt: Immerhin hatten die Raptors als erstes kanadisches Team überhaupt die NBA gewonnen, wie Andreescu auf US-Boden. So nebenbei ist Andreescu auch die erste Spielerin, die in den 2000er-Jahren geboren wurde, mit einem Major-Triumph.

Sieg gegen Williams: Andreescu gewinnt die US Open

Andreescu wurde in Missisauga, Ontario geboren. Ihre Eltern sind rumänische Immigranten, doch das Aufwachsen in Kanada habe ihr deshalb keine Schwierigkeiten bereitet, erzählte die neue Championesse. “Ich hatte überhaupt keine Probleme, darum liebe ich mein Land so sehr.” Zudem könne sie “Tennis Canada” gar nicht genug danken, so Andreescu. Der Verband habe sie, seit sie zehn Jahre alt war, unterstützt. “Ohne ihre Hilfe wäre ich definitiv nicht hier.”

So richtig begonnen, an eine Karriere zu glauben, hatte sie mit dem Sieg bei der Orange Bowl, dem großen Jugendturnier. “Ich träume schon sehr lange davon. Seit damals habe ich es fast jeden Tag visualisiert. Es ist verrückt, dass es jetzt Realität geworden ist”, wunderte sich Andreescu.

Dabei war sie vor einem Jahr noch sang- und klanglos in der ersten Runde der Qualifikation für die US Open ausgeschieden. Ein Jahr später hat sie das Turnier gewonnen, bei ihrem Hauptbewerbsdebüt in Flushing Meadows und ihrem erst vierten Major-Turnier. Doch mit Siegen bei den Großturnieren in Indian Wells und zuletzt auch Toronto hatte sie ihr großes Potenzial schon mehr als nur angedeutet.

“Das letzte Jahr war nicht einfach, ich habe viele Verletzungen gehabt. Aber dann hatte ich eine tolle Saisonvorbereitung und ich habe weiter an mich geglaubt und das Momentum das ganze Jahr halten können”, erinnerte sich Andreescu.

Für viele erstaunlich war die Coolness, mit der die 19-Jährige im Finale gegen einen absoluten Superstar reüssiert hat. “Ich habe vom Moment des Aufwachens in der Früh bis zum Ende des Matches so intensiv geatmet wie es nur ging, um meine Nerven im Zaum zu halten”, verriet Andreescu.

Schon in Indian Wells hatte sie erzählt, dass sie sich mit Meditation hilft. “Ja, das habe ich auch heute Morgen gemacht und auch das gesamte Turnier. Ich versetze mich in Situationen, die in einem Match passieren könnten. So bin ich auf alles vorbereitet.”

Die schon sehr reife 19-Jährige sieht darin ein Erfolgsgeheimnis. “Ich glaube, deine größte Waffe ist es, so gut wie nur möglich vorbereitet zu sei. Man muss mit dem Geist arbeiten, denn auf diesem Level weiß jeder wie man Tennis spielt. Das trennt die Besten vom Rest.”

Final-Niederlage für Williams “super frustrierend”

Selbst für eine lebende Tennis-Legende wie Serena Williams schließt sich langsam das Zeitfenster ihrer Karriere. Vom Ehrgeiz und Leidenschaft für ihren Sport getrieben, ist die am 26. September 38 Jahre alt werdende US-Amerikanerin immer noch auf der Jagd nach einem Rekord für die Ewigkeit. Doch zum vierten Mal nach ihrer Babypause musste sie in einem Grand-Slam-Finale der Gegnerin gratulieren.

Ob sie den 24. Major-Titel schafft und mit der Allzeitrekordlerin Margaret Court (AUS) gleichzieht oder nicht: Serena Williams gilt schon jetzt als die Beste aller Zeiten. Court hatte 11 ihrer 24 Erfolge in Melbourne gefeiert, in Zeiten, als das Grand-Slam-Turnier “down under” noch nicht mit den anderen Events gleichgestellt war und viele Spieler und Spielerinnen sich die strapaziöse Reise nicht angetan hatten. Und freilich auch nicht ausschließlich in der Profi-Ära.

20 Jahre nach ihrem ersten Major-Titel 1999 bei den US Open hätte Williams die Zahl 24 erreichen wollen. Doch die 17-jährige Serena von einst ist mittlerweile Mutter und sieht sich selbst den jungen Wilden der Gegenwart gegenüber. Nach Naomi Osaka (21 Jahre) ist es nun die 19-jährige Bianca Andreescu, die Williams im US-Open-Finale die Schneid abgekauft hat. Die endgültige Wachablöse scheint selbst für die US-Amerikanerin kaum noch vermeidbar.

Seit der Geburt ihrer Tochter hat Williams kein Turnier gewonnen und alle vier Grand-Slam-Finali (je zwei in Wimbledon und New York 2018 und 2019) jeweils ohne Satzgewinn verloren.

Ans Aufgeben denkt Williams dennoch nicht. “Ganz ehrlich, es ist wirklich super frustrierend. Ich bin so, so nahe dran und doch so weit davon entfernt”, gestand Williams im prall gefüllten großen Interviewraum in den Katakomben des Arthur Ashe Stadiums. “Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich denke, ich muss einfach weitermachen, wenn ich eine professionelle Tennisspielerin sein will.”

Sie jage nicht unbedingt einem Rekord nach, behauptete sie. “Ich versuche einfach, Grand Slams zu gewinnen.”

Ein bisschen hat sie sich wohl selbst gesehen in diesem 33. Grand-Slam-Endspiel – auf der anderen Seite eine jüngere Version ihrer selbst. Williams meinte danach, sie habe in keinem Match bei diesem Turnier so schlecht gespielt wie ausgerechnet im Finale. “Bianca hat offensichtlich sehr gut gespielt. Zur gleichen Zeit ist es unentschuldbar für mich, auf so einem Level zu spielen.”

Williams muss ihre nächsten Finalchancen, sollte sie noch welche bekommen, besser nutzen, das weiß sie. “Ich glaube, dass ich besser spielen und mehr tun hätte können. Ich glaube, dass ich einfach mehr Serena hätte sein können”, sagte Williams und stellte klar fest: “Ich denke ehrlich nicht, dass Serena heute hier war. Ich muss herausfinden, wie ich sie in Grand-Slam-Finali wieder auf den Platz bringe.”

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(APA).

Beitragsbild: gettyImages.