Tipico Bundesliga Tor-Analyse III – die Gegentore

via Sky Sport Austria

Im dritten und letzten Teil unserer Tipico Bundesliga Tor-Analyse widmen wir uns dem Thema, wie die einzelnen Mannschaften ihre Gegentore erhalten. Die durchschnittliche Verteilung über alle Clubs hinweg entspricht auch bei den Gegentoren klarerweise jener Verteilung, wie wir sie letzte Woche bei den Torerfolgen präsentiert haben (hier gehts zum Artikel): 31% aller Tore fallen durch oder nach Standardsituationen und ebenfalls so viele nach Kombinationsangriffen, 25% nach Umschaltmomenten, 8% nach Kick and Rush-Angriffen, 2% nach Gegenpressing und 3% fallen unter „sonstige Tore“.

Um mittels der Gegentore die Abwehrleistung einer Mannschaft zu bewerten, ist klarerweise die Anzahl der erhaltenen Tore maßgeblich. Hierbei ist zu beachten, dass zwischen Rapid mit den wenigsten Gegentoren (37) bis hin zum Siebentplatzierten Austria, mit 45 Gegentoren, nur 8 Tore Differenz liegen. Bloß Grödig (58 Gegentore), Admira (59) und vor allem Wiener Neustadt (78) fallen hier deutlich ab.

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns aber mit der relativen Verteilung der Gegentore innerhalb der einzelnen Mannschaften. Diese Daten zeigen uns, auf welchem Weg eine Mannschaft am ehesten zu knacken ist und welche Strategien gegen diese Mannschaft weniger zum Erfolg führen. Die folgende Tabelle gibt einen detaillierten Überblick zu den Gegentorentstehungen der einzelnen Teams.

 

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Zur Gruppe BLAU (die „Durchschnittlichen“) zählen Admira, Altach, Ried und Wolfsberg. Sie erhalten die Tore im ähnlichen Muster wie der Liga-Durchschnitt: Sehr viele Tore über Standardsituationen, gefolgt von Kombinations-Toren und Umschalt-Toren. Eine Ausnahme ist hier Ried: Die Innviertler erhalten mehr Tore nach Umschaltsituationen als nach gegnerischen Kombinationen und relativ viele Kick and Rush-Tore. Das ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die Glasner-Elf, speziell zu Beginn der Saison, sehr hoch und oft ohne ausreichende Absicherung attackierte und dadurch oft durch einen einzigen schnellen Pass des Gegners Unterzahlsituationen in der Defensive vorfand. Wolfsberg hingegen, die selbst sehr viele Tore nach langen Bällen erzielen, erhalten kaum Gegentore nach Kick and Rush-Aktionen. Das aggressive Spiel der Kärtner zeigt also generell bei freien Bällen seine Wirkung.
Gruppe GRÜN (die „Ausgeglichenen“) werden von Rapid und Sturm Graz gebildet. Sie erhalten zwar die meisten Tore nach Kombinationen, das Verhältnis zu Umschalt- und Standard-Toren ist aber relativ ausgeglichen. Sturm hat unter Trainer Foda außerdem noch einen sehr hohen Anteil an Kick and Rush-Gegentoren. Diese sind vor allem in der Zeit nach dem Trainerwechsel zu finden, als Foda in der Offensive zunächst sehr stark das Umschaltspiel forcierte. Die Grazer kamen bei Ballverlusten dabei aber selbst immer wieder leicht durch lange Bälle in Bedrängnis, da das Umschalten in die Defensive häufig nicht schnell genug gelang.
Gruppe GELB (die „Offenen“) setzt sich aus der Austria und Salzburg zusammen. 35 bzw. 40% Gegentore nach gegnerischen Umschaltsituationen offenbaren, dass diese beiden Teams zeitweise „offen wie ein Scheunentor“ waren. Bei Salzburg ist das klarerweise der extrem offensiven Spielanlage geschuldet, bei der man oft 1 gegen 1 Situationen in der Abwehr in Kauf nimmt, wenn der Gegner schnell umschaltet. Gegen Ende der Saison dürfte sich die Hütter-Elf aber auch in diesem Bereich stabilisiert haben. Überhaupt nur ein Tor in den letzten 4 Meisterschaftsspielen belegt dies. Bei der Austria kann dies sicherlich ähnliche Gründe haben, da Trainer Baumgartner ein ähnliches Spiel wie die Salzburger forcierte. Bei den Violetten waren in der Meisterschaft aber immer wieder Phasen zu beobachten, wo die Verteidigung auch bei ausreichend Spielern hinter dem Ball, Probleme hatte, wenn der Gegner schnell nach vor spielte.

 

Grödig und Wiener Neustadt bilden die Gruppe ORANGE (die „Durchlässigen“). Diese beiden Mannschaften bekommen erstens sehr viele Tore und haben außerdem die höchsten Prozentwerte aller Teams über alle Kategorien hinweg bei gegnerischen Kombinations-Angriffen (51 bzw. 47%). Grödig und Neustadt erhalten also die meisten Tore aller Bundesligisten nach Situationen, wo eigentlich ausreichend Zeit ist, sich in der Defensive zu ordnen. Dies offenbart, dass diese beiden Teams über die Saison hinweg die schlechtesten Abwehrleistungen aller Mannschaften auf den Platz brachten.