Anna Gasser ist Österreichs Sportlerin des Jahres 2017

via Sky Sport Austria

Wien (APA) – Freestyle-Gesamtsiegerin und Big-Air-Weltmeisterin Anna Gasser hat als erste Athletin aus dem Snowboard-Lager die begehrte Auszeichnung der “Sportlerin des Jahres” in Österreich entgegennehmen dürfen. Die 26-jährige Kärntnerin ist auch bei den Olympischen Spielen im Februar in Pyeongchang eine der großen Medaillenhoffnungen.

Gasser landete den WM-Coup im März in der Sierra Nevada, weil sie nicht nur den “Cab Double Cork 900” zeigte, sondern am Ende ihrer Finalshow auch den “Backside Double Cork 1080”, den zuvor noch keine Frau in einem Wettkampf gestanden hatte. “Ich muss weitermachen, dann klappt es hoffentlich nächstes Jahr mit einer Medaille”, meinte die Millstätterin vorausblickend.

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Für ihre Leistungen in der Vorsaison wurde Gasser im Juli in Los Angeles bereits mit dem “ESPY Award” in der Kategorie “beste weibliche Actionsportlerin” geehrt. Sie hatte ein vom US-TV-Giganten ESPN im Internet durchgeführtes Fan-Voting für sich entschieden.

Die Blondine aus Oberkärnten ist eine Spätstarterin auf dem Board. Die ehemalige Schülerin des BRG Spittal/Drau war bis 15 erfolgreiche Turnerin und Sportakrobatin, nach drei Jahren Pause vom Sport suchte sie sich mit 18 eine neue Herausforderung. “Also bin ich einmal mit meinem Cousin auf den Mölltaler Gletscher rauf und habe gleich mit dem Fahrenlernen auch meine ersten kleinen Tricks gelernt.”

Nur ein einziges Mal hatte sich Gasser vorher auf dem Snowboard versucht, aber als Kind keinen Gefallen daran gefunden. Mutig war sie aber immer schon, auch der Sprungturm im Strandbad Millstatt war vor ihr nicht sicher.

Die Erfolge stellten sich rasch ein. Im November 2013 zeigte Gasser als erste Frau einen “Cab Double Cork 900”, einen doppelten Rückwärtssalto mit halber Drehung. “Das Gefühl war unbeschreiblich, als ich diesen Trick das erste Mal stehen konnte”, erinnerte sich Gasser, die sich damit eine gute Ausgangsposition für die Olympischen Spiele in Sotschi schaffte, wegen eines gerissenem Syndesmoseband aber dann zwei Monate Training verpasste. Im Jänner 2014 landete sie in Stoneham als Dritte erstmals auf dem Slopestyle-Weltcup-Podest, gegenwärtig hält sie bei 13 Starts und davon fünf Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang.

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Bei den Winterspielen 2014 in Russland kam Gasser als Qualifikations-Beste ins Finale. Dort legte sie einen Fehlstart hin. Die ersten Bilder, die man von ihr sah, waren nicht Aktionen auf den Rails, sondern wie sie am Starthügel auf dem Boden saß und nach unten rutschte. Mühsam kletterte sie wieder hoch, die Konzentration war weg, sie patzte in beiden Runs und wurde Zehnte.

Allerdings erhielt Gasser schon im Winter darauf die nächste Chance auf ihre erste Medaille. Sie trat im Jänner 2015 bei der Heim-WM auf dem Kreischberg nach einer Handoperation wegen eines verschobenen Knochens mit Sportgips an und gewann die Silbermedaille im Slopestyle. Und die nächste Verletzung ließ nicht so lange auf sich warten: Im Jänner 2016 zog sie sich Blessuren im Bereich des fünften und sechsten Halswirbels zu, als sie beim Training in der Nähe von Breckenridge (USA) in eine Schaumstoffschnitzelgrube sprang.

Die erfolgreichste Saison erlebte Gasser im vergangenen Winter, sie gewann auf Weltcup-Ebene die Veranstaltungen im Big Air in Mailand, Pyeongchang, Mönchengladbach und Quebec sowie den Slopestyle am Kreischberg. Schmerzfrei war es aber erneut nicht abgelaufen. Eine leichte Knochenprellung am Schienbeinkopf im rechten Bein hatte sie mitten in der Saison zu einer einmonatigen Pause gezwungen, dem Erfolg tat das keinen Abbruch.

Gasser holte sich zum WM-Gold noch die kleine Weltcup-Kristallkugel für die Disziplinwertung im Big Air und die große als Freestyle-Gesamt-Weltcupsiegerin. Außerdem machte sie bei den X Games einen kompletten Medaillensatz komplett – Gold im Slopestyle in Lillehammer, Silber im Big Air in Aspen und Bronze im Big Air in Lillehammer. In der Vorbereitung auf die neue Saison erlitt Gasser Anfang August auf der Mattenanlage in Toyama (Japan) eine Prellung des Schienbeinkopfes im linken Bein – sie ist solche Zwischenfälle aber mittlerweile gewöhnt und auch bereits wieder fit.

Weitere Kategorien-Sieger:

Aufsteiger des Jahres (Publikumswahl): Stephanie Venier (Ski alpin)
Sportler des Jahres mit Behinderung: Markus Salcher (Ski alpin)
Sportlerin des Jahres mit Behinderung: Claudia Lösch (Ski alpin)
Special Olympics Sportler des Jahres: Werner Stadelwieser (Schneeschuhlauf)
Sportler mit Herz: Erich Artner (Triathlon)

Sportlerin des Jahres:

1. Anna Gasser (Snowboard) 1.594 Pkt. (177 erste Plätze)
2. Nicole Schmidhofer (Ski alpin) 914 (58)
3. Ivona Dadic (Leichtathletik) 526 (23)
4. Manuela Zinsberger (Fußball) 501 (32)
5. Magdalena Lobnig (Rudern) 447 (13)
6. Verena Aschauer (Fußball) 373 (22)
7. Alisa Buchinger (Karate) 340 (14)
8. Jasmin Ouschan (Billard) 246 (6)
9. Daniela Ulbing (Snowboard) 220 (5)
10. Teresa Stadlober (Langlauf) 212 (5)
11. Corinna Kuhnle (Kanu/Wildwasser) 173 (3)
12. Stephanie Venier (Ski alpin) 143 (4)
13. Michaela Kirchgasser (Ski alpin) 134 (6)
14. Andrea Mayr 132 (7)
(Leichtathletik bzw. Skibergsteigen)
15. Claudia Hartl (Skibob) 97 (5)
16. Lorraine Huber (Ski/Freeride) 91 (3)
17. Kathrin Unterwurzacher (Judo) 78 (2)
18. Franziska Peer (Schießen) 60 (1)
19. Janine Flock (Skeleton) 55 (0)
20. Christina Kollmann (Mountainbike) 37 (0)

Bild: GEPA