SANKT GEORGEN OB MURAU,AUSTRIA,19.JAN.15 - FREESTYLE SKIING - FIS Freestyle Ski and Snowboard World Championships Kreischberg 2015, Freestyle Ski Dual Moguls, qualification, ladies. Image shows Melanie Meilinger (AUT). Photo: GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber

Olympia: Ski-Freestyler legen auf Buckelpiste los – Meilinger dabei

via Sky Sport Austria
Bokwang (APA) – Mit dem Buckelpistenbewerb beginnt Freitagvormittag und damit noch vor der offiziellen Eröffnung der Winterspiele in Südkorea das Programm der Ski-Freestyler. Im Phoenix Snow Park von Bokwang steigt die erste Qualifikation, mit dabei ist Melanie Meilinger. Für die Außenseiterin aus Salzburg hängen die Trauben zwar hoch, die 26-Jährige hat sich aber durch die Teilnahme bereits einen Traum erfüllt.

“Jetzt wirklich da zu sein und das alles erleben zu dürfen, ist riesig”, freute sich Meilinger, die sich seit Jahren als Einzelkämpferin durchschlägt und pro Saison 25.000 Euro finanzieren muss. Die gelernte Hotelkauffrau war einst Skirennläuferin, wurde dann 2011/12 eher zufällig zur Buckelpistenfahrerin.

Die Schwachstelle bei der “Quereinsteigerin” ist das Springen. Mit über 20 Jahren stand sie erstmals auf einem Trampolin und übte Salti. “Es ist schon eine Herausforderung, im fortgeschrittenen Alter ein Gefühl für die Luft entwickeln zu müssen”, sagte Meilinger lachend.

Die Zusammenarbeit mit dem slowenischen Coach Ales Span hat aber zuletzt die Qualität ihrer Sprünge verbessert. Unter die 30 für Olympia qualifizierten Fahrerinnen schaffte sie es daher als 26.

“Das ist jetzt schon cool”, sagte Meilinger trotz fast 20 Grad Minus bei den ersten Flutlicht-Trainings auf der 250 Meter langen und 27 Grad steilen Buckelpiste. “Die Piste ist anspruchsvoll, weil der Schnee so trocken und aggressiv ist. Außerdem sind die Buckel sehr groß im Vergleich zu dem, wo wir sonst fahren”, analysierte sie.

Meilinger nahm daher im Training sogar etwas zurück. Bis zur zweiten Qualifikation am Sonntag, in der die restlichen 10 Fahrerinnen für das 20er-Finale am Abend eruiert werden, stehen sieben Skitage in Folge auf dem Programm. Zwei Stunden dauert eine Trainingssession. “Das musst du dir also gut einteilen.”

Der Pongauerin ist sehr bewusst, dass sie nicht zu den Favoriten gehört. Dazu hat sie viel zu spät mit dem Sport begonnen. “Seit wir zusammenarbeiten, hat sich Melanie nach vorne gearbeitet. Und dann war sie trotzdem wieder weiter weg, weil im Olympiawinter die Starterfelder plötzlich riesig waren”, erklärte Span das Dilemma.

Meilinger schaffte es dennoch zu den Spielen. “Jetzt da zu sein, ist für mich schon ein Highlight angesichts des Kampfes der letzten Jahre”, verwies sie selbst auf ihren mühsamen Weg, auf dem sie auch ein Crowdfunding benötigte, um ihren Traum wahr werden zu lassen.

Sportlich ist Meilinger aber Realistin. “Natürlich habe ich persönliche Erwartungen für Olympia”, ist ihr bewusst, dass nur eine fehlerlose Kombination aus Fahren und Springen Chancen ermöglicht. “Ich gehe All In, will meinen besten Lauf zeigen. Passt alles zusammen, ist ein Finale möglich”, glaubt sie dennoch.

Die Österreicherin zeigt auf den zwei Schanzen einen “Helikopter” (“360”) sowie einen Rückwärtssalto mit gekreuzten Skiern (“backflip cross”). “Bei den letzten zwei Spielen hat man damit gewonnen. Das wird wohl wieder so sein, auch wenn vereinzelte Mädels vielleicht Cork oder Full auspacken”, glaubt Meilinger.

Die Salzburgerin aus Mühlbach am Hochkönig setzt aber darauf, dass die saubere Technik mit gleich 60 Prozent bewertet wird, Sprünge und Laufzeit mit je 20. “Das kommt mir als ehemaliger Skifahrerin doch zugute.” Der bessere der beiden Qualiläufe zählt.

Im Kampf um die Medaillen werden bei den Damen die australische Weltmeisterin Britteny Cox sowie Perrine Laffont (FRA) und Titelverteidigerin Justine Dufour-Lapointe (CAN) favorisiert. Stärkste Herausforderinnen sind die US-Amerikanerin Jaelin Kauf sowie Andi Naude aus Kanada. Bei den Herren gibt es mit Mikael Kingsbury (CAN) einen Topfavoriten.

Meilinger wird die Medaillenvergabe am Sonntagabend wohl nur noch als Zuschauerin verfolgen. Danach will sie anderen ÖOC-Athleten die Daumen drücken. Ihr Herz schlägt nach wie vor für Alpinski. “Was Marcel Hirscher leistet und wie hart er arbeitet, beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue.”

Vor Trainingsbeginn war Meilinger zwei Tage im Olympischen Dorf untergebracht. Nach ihrem Wettkampf wird sie nicht viel Zeit haben, ihren “Lebenstraum” weiter auszuleben. Schon am 26. Februar geht es nach Japan, Meilinger will sich noch für das Weltcup-Finale in Frankreich qualifizieren. “Das ist wichtiger, als hier die Atmosphäre zu genießen”, gab sie sich ganz als Profi.

Das Saisonende wird mit den internationalen Buckelpisten-Staatsmeisterschaften in ihrem Heimatort Mühlbach “gefeiert”. Weil sie vergangenes Jahr beim Weltcup war, muss sie dabei ihren Dauer-Titel zurückerobern.

Ob Pyeongchang ihre ersten und auch letzte Spiele waren, ist offen. “Wir haben natürlich gesehen, dass bei mir Luft nach oben ist. Andererseits haben wir in der kurzen Zeit viel weitergebracht”, so Meilinger. Trainer Span sieht auch sportliches Potenzial. “Sie hat es drauf, nochmals vier Jahre zu fahren. Sie hat ja erst sehr spät angefangen.”

Beitragsbild: GEPA