Nachgetreten – Runde 4: SK Rapid im Wiener Derby

via Sky Sport Austria

Das große Wiener Derby war der Schlager der vierten Bundesliga-Runde. In der Anfangsphase des Spiels konnte man den deutlichen Ausgang von 5:2 für Rapid noch nicht erahnen. Die Austria war nämlich das aktivere Team, Rapid brauchte seine Zeit, um in den Rhythmus zu kommen. Mit den ersten beiden Toren in den Minuten 17 und 27 legten die Hütteldorfer aber die Basis, um ihr Spiel durch zu ziehen:

 

Szene 1: Das 0:1 fällt nach einem zu Unrecht gegebenen Freistoß. Das Tor selbst kommt aber durch individualtaktisches Fehlverhalten bzw. durch mangelhafte Antizipation zu Stande. In der Ausgangssituation sieht man eine 2-Mann-Mauer und Holzhauser (nicht markiert) steht im Sechzehner im Raum. Alle anderen Austrianer decken jeweils einen Rapid-Spieler. Im rot markierten Bereich decken Grünwald Schwab und Gorgon Stangl. Die Favoritner scheinen alles im Griff zu haben. Während die Freistoß-Flanke unterwegs ist, bremst aber Stangl ab und kann dadurch punktgenau auf den Kopfball gehen, während Gorgon in der Bewegung Richtung Tor zu spät reagiert und dadurch die entscheidende Nähe zu Stangl verliert. Er kann dadurch nicht ins Kopfballduell gehen oder den Torschützen entscheidend stören. Durch den Bewegungsvorteil Richtung Tor sind solche Situationen bei guten Flanken für den Abwehrspieler immer sehr schwer zu verteidigen. Bei Manndeckung ist es für den Verteidiger aber ein Muss mit dem Angreifer auf Tuchfühlung zu sein, sobald der Ball in unmittelbarer Nähe ist.

 

 

 

Szene 2: Das 0:2 zeigt die Probleme der neu formierten Innenverteidigung (Shikov statt des verletzten Windbichler, Stronati statt des gesperrten Rotpuller) der Violetten auf. Die beiden großgewachsenen Legionäre sind aufgrund ihres Geschwindigkeitsdefizits auf ein gutes antizipatives Stellungsspiel angewiesen, das sie über weite Strecken des Spiels auch zeigen können. Vor dem Pass in die Tiefe durch Außenverteidiger Stangl spielen die beiden gegen den zwischen ihnen lauernden Beric auf Abseits, um nicht mit ihm ins Laufduell gehen zu müssen. Nach dem Perspektivwechsel sieht man aber, dass Martschinko nicht bei der Sache ist und die Abseitsstellung von Beric aufhebt. Shikov und Stronati können nach dem Pass nicht mehr eingreifen. Der schnelle Martschinko versucht zwar noch seinen Fehler aus zu bessern, hat aber in der gut ausgespielten 1:2-Situation gegen Beric und Schobesberger keine Chance.

 


 

 

Fazit: Rapid performed stabil auf hohem Niveau. Schwächere Spielphasen (wie im Derby die erste Viertelstunde) oder Spielhälften (wie im Spiel davor gegen Wolfsberg) werden momentan unbeschadet überstanden, oder werden durch starke folgende Phasen kompensiert. Bei der Austria hingegen sind solche dominierenden Phasen, in denen man auch zu vielen Chancen kommt, noch die Ausnahme. Das ist aber ganz normal für eine Mannschaft, die sich noch am Beginn der Entwicklung befindet. Das Derby aber hätten die Favoritner durch den mitgebrachten Elan, den Heimvorteil und das Selbstbewusstsein, das man sich in den Spielen davor erarbeitet hat, länger offen halten können, wenn man mehr Fokus auf das Vermeiden von Fehlern gelegt hätte.