PARIS, FRANCE - NOVEMBER 05:  A general view of the stadium prior to the UEFA Champions League Group C match between Paris Saint Germain and RSC Anderlecht at Parc des Princes on November 5, 2013 in Paris, France.  (Photo by Harry Engels/Getty Images)

Heute vor 42 Jahren: Austria im Europacupfinale

von Nikolaus Reitz

Erstes Finale eines österreichischen Vereines im modernen Europacup nach dem Krieg. Den Mitropacup in der Zwischenkriegszeit hatte Österreich noch beherrscht. In elf Spielzeiten stand man sieben mal im Finale und gewann vier Endspiele. 1931 hatte es ein rein österreichisches Endspiel gegeben. Die Vienna bezwang in zwei Spielen den WAC.

Zwölftausend Anhänger hatten die Austria nach Paris begleitet, ohne internationalen Titel kehrten sie heim. Es wurde nicht als Schande betrachtet, gegen die Klassemannschaft von Anderlecht klar verloren zu haben. Die Belgier waren das dritte Mal hintereinander im Finale des Cupsieger-Bewerbes. 1976 hatten sie gewonnen, 1977 gegen den HSV verloren. Auf Seiten von Anderlecht spielte in der Abwehr Arie Haan, der 2001 Trainer der Austria in der Stronach-Ära wurde. Er stand im Laufe seiner Karriere in sieben Endspielen, von denen er fünf als Sieger verließ.

Drittes Finale für Anderlecht in Folge

Der Star der Mannschaft war Rob Rensenbrink, Vize-Weltmeister 1974, der auch wenige Wochen nach dem Pariser Finale erneut im WM-Finale stand. Dort wurde er zum tragischen Helden. Wäre ein Schuss in der Nachspielzeit beim Stand von 1:1 nicht an die Stange sondern ins Tor gegangen, hätten die Niederlande mit Ernst Happel als Trainer nicht nur den WM-Titel in Argentinien gewonnen, sondern wäre auch er mit sechs Treffern Torschützenkönig geworden. So wurde Mario Kempes mit Argentinien Weltmeister, und sein Treffer in der Verlängerung machte ihn zum Schützenkönig.

Die erste Chance im Finale fanden die Wiener Violetten vor. Gasselich schickte Pirkner mit einem perfekten Lochpass, im Fallen spielte der Stürmer den Ball am Tormann vorbei, aber der Ball wurde noch vor der Linie von der Verteidigung geklärt. Was wäre wenn, möchte man sich in nostalgischer Hinsicht denken.
Danach war Anderlecht am Zug. Sie spielten deutlicher in ihren Aktionen, hielten den Ball länger in den eigen Reihen und wenn es in die Spitze ging, wesentlich aggressiver und schneller. In der 12. Minute ließ Schiedsrichter Aldinger Gnade vor Recht ergehen, als ein belgischer Angreifer im Strafraum gelegt wurde. Der drohende Elferpfiff, den es nicht gab, dröhnte beim Herausspielen so manchem Austrianer wohl noch im Ohr, weil Anderlecht sofort wieder in Ballbesitz kam, über die linke Seite kombinierte und Rob Rensenbrink gedankenschnell die Flanke im Tor versenkte (13´).

Belgischer Doppelschlag vor der Pause

Geschockt wirkte die Austria nach dem Gegentreffer nicht. Sie spielte jedoch zu langsam, um die Belgier in ernste Verlegenheit zu bringen. Und wenn einmal ein Violetter in der gegnerischen Hälfte einem Anderlecht-Spieler enteilt war, wurde er wenig zimperlich umgeschnitten. Hier hätte man sich Karten und Ermahnungen des deutschen Schiedsrichters gewünscht, die bedauerlicherweise ausblieben. Außerdem fühlte sich Prohaska ein wenig alleingelassen, denn Gasselich spielte entweder zu umständlich, langsam oder schlampig, als dass es ein Gewinn gewesen wäre. Auch Morales setzte sich nicht entscheidend in Szene, blieb häufig am Gegner hängen. Vorbildlich war die Einstellung von Robert Sara. Er kämpfte und kurbelte, was das Zeug hielt.

Als man aus Wiener Sicht mit einem knappen Rückstand zur Halbzeit rechnete, kam das schnelle und traurige Ende aller Hoffnungen in der 45. Spielminute. Bei einem Freistoß stand Baumgartner zu weit im Tormanneck und konnte den wunderbaren Schuss von Rensenbrink nicht mehr erreichen. Leichte Resignation und Verärgerung machte sich kurz vor der Pause breit. Nach dem Wiederanpfiff wollten die Austrianer mit dem Kopf durch die Wand, sprich durch die Mitte, verloren leichtfertig den Ball und ein weiter Pass riss die Verteidigung komplett auseinander. Gilbert Van Binst, der Verteidiger, sprintete um sein Leben und spitzelte nur 61 Sekunden nach dem 2:0 den Ball zur Entscheidung über die Linie. Der Jubel in Violett war riesig, leider war es die falsche Farbe Lila.

Über die zweite Hälfte müssen nur wenige Worte verloren werden. Es gab noch einen vierten Treffer für Anderlecht, der aber nicht mehr ins Gewicht fiel. Vielmehr stellte man sich innerlich schon die Frage, ob man sich für die kommende Saison verstärken sollte, um sich in der europäischen Spitze zu etablieren oder doch zufrieden geben sollte, da man in der heimischen Liga nach Belieben dominierte und internationale Erfolge die Ausnahme stellten.

Stimmen zum Spiel

Kapitän Sara meinte nach der Niederlage: “Bei uns sind nur vier oder fünf Spieler mit Vertrauen anzuspielen, über sie läuft das Spiel. Das genügt in Österreich, international ist das zu wenig.

Französische Medien nach dem Spiel:
L´Equipe: “Im Kampf zwischen Holzfällern und Kunsttischlern hat einmal mehr die Kraft das letzte Wort gehabt.
Le Figaro: “Anderlecht ist mit Austria schnell fertig geworden. Der Schiedsrichter tolerierte allerdings eine viel zu große Härte der Belgier.
L´Aurore: “Austria spielte an diesem Abend einen langsamen Walzer, einen viel zu langsamen.
Miroir de Football: “Die Abwehr der Wiener wirkte völlig desorganisiert und da die Austria auch keinen Künstler wie Rensenbrink hatte, stand sie gegen die cleveren Belgier auf verlorenem Posten. In einer anderen Umgebung könnte Prohaska weitaus mehr Wirkung erzielen.

Austria Wien vs RSC Anderlecht 0:4
(03.05.1978) Cupsieger-Finale

Parc de Prince, 48.679 Zuschauer; Schiedsrichter Heinz Aldinger (BRD)

Tore:

0:1         Rob Rensenbrink 13´
0:2         Rob Rensenbrink 44´
0:3         Gilbert van Binst 45´
0:4         Gilbert van Binst 80´

Mannschaftsaufstellungen:

Austria:               Baumgartner, Robert Sara, Obermayer, Josef Sara, Baumeister, Daxbacher (61´ Martinez), Prohaska, Gasselich, Parits, Pirkner, Morales (72´ Drazan);
Coach Hermann Stessl
Anderlecht:        Nico de Bree, Van Binst, Broos, Dusbaba, Thissen, Arie Haan (86´ Dockx), Van der Elst, Vercauteren, Nielsen, Coeck, Rob Rensenbrink;
Coach Raymond Goethals