Algeriens Falle schnappte zu – „Wollten Österreich auf die Probe stellen“

Mit der „Schande von Kansas City“ hatte das WM-Duell zwischen Österreich und Algerien am Ende nichts zu tun. Das letzte Gruppenspiel wurde zu einem Thriller, den beide Teams eigentlich gar nicht nötig gehabt hätten. „Wir sind glücklich, dass am Schluss der Fußball gewonnen hat“, meinte Algeriens Teamchef Vladimir Petkovic. Das 3:3 spreche für sich selbst. „Dieses Spiel war alles andere als arrangiert“, befand das algerische Fachportal „dzfoot.com“.

Beinahe hätten sich die Algerier 44 Jahre nach der „Schande von Gijon“ an den Österreichern revanchiert. Bei der WM 1982 hatten sich Österreich und Deutschland beim Stand von 0:1 auf einen Nichtangriffspakt verständigt und waren beide aufgestiegen – WM-Debütant Algerien schied aus. Diesmal schaute der Iran durch die Finger. Das wegen des Krieges mit den USA unter schwierigen Bedingungen angetretene Land hätte im Duell zwischen Österreich und Algerien einen Sieger benötigt.

Mangelndes Engagement hätte man den beiden Teams in der zweiten Hälfte der zweiten Hälfte eventuell vorwerfen können – wenn da nicht die verrückte Nachspielzeit gewesen wäre. Petkovic ließ durchblicken, dass durchaus Kalkül dabei war. In der Trinkpause habe er seiner Mannschaft gesagt, dass sie die Balance halten müsse. Beide Mannschaften seien 15 Minuten lang relativ passiv gewesen. „Das war aber nicht, weil wir es (mit den Österreichern) abgesprochen haben, sondern weil wir den Gegner erst einmal auf eine Probe stellen wollten und sehen, wie er reagiert.“

Petkovic nun gegen sein Ex-Team

Von Riyad Mahrez ließ sich die ÖFB-Auswahl dann überrumpeln, sie schlug aber selbst durch Sasa Kalajdzic noch einmal zurück. „Das Spiel war ein bisschen verrückt. Es ist weit über die Grenzen jedes Spieles hinausgegangen“, meinte Petkovic. „Ich glaube, dass wir bewiesen haben, dass wir gewinnen wollten. Meine Idee ist, dass ich immer gewinnen will. Das Ergebnis ist am Ende aber für alle gut.“

Bei einem Sieg wären die Algerier im Sechzehntelfinale auf Spanien getroffen. Diese Ehre haben nun die Österreicher, die bei einer Niederlage ausgeschieden wären. Algerien trifft auf die Schweiz, die Petkovic von 2014 bis 2021 höchst erfolgreich betreut hatte. „Wir haben noch gar nicht an den nächsten Gegner gedacht“, behauptete der 62-Jährige. Die Schweiz habe aber eine großartige Mannschaft. „Die Spieler sind hervorragend, ich kenne sie sehr gut – auch wenn es ein paar neue Gesichter gibt.“

Spanien wäre vermutlich ein anderes Kaliber gewesen. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick äußerte sein Unverständnis darüber, warum die algerischen Spieler dies im Finish hätten anstreben sollen. „Wir bauen eine Mannschaft auf und versuchen eine Siegermentalität reinzubringen“, sagte der Schweizer. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir haben zweimal gut auf einen Rückstand reagiert. Ich hoffe, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

HIGHLIGHTS | Algerien – Österreich 3:3

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