Analyse: 3,1 Tore pro Spiel – Torentstehung in der tipico Bundesliga

via Sky Sport Austria

Nachgetreten – Runde 09: Runde 9 schließt das erste Saisonviertel, es hat nun jede Mannschaft gegen jede andere der Liga gespielt – Zeit sich einer unserer Lieblingsrubriken zu widmen, den Torentstehungen.

3,1 Tore pro Spiel

In den bisherigen 45 Spielen sind 140 Tore gefallen. Das ist ein Schnitt von 3.1 Toren pro Spiel – tendenziell ein leichter Anstieg gegenüber der kompletten vergangenen Saison, in der ein Schnitt von 2.9 Toren pro Spiel erreicht wurde. Bezüglich der unmittelbaren Entstehungsgeschichte verteilen sich die Tore wie folgt: 56 Kombinationen, 29 Umschaltsituationen, 13 Kick and Rush-Aktionen, 40 Standardsituationen und 2 Sonstige. Im Durchschnitt werden für jedes Kombinationstor 5.6 Pässe gespielt, für jedes Umschalttor 2.5 Pässe und für jedes Kick and Rush-Tor bloß 1.6 Pässe.

Es wird mehr kombiniert

Die Grafik zeigt den prozentuellen Vergleich aller gefallenen Tore der Liga des ersten Saisonviertels mit der gesamten vorigen Saison. Tendenziell sind in der laufenden Saison mehr Kombinationstore und etwas mehr Tore nach Kick and Rush-Aktionen gefallen, hingegen weniger Umschalttore und Tore durch Standardsituationen. Naturgemäß streuen diese Werte aber relativ stark, sodass diese Unterschiede, statistisch gesehen, nicht signifikant sind. Es wird sich somit erst  in der Folge zeigen, ob sich die Tendenzen bestätigen.

Grafik_Analyse_Nachgetreten_Runde_9

Die Tendenzen der einzelnen Mannschaften muss man momentan ebenso vorsichtig interpretieren, da die Tor-Anzahl einzelner Teams zum Teil noch zu gering ist, um statistisch aussagekräftig zu sein. Dennoch zeigen sich bereits jetzt einige interessante Ergebnisse:

sk_rapid_wien_Headliner

Rapid hat mit 21 Toren (9 Kombinationstore, 4 Umschalttore, kein Kick and Rush-Tor, 8 Standard-Tore und kein Sonstiges) die meisten Treffer erzielt. Extrem auffallend ist die hohe Schuss-Ausbeute – fast jeder vierte Torschuss ist auch ein Treffer, Liga-Höchstwert. Das ist nicht nur ein Hinweis auf eine hohe Effizienz, sondern auch darauf, dass es Rapid übermäßig oft schafft, sehr gute Torsituationen heraus zu spielen. Sehr hoch ist auch der Anteil an Toren durch/nach Standardsituationen. Im Vergleich zur Vorsaison ist der Anteil von mageren 22 auf überdurchschnittliche 38% gestiegen.

 

admira_wacker_headliner

Die 14 Tore (2 Kombinationstore, 4 Umschalttore, 3 Kick and Rush-Tore, 5 Standard-Tore und kein Sonstiges) der Admira sind für einen Zweitplatzierten relativ wenig. Lange Bälle nach vorne, gute Umschaltaktionen und Standardsituationen sichern bisher den Erfolg. Berücksichtig man, dass die Admira sehr wenige Torschüsse abgibt (bisher 81, der Liga-Schnitt beträgt fast 117) und die Effektivitätsrate in den letzten Spielen stark nach unten ging, ist dies ein eher trüber Ausblick für die Südstädter.

sv_mattersburg_headliner

Mattersburgs 10 Kombinationstore, 6 Umschalttore, kein Kick and Rush-Tor, kein Standard-Tor und 1 Sonstiges Tor sind beachtlich, da dies zeigt, dass sie durch strukturiertes Spiel zum Erfolg kommen und den ruppigen Spielstil früherer Tage abgelegt haben. Vergleicht man die Mattersburger Torentstehungen mit dem Absteiger der letzten Saison, dann wird dies nochmal bekräftigt: 59% Kombinationstore gegenüber bloß 19% von Wr. Neustadt in der vergangenen Saison.

fc_red_bull_salzburg_Headliner

Die Tormaschinerie von Salzburg (7 Kombinationstore, 6 Umschalttore, 3 Kick and Rush-Tore, 2 Standard-Tore und 2 Sonstige) kommt schön langsam wieder in die Gänge (8 Tore in den letzten 3 Spielen). Man sagt der Zeidler-Elf nach, flexibler in der Spielanlage geworden zu sein. Betrachtet man aber die Torentstehungs-Verteilung der aktuellen Saison mit der vorigen, so scheint es, dass der Weg zum Erfolg jetzt noch mehr über den typischen Salzburg-Rangnick-Stil führt: weniger Kombinationstore (35% gegenüber 51% von letzter Saison), mehr Umschalttore (30% gegenüber 24%) und mehr Kick and Rush-Tore (15% gegenüber 4%). Natürlich kann diese Tendenz auch am Verlust an spielerischer Dominanz in der heimischen Liga liegen. Zieht man allerdings in Betracht, dass Salzburg die meisten Torschüsse hat (bisher 151) und davon auch sehr viele das Ziel treffen (62 Schüsse auf das Tor, Liga-Schnitt: 43) und diese überwiegend aus guter zentraler Position abgegeben werden, so kann man davon ausgehen, dass die Bullen-Tendenz in der Tabelle weiter nach oben gehen wird.

fk_austria_wien_headliner

Die Austria (3 Kombinationstore, 1 Umschalttor, 2 Kick and Rush-Tore, 12 Standard-Tore und kein Sonstiges) ist nach der Niederlage bei Sturm Graz in Runde 9 nun wohl dort angekommen, wo sie eigentlich leistungsmäßig steht – im Tabellenmittelfeld. Dies zeigen auch die Werte zu den Torentstehungen. Zwar haben sie die drittmeisten Tore erzielt, zwei Drittel davon aber aus Standardsituationen. Eine Quote, die schwer zu halten sein wird. Aus kontrolliertem Spiel heraus (Kombinations- plus Umschalttore) hingegen, gelingen den Favoritnern nur knapp über 22% (Liga-Schnitt: über 60%). Die Austrianer kommen also keineswegs über ein dominantes Spiel zum Erfolg, obwohl sie bei der Anzahl der Pässe und Passquote in den meisten Spielen voran liegen. Diese Statistik trügt allerdings: Die Austria ist die einzige Mannschaft mit mehr Pässen in der eigenen als in der gegnerischen Spielhälfte – der hohe Anteil an Ballbesitz kommt also nur durch viele Pässe im ungefährlichen Raum bei wenig Gegnerdruck zu Stande. Sinnbildlich dafür ist, das die Fink-Elf auch in allen Torkategorien mit Abstand die meisten Pässe benötigt: durchschnittlich 11.3 Pässe bei Kombinationstoren, 4.0 bei Umschalttoren und 2.5 bei Kick and Rush-Toren.

sk_sturm_graz_Headliner

Sturm Graz (5 Kombinationstore, 3 Umschalttore, 0 Kick and Rush-Tore, 3 Standard-Tore und kein Sonstiges) steht nach dem ersten Saisonviertel bloß mit 11 Volltreffern da, obwohl sie überdurchschnittlich viele Schüsse abgeben (bisher 149), von denen auch ein hoher Anteil das Tor trifft (54). Foda betont immer wieder, dass die Leistung stimmt, aber die Ergebnisse nicht passen. Ein Indiz für die Richtigkeit dieser Aussage ist, dass Sturm gemäß ihrer Spielanlage viele Tore aus Kombinationen erzielt (45%) aber auch ein sehr effizientes Umschaltspiel hat: Sturm benötigt bei den 3 Umschalttoren jeweils nur einen einzigen Pass bis zum Torerfolg.

sv_groedig_headliner

Der SV Grödig zeigt bisher einen interessanten Mix an Toren: 7 Kombinationstore, 2 Umschalttore, 3 Kick and Rush-Tore, 4 Standard-Tore und kein Sonstiges. Tendenziell bedeutet das im Vergleich zum Vorjahr einen annähernd gleich gebliebenen Anteil an Kombinationstoren, einen viel geringeren Anteil an Umschalttoren und einen viel höheren Anteil an Kick and Rush-Toren. Die Steigerung der Erfolgsrate sowohl im Kombinationsspiel als auch durch lange Bälle weist auf die für das Schöttel-Team in dieser Saison typischen Schwankungen hin, was die Leistung aber auch den Spielstil betrifft.

scr_altach_Headliner

Altach traf bisher nur 10 Mal (6 Kombinationstore, 1 Umschalttor, 0 Kick and Rush-Tore, 3 Standard-Tore und kein Sonstiges). Dieses Muster ist jenem der vergangenen Saison sehr ähnlich. Obwohl die Vorarlberger, speziell gegen stärkere Mannschaften, oft sehr tief stehen, treffen sie also vorwiegend nach gut vorbereiteten Spielzügen

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Ried erzielt im ersten Saisonviertel gar nur 8 Tore (2 Kombinationstore, 3 Umschalttore, 2 Kick and Rush-Tore, 1 Standard-Tor und kein Sonstiges). Nach dem verpatzten Saisonstart und dem frühen Trainerwechsel muss man hier wohl noch abwarten, bevor man Genaueres analysieren kann. Unter Neo-Trainer Gludovatz ist auf jeden Fall aufgefallen, dass auch wieder auf lange Bälle gesetzt wird – wodurch auch ein Viertel der Tore erzielt wurde.

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Nur 5 Torerfolge für Tabellenschlusslicht Wolfsberg (3 Kombinationstore, kein Umschalttor, kein Kick and Rush-Tor, 2 Standard-Tore und kein Sonstiges) sind nach 9 Spielrunden inferior. Während sich, statistisch gesehen, 9 Mannschaften im normalen Streubereich der Liga-Toranzahl befinden, sind die mageren 5 Treffer der Wölfe außerhalb – also nicht ligatauglich. Nimmt man diese 5 Treffer aber als Tendenz der heurigen Saison, so kann man eine veränderte Spielweise der Kühbauer-Elf vermuten. Während im vergangenen Jahr Kick and Rush, Umschalten und Standards angesagt waren, trifft man heuer vor allem aus Kombinationen. Zu beobachten ist auch, dass die Kärntner die Angriffe länger vorbereiten und mehr Pässe spielen. Ob dies auf eine gewollte Veränderung/Entwicklung durch Trainer Kühbauer oder auf Ausfälle (Langzeitverletzung von Stoßstürmer Trdina) zurück zu führen ist, ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, dass die Wolfsberger, ob mit veränderter oder alter Spielanlage, rasch wieder mehr Tore erzielen müssen. Ein Wert, der dafür Hoffnung gibt, ist die bisher extrem niedrige Effizienz: Der WAC verwertet nur 5.8% der Torschüsse – Liga-Minimalwert. Gelingt es, diesen Wert nur annähernd in Richtung Liga-Durchschnitt zu bringen, werden sich zwangsläufig auch wieder mehr Punkte einstellen. Letzte Saison lagen die Wolfsberger nach 9 Spielrunden übrigens am ersten Tabellenrang mit 21 Torerfolgen. 5 Treffer hatte man zu diesem Zeitpunkt alleine schon aus Kick and Rush-Aktionen erzielt. Diese Spielweise fordert neben einem körperbetonten Auftreten auch stark den Zufallsmoment. Bedenkt man, dass kaderbedingt und/oder durch taktische Umstellungen beide Faktoren nicht mehr so stark dominieren, so mag das ein Erklärungsansatz für den Leistungsabfall von Wolfsberg sein.

von Roland Leser und Stephan Helm