Analyse: So kann Salzburg gegen Lazio gewinnen

Red Bull Salzburg braucht gegen Lazio eine ordentliche Leistungssteigerung, um nach der 4:2-Niederlage in Rom doch noch den Einzug ins Halbfinale zu schaffen. Doch in welchen Punkten muss sich Salzburg verbessern, um Lazio noch zu knacken, und welche Schlüsse lassen sich aus dem Hinspiel ziehen?

Lazios Pressing bespielen

Nicht nur aufgrund der Ausgangslage wird dies äußerst schwierig, sondern vor allem auch weil die Italiener kaum Schwächen aufweisen und die Situation im Rückspiel ihrer Spielanlage entgegen kommt. Denn Lazio fokussiert vor allem das Pressing und das schnelle Umschaltspiel.

Im Pressing setzt Trainer Simone Inzaghi auf ein 5-3-2 bzw. 5-Raute-1. Wichtigster Punkt ist hierbei die Kontrolle des Zentrums, welches gerade im Salzburger Ballbesitzspiel sehr im Fokus steht. Die Mannschaft steht recht hoch, lässt dem Gegner in dessen Hälfe aber durchaus Platz für den Spielaufbau. Ciro Immobile verteidigt recht passiv, leitet das Pressing durch seine Positionierung auf eine Seite. Das Zentrum ist sehr stark besetzt und der Gegner hat nur am Flügel etwas freien Raum zur Verfügung. Im Pressing rückt zumeist ein Spieler aus der Raute raus, um den Gegner anzulaufen und auch die Flügelverteidiger befinden sich stets am Sprung nach vorne.

Die Fünferabwehr erlaubt es den Verteidigern eng am Mann zu bleiben, ohne dass dabei größere Löcher entstehen, welche Salzburgs Stürmer attackieren können. Salzburgs Stürmer sind sehr gut darin, die Schnittstellen einer Viererabwehr zu attackieren. Bei Lazios Fünferabwehr sind diese Schnittstellen kleiner, dennoch könnte sich aufgrund der mannorientierten Defensive Platz für aus dem Mittelfeld nachstoßende Spieler ergeben.

Im Hinspiel hatte Salzburg recht viel Ballbesitz, aber auch Probleme beim Überspielen des Pressings von Lazio. Ulmer und Lainer konnten den Ball nur selten zurück ins Zentrum bringen. Im Rückspiel muss Salzburg Wege finden, um vermehrt Passwege ins Zentrum zu öffnen, beispielsweise wie in dieser Szene, als Haidara das Rausrücken von Lazios Flügelverteidiger verhinderte und Lainer dadurch Platz für einen Diagonalpass bekam.

So kann es funktionieren. Haidara öffnet den Passweg für Lainer und Salzburg kann von außen wieder ins Zentrum vor Lazios Abwehr spielen.

Konterabsicherung

Salzburg muss das richtige Maß an Offensive finden, denn Lazio ist extrem stark in Kontersituationen. Zu viel Risiko im Ballbesitzspiel könnte schnell zu Gegentoren führen. Wichtig sind nach Ballverlusten das Gegenpressing der Salzburger sowie die Restverteidigung, welche besonders auf Immobile Acht geben muss. Eine interessante Variante hatte diesbezüglich Napoli zu bieten. Im letzten Duell mit Lazio wurde Immobile auch bei eigenem Ballbesitz von einem Innenverteidiger quasi manngedeckt und nur der andere Innenverteidiger nahm am Spielaufbau teil.

Für Salzburg gibt es kaum ein Durchkommen. Die linke Seite ist gut zugestellt, das Zentrum versperrt. Es folgt ein Ballverlust von Lainer, Lazio wird aber sofort wieder unter Druck gesetzt und ein Gegenangriff erfolgreich verhindert. Die Konterabsicherung wird im Rückspiel noch wichtiger sein.

Die eigenen Stärken forcieren

Aufgrund der Ausgangslage und Lazios Spielweise wird Salzburg wohl weitaus mehr Ballbesitz als der Gegner haben. Doch Lazio kann sich nicht auschließlich auf die Defensive verlassen, wird Ruhephasen in Ballbesitz suchen. Wenn Salzburg seine übliche Stärke im Pressing ausspielt, dann werden die Ballbesitzphasen von Lazio nicht zur Erholung taugen. „Mutig und überzeugt, vor allem im Vorwärtsverteidigen“ möchte Marco Rose seine Mannschaft sehen. Es gilt den Ball schnell zurück zu erobern und Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte zu forcieren, um in Umschaltsituationen zu kommen, wo der Raum hinter den Flügelverteidigern wohl eine Schwachstelle von Lazio ist. Die Rückkehr des im Hinspiel gesperrten Hee-Chan sollte im Pressing und in den Umschaltsituationen hilfreich sein.

Abwehrprobleme beheben

Lazio hat viel Qualität in der Offensive und konnte diese im Hinspiel immer wieder zeigen. Problematisch war, dass Lazio häufig das Zentrum erfolgreich bespielen und dann den entstehenden Platz auf außen nutzen konnte. Luis Alberto und Milinkovic-Savic konnten mit ihrer Stärke im Dribbling zu oft durch das enge Mittelfeldzentrum durchgehen. Sie zogen mehrere Gegenspieler auf sich, wodurch auf den Seiten freier Raum für die aufrückenden Flügelverteidiger entstand. Luis Alberto und Milinkovic-Savic wird Salzburg erneut nur schwer in den Griff bekommen, zu verbessern ist jedoch auch das Verhalten der Viererabwehr, wenn das Mittelfeld überspielt wurde. Das eigene Tor muss mit mehr Schärfe verteidigt werden, mahnte Marco Rose vor dem Spiel.

Lucas Leiva bespielt mit einem hervorragenden Pass das Zentrum. Salzburgs Formation ist eng zusammengezogen, der rechts aufrückende Basta hat daher viel Platz. Im Rückspiel muss Salzburg diese Situationen besser verteidigen.

Text: Alexander Belinger

Artikelbild: GEPA