Heraf: „Man wirft mich immer nur in die Schublade des Defensivapostels“
Am Sonntag startet Trainer Andreas Heraf mit seinem neuen Klub Austria Lustenau die Mission Klassenerhalt in der ADMIRAL Bundesliga. Das Tabellenschlusslicht gastiert beim Tabellenvorletzten WSG Tirol (ab 13:30 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Austria 3 – streame das Spiel mit dem Sky X Traumpass).
Noch nie hat eine Mannschaft nach einem sieglosen Herbst den Abstieg aus der österreichischen Fußball-Bundesliga abwenden können. Andreas Heraf ist angetreten, mit Austria Lustenau Historisches zu schaffen und das abgeschlagene Schlusslicht in den 15 ausstehenden Partien zum Klassenerhalt zu führen. Die Punkteteilung nach den Spielen am 10. März macht die Sache aussichtsreicher.
Heraf hat die Aufgabe dennoch gereizt und man darf schon gespannt sein, wie er die Lustenauer im Frühjahr spielen lassen wird. Oft wird Heraf für seine defensive Spielanlage kritisiert. In der neuesten Folge unseres Podcasts DAB | Der Audiobeweis hat der Coach auf seinen Ruf als äußerst defensiver Trainer reagiert.
„Damit kann ich mich eigentlich gar nicht anfreunden“
„Ich mag es nicht, wenn man mich in eine Schublade verfrachtet, weil es nicht richtig ist. Man wirft mich immer nur in die Schublade des Defensivapostels, der den Bus vor dem Tor parkt. Damit kann ich mich eigentlich gar nicht anfreunden, weil ich bei vielen Stationen genau das Gegenteil gezeigt habe“, erklärte der 56-Jährige und weist auf seine Erfolge mit den ÖFB-Nachwuchsteams und bei der SV Ried hin:
„Ich bin beim ÖFB für fünf Endrunden verantwortlich gewesen und man fährt zu keiner WM oder EM, wenn man nur den Bus parkt. Das geht einfach nicht. Ich habe Ried vom letzten Platz nach oben geführt und habe in der folgenden Saison den Verein als Dritter verlassen müssen – sagen wir es so. Du bist auch nicht Dritter, wenn du nur den Bus parkst.“
„Dass ich aber großen Wert auf die Defensive lege ist kein Geheimnis, das ist Fakt“
Mit seinem Ex-Klub Schwarz-Weiß Bregenz gelang Heraf in der vergangenen Saison der Aufstieg in die ADMIRAL 2. Liga und anschließend eine starke Herbstsaison in der zweithöchsten Spielklasse: „Wir haben auch letztes Jahr in Bregenz nur fünf Spiele verloren, haben viele Tore gemacht, sind Meister geworden und waren dann Dritter. Dass ich aber großen Wert auf die Defensive lege ist kein Geheimnis, das ist Fakt. Das macht jeder Trainer, weil zum Fußball neben dem Tore schießen eben auch das Tore verhindern gehört.“
In Lustenau wartet auf den erfahrenen Trainer nun eine neue, große Herausforderung. Die Zahlen der Lustenauer Herbstsaison sind ernüchternd: Kein Sieg, nur drei Remis in 17 Spielen, acht Punkte Rückstand auf die WSG Tirol, die wenigsten Tore erzielt (8), die meisten Gegentore erhalten (40).
„…, dann hast du null Prozent Chance, die Liga zu halten“
Heraf hat die Aufgabe dennoch gereizt und erklärt im Sky-Podcast seine Lösungsansätze in der Defensive. „Meine Herangehensweise ist ganz simpel. Ich werfe einen Blick auf die Tabelle. Wir haben im Herbst nur drei Punkte gemacht und dabei acht Tore geschossen und 40 kassiert. Wenn du 40 Gegentore kassierst in 17 Spielen, dann hast du null Prozent Chance, die Liga zu halten. Das ist einfach unmöglich. Wir müssen defensiv besser werden, kompakter sein, weniger Tore bekommen“, so Heraf.
Vor allem die Schwächen bei defensiven Standards will der 56-Jährige mit seinem Team unter Kontrolle bringen: „Wenn man es sich genau ansieht, haben wir fast die Hälfte, nämlich 19 Tore, aus Standardsituationen bekommen. Wir müssen also besser verteidigen bei Standards und dürfen, noch viel wichtiger, nicht so viele Standards zulassen.“

