Anekdoten, Visionen und persönliche Ziele: Lustenau-Coach Mader im exklusiven Sky-Interview

Am vergangenen Freitag wurde offiziell bekannt, dass der Vertrag von SC Austria Lustenau-Trainer Markus Mader verlängert wurde. Von Vereinsseite wurde eine Ausdehnung der Zusammenarbeit bis „mindestens“ 2024 verlautbart.

Im exklusiven Gespräch mit Sky Reporter Eric Niederseer plauderte Coach Markus Mader über hohe Karriereziele als Europacup-Trainer, die Schwierigkeiten seiner Anfänge in Lustenau, die ruppige Gangart des modernen Trainergeschäfts und eine spezielle Nichtabstiegs-Klausel in seinem neuen Arbeitspapier.

Exklusiv: Nichtabstiegs-Klausel im Vertrag

Sky: „Herr Mader, zunächst Herzlichen Glückwunsch zu diesem verspäteten Weihnachtsgeschenk. Vereinsintern wird von einer Verlängerung bis ‚mindestens‘ 2024 gesprochen. Schnell gesagt, was kann man sich darunter vorstellen?“

Markus Mader: „Dass es so noch länger gehen kann, wenn alles passt. Jetzt haben wir den Vertrag vorerst mal um 1 ½ Jahre verlängert, diese und nächste Saison. Es heißt außerdem, dass ich im Falle des Klassenerhalts kommende Saison eine Option innehabe, dass sich der Vertrag um eine weitere Spielzeit automatisch verlängert.“

„Laut meinem Wissensstand wurde im Trainerteam lediglich der Vertrag mit Ihnen verlängert. Gibt es bereits Pläne, die Laufzeiten des restlichen Trainerstabes ebenfalls in Kürze auszudehnen?“

Markus Mader: „Ich habe klar gesagt, dass ich weiterhin mit meinem Trainerteam zusammenarbeiten will. Aber natürlich kommt es auch auf jeden Einzelnen und die folgenden Verhandlungen an. Wichtig war für den Verein jetzt einmal, dass mit mir verlängert wurde. Alexander Schneider wird sich dann mit dem restlichen Coaching Staff auseinandersetzen. Grundsätzlich weiß ‚Alex‘ aber, dass es mein Wunsch ist, dass es mit diesem Trainerteam weitergeht.“

Verlängerung als Zeichen an die Spieler, dass „sie mit mir weitermachen müssen“

Sky: „Als Trainer wird man heutzutage als Erster an den Pranger gestellt, wenn es nicht läuft. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, auf der Trainerposition auf Kontinuität zu setzen und schnell Klarheit zu schaffen?“

Markus Mader: „Ich glaube, dass es ein Zeichen gegenüber der Öffentlichkeit und der Mannschaft ist, weil sie wissen, sie müssen jetzt mit mir weiterarbeiten („lacht“). Es war auch damals in meiner aktiven Zeit wichtig, vorab zu wissen, wer mein Trainer ist. Im positiven als auch im negativen Sinne. Natürlich habe auch ich nicht nur Trainer erlebt, bei denen ich mich über eine Verlängerung gefreut habe. Für mich persönlich ist es natürlich schön, weil ich nun Sicherheit habe, in welche Richtung es geht. Wenn sich das ewig lange zieht und keiner weiß, wie es weitergeht, kann es natürlich auch problematisch werden.“

Kritik am Trainergeschäft – „In manchen Vereinen ist die Coolness abhandengekommen“

Sky: „Auch in der Phase mit zehn sieglosen Ligaspielen in Serie stand der Verein immer hinter Ihnen. Ist eine derartige Rückendeckung der Schlüssel für eine erfolgreiche Arbeit?“

Markus Mader: „Ja, auf jeden Fall. Das war für mich sehr fein zu wissen, dass der Vorstand hinter mir steht und, dass man nicht in Frage gestellt wird. Extern war das anders und natürlich wurde die Trainerfrage gestellt. Ich finde es gut, wenn ein Verein nicht nur ergebnisorientiert entscheidet, wie es bei anderen Klubs diese Saison bereits der Fall war. Ich finde es wichtig, dass man auch analysiert, was rundherum passiert und wie die Arbeit innerhalb des Trainerteams funktioniert. Wichtig ist, dass man sich die Frage stellt: Kann der Trainer überhaupt immer alles dafür, wenn man eine Niederlagenserie hat? Wenn ein Team ein paar Mal gewinnt, ist die Mannschaft super. Aber wenn ein Team verliert, ist immer der Trainer schuld. Im modernen Fußball ist in letzter Zeit leider die Coolness in manchen Vereinen abhandengekommen. Heute wird schnell geschossen wie wir in dieser Saison ja bereits erlebt haben. Ich finde das ein klein wenig pervers in diesem Geschäft, aber jeder Trainer, der sich darauf einlässt, weiß ja im Vorhinein bereits Bescheid.“

Sky: „Sportkoordinator Alexander Schneider sprach in der offiziellen Stellungnahme davon, dass man durch die Vertragsverlängerung der ‚Zufriedenheit an Ihrer Arbeit gebührenden Ausdruck‘ verleihen wolle und, dass Sie durch Ihre ‚bodenständige, sympathische und authentische Art, die Werte des Vereins optimal verkörpern‘. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie solche Lobeshymnen hören?‘

Markus Mader: „Was soll er auch anders sagen („lacht“)? Ich nehme ihm das aber voll und ganz ab. Es ist eine tolle Bestätigung für mich, weil ich glaube, dass er es gut trifft. Und weil ich mich auch selber so einschätze, was diese Charakteristik anbelangt. Umso schöner, wenn man das von seinem Vorgesetzten hört. Dementsprechend ist man dann als Trainer sehr zufrieden.“

Maders Anekdote zum Amtsantritt – „Nur elf Spieler beim ersten Training“

Sky: „Der Erfolg in den vergangenen 1 ½ Jahren gibt Ihnen Recht. Blicken wir nochmals zurück auf Ihre emotionale Reise seit Amtsantritt. Wie würden Sie Ihre Zeit in Lustenau seit Juli 2021 zusammenfassen?“

Markus Mader: „Es ist natürlich eine extreme Reise gewesen, die ich mit meinem Trainerteam erlebt habe. Ich kann mich noch genau erinnern an das allererste Training, wo wir zu elft auf dem Trainingsplatz gestanden sind und sich jeder gefragt hat, ob es schon das Richtige ist, was wir hier machen! Über einen traumhaften Start in die Meisterschaft und über ein sensationelles Jahr, das mit dem Aufstieg gekrönt wurde. Und speziell, weil es für alle nicht zu erwarten war. Es ist einfach eine brutal spannende Reise mit überwiegend positiven Erlebnissen. Natürlich gab es auch negative Erlebnisse: Aber es war ausschlaggebend, dass wir immer ruhig geblieben sind. Die positiven Momente überwiegen definitiv. Aber das heißt natürlich auch, dass es irgendwann andere Zeiten geben wird. Auf das müssen wir vorbereitet sein.“

„Keine fertigen Superstars“, „Aufholbedarf in der Professionalisierung“ – Entwicklung des Vereins im Vordergrund

Sky: „Im Statement des Vereins sprach Herr Schneider unter anderem davon, dass diese gemeinsame Reise noch lange nicht zu Ende ist. Schnell gefragt: Wo soll die Reise mit Austria Lustenau noch hingehen?“

Markus Mader: „In erster Linie geht es um Kontinuität. Wir wollen uns so stabilisieren, um auf Jahre in der Bundesliga eine gute Rolle zu spielen. Es geht nicht um Platzierungen. Sondern in erster Linie darum, sich als Verein zu entwickeln, weil wir, was die Professionalität oder die Infrastruktur betrifft, doch Aufholbedarf gegenüber anderen Vereinen haben. Der Verein, die Mannschaft sowie auch das Trainerteam muss sich entwickeln. Wir werden nie der Verein sein, der fertige Superstars in seinen Reihen hat. Wir werden immer eine junge Mannschaft haben, die Spieler als Karriereschritt verwenden, um den Sprung zu einem Topklub zu schaffen. Das wird auch in Zukunft so sein, das kann ich Ihnen garantieren. Unsere Ziele haben nicht wirklich viel mit einer Tabellenplatzierung zu tun, aber natürlich sollte man am Ende einer Saison nicht Zwölfter sein, weil das einen Bruch in der Entwicklung ergeben würde. Unser oberstes Gebot ist es, in der Liga zu bleiben und uns Schritt für Schritt zu professionalisieren.“

© Austria Lustenau

Mader möchte eines Tages „österreichischer Meister und Europacup-Coach“ werden

Sky: „Ihre persönlichen Ziele mit der Austria haben Sie mir bereits mitgeteilt. Der primäre Fokus liegt auf dem Klassenerhalt. Sprechen wir nun aber über Ihre persönlichen Ziele: Gibt es noch Meilensteine, die Sie in Ihrer persönlichen Laufbahn erreichen wollen?“

Markus Mader: „Ich möchte mal österreichischer Meister werden und Europacup bzw. Champions League-Coach. Nur ist das realistisch? Ja oder Nein? Wir werden sehen. Momentan sicher nicht, aber wie sieht es in drei bis vier Jahren aus? Natürlich haben auch wir Trainer Visionen und auch als kleines Lustenau darf man das. Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, wenn man einen Beruf hat und sagt, man sei zufrieden oder ich will mein ganzes Leben lang dasselbe machen. Ob man es dann mit den Möglichkeiten, die man hat, erreichen kann, ist wieder etwas anderes!“

„Als Trainer muss man sich bewusst sein, dass nicht alle deine besten Freunde sind“

Sky: „Abgesehen von Ihrer Personalie gibt es auch auf Spielerebene etliche Verträge, die zu Saisonende auslaufen (Anm. der Redaktion: Abgesehen von den Leihspielern laufen am Ende der Saison 2022/23 neun Verträge aus). Denken Sie, dass die Verlängerung Ihres Vertrages auch ein positives Signal im Hinblick auf zukünftige Vertragsverhandlungen mit Ihren Spielern sein kann?“

Markus Mader: „Für gewisse Spieler sicher, für andere vielleicht nicht so. Natürlich muss man sich als Trainer auch bewusst sein, wenn man 22 Leute trainiert, dass nicht alle deine besten Freunde sind. Es kommt natürlich auch immer auf die Spielzeit darauf an. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass alle meine Jungs mein Vertrauen genießen. Einige werden froh sein, einige vielleicht sagen, dass sie bei einem anderen Trainer womöglich bessere Chancen hätten. Aber grundsätzlich muss ich mich nicht verkopfen, was andere denken.“

Sky: „Nun zur abschließenden Frage: In knapp einem Monat steht der Auftakt der Frühjahrssaison bei Red Bull Salzburg an. Welches Gesicht können wir dann vom SC Austria Lustenau erwarten?“

Markus Mader: „Auf jeden Fall ein bissiges, motiviertes. Wir wissen, dass wir ein Mörderprogramm haben. Wir haben noch sechs Runden zu spielen und treffen auf die besten Teams aus Österreich. Da wollen wir noch punkten, damit wir eine gute Basis für die Ruckrunde schaffen. Darum ist eine sehr, sehr gute Vorbereitung wichtig. Wir haben in der bisherigen Zeit bereits den Grundstein gelegt und wir müssen die Vorbereitung optimal nutzen, damit wir den Gegnern dann auch wirklich Paroli bieten können. Dass es schwer wird, wissen wir. Ich traue uns aber auch die eine oder andere Überraschung zu, egal was jetzt kadertechnisch noch passiert“.

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Bild: GEPA