Auf den Spuren von Herzog & Co. – Wanner als Erbe „der ÖFB-10“
Was haben Andreas Herzog und Paul Wanner gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht vieles, seit dem gestrigen Tag eint sie jedoch eines: Beiden wurde das Privileg zuteil, im ÖFB-Team die Trikotnummer 10 zu tragen.
Eindhoven-Legionär Paul Wanner hat beim gestrigen Nations-League-Auftakt erstmals die Trikotnummer des Spielmachers geerbt – und lieferte gegen Israel prompt entscheidende Impulse. Im Gespräch mit einem der früheren österreichischen Spielmacher sieht Sky-Experte und ÖFB-Legende Andreas Herzog in Wanner einen Spieler, der die Offensive des österreichischen Nationalteams künftig prägen wird.
Egal, ob Privileg oder Bürde – „die Zehn“ steht im Fußball für Besonderes. Sie steht für Kreativität, Ideen und den Unterschied, den ein Spieler mit dem Ball am Fuß machen kann. Im ÖFB-Team gehört sie seit dem gestrigen Spiel auch offiziell zu Paul Wanner. Bei der WM 2026 in Nordamerika hatte Florian Grillitsch noch diese besondere Rückennummer getragen, Wanner lief damals noch mit der Trikotnummer 24 auf. In seinem achten Länderspiel für die Elf von Ralf Rangnick folgte nun der „Nummerntausch“.
Wanner als einer der entscheidenden Faktoren gegen Israel
Auch bei seinem Klub PSV Eindhoven trägt Wanner die Rückennummer 10. Und, dass er dieser Nummer gerecht werden kann, deutete er beim 3:1-Sieg gegen Israel eindrucksvoll an. Der 20-jährige Wanner wurde in der Pause für Werder-Bremen-Legionär Marco Grüll eingewechselt. Der achtfache Teamspieler brauchte nicht lange, um Akzente zu setzen, und veränderte das Offensivspiel sichtlich. Österreich hatte gegen einen tief stehenden Gegner lange nach Lösungen und den entscheidenden Lücken im letzten Drittel gesucht. Genau in solchen Situationen sind Spieler gefragt, die mit einer Einzelaktion eine Partie öffnen können.
Wanner ist laut ÖFB-Legende Andreas Herzog einer davon: „Es war zu erwarten, dass es schwer wird. Schlussendlich war es aber verdient, weil wir klar überlegen waren. Aber man merkt schon, dass es schwierig wird, wenn es eng ist und ein Gegner tief verteidigt. Deswegen braucht es Typen wie Paul Wanner, der Eins-gegen-eins-Situationen lösen kann, und Sasa Kalajdzic, der sich aufgrund der Größe entscheidend durchsetzen kann.“ In der Schlussphase spielte Wanner seine Qualitäten aus und bereitete mit einer präzisen Flanke den Führungstreffer von Phillipp Mwene vor. Wenig später machte Sasa Kalajdzic mit dem 3:1 in Linz den Deckel drauf.
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Herzog über Wanner: „Er ist das kreative Hirn im offensiven Mittelfeld“
Herzog weiß, wovon er spricht. Der ehemalige, 103-fache ÖFB-Teamspieler trug selbst die Nummer 10 und war über Jahre hinweg einer der kreativen Köpfe der Nationalmannschaft. Nun sieht er diese Rolle bei Wanner: „Ich glaube, dass er das kreative Hirn im offensiven Mittelfeld ist und sein muss. Wir brauchen Spieler wie Paul“. Für Herzog steht fest, dass Wanner Fähigkeiten besitzt, die ihn im ÖFB-Team besonders wertvoll machen. „Paul besitzt eine überragende Technik, hat viel Gefühl im linken Fuß und trifft im letzten Drittel viele richtige Entscheidungen.“
Und Herzog geht noch weiter: „Es gibt nicht viele im ÖFB-Team, die diese Qualität haben, deswegen wird er die Zukunft im ÖFB-Team mitgestalten.“ Die Entwicklung ist dabei längst nicht abgeschlossen. Wanner ist erst 20 Jahre alt – und hat nach Einschätzung Herzogs noch erhebliches Potenzial. „Er zeigt bereits als junger Spieler auf und hat sein ganzes Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Er ist aber genau dieser Spieler, den wir im Nationalteam brauchen.“
Eine Sache möchte Herzog bei Wanner allerdings möglichst nicht sehen: eine Entwicklung hin zum Sechser. „Ich hoffe nur nicht, dass er eines Tages auf der Sechs spielen muss. Maximal auf der Doppelsechs, etwas vorangeschoben. Wir brauchen Paul als Achter oder Zehner, als kreatives Element in unserem Spiel.“ Und genau diese Rolle scheint Wanner selbst ebenfalls zu suchen.
„Unser Gesicht gesehen“: ÖFB-Team funktioniert auch ohne alte Stars
Entscheidung mit Stolz: Wanner will ÖFB-Zukunft mitprägen
Denn Wanner hat seine Entscheidung für den ÖFB längst getroffen – und lebt sie zu 100 Prozent. Der Offensivspieler fährt stolz zu den ÖFB-Lehrgängen, unter anderem weil die Teamchemie stimmig ist. Im Podcast „kicker meets DAZN“ sprach Wanner vor kurzem über die Beweggründe für seine Entscheidung und bestätigte den Eindruck: „Ich hab mich für Österreich entschieden, weil ich mich dort mehr hingezogen fühle. Ich bin absolut froh, dass ich das so gemacht habe. Ich kann sagen, dass es richtig war. Viele haben auch gesagt, der entscheidet sich jetzt nur weil eine WM ansteht, aber ich glaub‘ bei so einem Fall, darf man auf so etwas gar nicht achten. Das ist eine Herzensangelegenheit, wo willst du lieber spielen“.
Auch seine Familie ist eng dabei und bei den Spielen regelmäßig vor Ort, um Wanner zu unterstützen und seine Entwicklung aus nächster Nähe zu verfolgen. Wanner will dabei nicht nur bei PSV Eindhoven den nächsten Schritt machen. Sein Ziel ist es auch, für Österreich ein Schlüsselspieler zu werden. Vor allem soll er in Zukunft zu einem entscheidenden Faktor im ÖFB-Team reifen. Sein Auftritt gegen Israel war dafür ein weiteres Ausrufezeichen.
Die nächste Gelegenheit, diese Rolle auszufüllen, wartet bereits am Sonntag im nächsten Länderspiel gegen Franco Fodas Kosovo. Dann geht es für Wanner nicht nur um die nächste Partie im ÖFB-Trikot, sondern um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zur prägenden Figur im ÖFB-Team – mit einer ganz besonderen Nummer auf dem Rücken.
