Aufreger und Déjà-vu-Gefahr: F1-Rekordsaison startet in Bahrain
24 Rennen in 21 Ländern – die Formel 1 inszeniert 2024 ihre bisher längste Saison. Diese beinhaltet auch drei Termine an einem Samstag, den Anfang macht bereits der Auftakt-Grand-Prix in Bahrain. Schon vor dem Saisonstart ereigneten sich mittelschwere Erdbeben. So wurde etwa der Wechsel von Lewis Hamilton zu Ferrari zur Saison 2025 bekannt, dazu der Wirbel um Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Über allem steht die Frage: Wird die WM wieder zum Spaziergang für Max Verstappen?
Die dreitägigen Testfahrten auf dem Bahrain International Circuit in Sakhir zeigten, dass Red Bull über eine ganze Grand-Prix-Distanz weiter einsame Spitze ist. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Auto, wie es sich verhält“, resümierte Titelverteidiger Verstappen, der dieses Jahr seinen vierten Titel in Serie anstrebt. „Natürlich wollen wir nicht übermütig werden und müssen sicherstellen, dass wir alles richtig machen, um ein erstes starkes Wochenende zu haben.“
Neuer RB20 eine Sekunde schneller als die Konkurrenz?
In der Vorsaison dominierte der Niederländer die Saison wie kein anderer jemals zuvor. Er sammelte 19 Siege, 21 Podestplätze und startete 12-mal von der Pole Position. Red Bull Racing gewann auf dem Weg zum sechsten Konstrukteurstitel 21 von 22 Rennen. „Ich glaube nicht, dass das noch einmal zu toppen ist“, sagte Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien. Manche Simulationen anhand der Bahrain-Daten legen jedoch nahe, dass der RB20 im Renntrimm bis zu eine Sekunde pro Runde schneller sein könnte als die Verfolger.
„Die haben beliebig schnelle Zeiten fahren können an dem Wochenende“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Aber es ist Racing. Die Dinge können immer anders laufen.“ Bei Mercedes selbst deutete die Rennsimulation laut dem Wiener „darauf hin, dass wir besser aufgestellt sind als im letzten Jahr“. Vorsichtiger Optimismus herrscht auch bei Ferrari. „Red Bull ist immer noch schneller, aber wir haben eine stärkere Basis im Vergleich zum letzten Jahr“, meinte Charles Leclerc.
Sorgt Hamilton-Wechsel für „Silly Season“ das ganze Jahr über?
Bei Mercedes droht im Laufe des Jahres allerdings Unruhe wegen des bereits fixierten Abgangs von Rekordweltmeister Hamilton. „Wenn es dann Richtung 2025er-Auto geht oder bei allem, was das 2026er dann betrifft, wird er nirgends mehr eingeweiht“, betonte Klien. Für die Verantwortlichen um Wolff geht es in nächsten Monaten auch darum, nach möglichen Nachfolgern Ausschau zu halten. Ein Domino-Effekt mit mehreren Transfers könnte folgen. Denn zumindest 13 Fahrerverträge laufen Ende 2024 aus – auch der von Verstappens Stallgefährte Sergio Perez.
Ferrari-Wechsel: Schumacher rechnet mit Problemen für Hamilton
Über diese Winterpause sind zum ersten Mal in der Geschichte alle Fahrer-Konstellationen gleich geblieben. Neu sind Name und Erscheinungsbild der Racing Bulls, wie der AlphaTauri-Nachfolger im italienischen Firmenregister heißt. Der offizielle Teamname lautet Visa Cash App RB, neuer Teamchef ist Ex-Ferrari-Technikchef Laurent Mekies. Alfa Romeo wird heuer als Sauber an den Start gehen, offiziell unter dem Namen Stake F1 Team Kick Sauber. Im technischen Bereich blieben größere Änderungen aus, die Boliden sind mehr oder weniger Weiterentwicklungen der Modelle aus dem Vorjahr.
Drei Rennen an Samstagen
Weiter gebastelt wurde auch am Kalender, der noch nie so viele Rennen umfasst hat wie heuer. Im Vergleich zu 2023 kehrt der Große Preis von China in Shanghai zurück. Auch Imola, 2023 wegen Überschwemmungen in der Region abgesagt, ist wieder im Programm. Der erste Grand Prix findet statt am Sonntag am Samstag (16.00 Uhr/live auf Sky) in Bahrain statt. Das ist indirekt dem muslimischen Fastenmonat Ramadan geschuldet, der am 10. März, also am Sonntag der Woche darauf, beginnt.
Aus diesem Grund wurde zunächst der Große Preis von Saudi-Arabien auf den Samstag vorverlegt. Weil die Formel-1-Regeln mindestens eine Woche Pause zwischen zwei Rennen vorschreiben, wichen auch die Sakhir-Verantwortlichen auf Samstag aus. Auch der Große Preis von Las Vegas steigt im November wieder an einem Samstag Ortszeit.
Das Österreich-Rennen auf dem Red Bull Ring in Spielberg geht am Sonntag, 30. Juni, über die Bühne. Schon am Samstagvormittag – das ist neu – ermitteln die 20 Fahrer in Spielberg den Sprint-Sieger. Insgesamt sind in dieser Saison sechs Sprint-Entscheidungen (außerdem Miami, Shanghai, Austin, Sao Paulo und Doha) angesetzt.
(APA)/Bild: Imago

