Bayern Munich's German coach Hans-Dieter Flick is thrown in the air after the UEFA Champions League final football match between Paris Saint-Germain and Bayern Munich at the Luz stadium in Lisbon on August 23, 2020. (Photo by Miguel A. Lopes / POOL / AFP) (Photo by MIGUEL A. LOPES/POOL/AFP via Getty Images)

Aus dem Schatten, auf den Thron! Flick coacht sich zum Triple

via Sky Sport Austria

Hansi Flick übernahm die Bayern im November in einem katastrophalen Zustand. Danach mauserte sich das Team erst zum Besten in Deutschland, ehe sich die neu-formierte Flick-Elf auch die Krone in Europa aufsetzen durfte.

Nach einer desaströsen 1:5-Niederlage gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt musste Niko Kovac seine Koffer packen und den FC Bayern verlassen. Es folgten wilde Spekulationen um mögliche Nachfolger. Die Namen Thomas Tuchel, Mauricio Pochettino und Massimiliano Allegri geisterten durch München. Bevor sich ein Favorit herauskristallisierte, übernahm Co-Trainer Flick die Mannschaft interimsweise.

Flick bringt Spielfreude und Ruhe zurück ins Team

Die Übergangsbeschäftigung des ehemaligen Nationalmannschafts-Vize geriet bereits nach kurzer Zeit ins Wanken. Seine Ligaspiele drei und vier an der Seitenlinie verlor Flick gegen Leverkusen und Gladbach jeweils mit 1:2, erarbeitete sich durch das furiose 4:0 gegen den BVB bei seinem Liga-Debüt jedoch genug Kredit, das Zepter noch ein wenig zu halten.

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Nach der kurzen Schwächephase der Münchner deutete sich langsam ein Spielstil an, der die Herzen der Bayern-Fans höher schlagen ließ. Aggressives Pressing und Tempo-Fußball hatte man in der bayrischen Hauptstadt unter Kovac vermisst. Der neue Trainer brachte Spielfreude – und vor allem Ruhe zurück ins Team.

“Hansi ist – auch aufgrund seines Alters – ein großer Menschenfänger, der diese Mannschaft außergewöhnlich gut führt. Durch seine Empathie und sein Vertrauen, das er seinen Spielern gibt, und auch durch seine Art und Weise, wie er die einzelnen Spieler anspricht”, schwärmt Friedhelm Funkel im Sky Interview von der Art des Bayern Coaches, der immer mehr Stabilität in die Mannschaft bekommt.

Causa Müller: Vom Wechselkandidat zum Leistungsträger

Wurde im Oktober noch über einen Abgang von Thomas Müller gesprochen, der für den oft enttäuschenden Philippe Coutinho auf die Bank geschickt worden war, wurde der 30-Jährige unter Flick wieder eine Galionsfigur in der bayrischen Offensive. Die Gerüchte um einen Wechsel, die Müller zuvor selbst mitbefeuert hatte, erloschen spätestens mit seiner Vertragsverlängerung im April.

Mit dem auch spielerisch sinnvollen Schachzug, Müller wieder auf den Plan zu bringen, erwies Flick dem gesamten Mannschaftsklima einen Bärendienst. Die zu Kippen drohende Stimmung verwandelte sich in eine Euphoriewelle, auf der die Bayern in den folgenden Wochen wieder an die Tabellenspitze surften.

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Nur 36 Spiele zum Triple

Das mit einer festen Startelf, die der Trainer Stück für Stück etablierte. Dazu gehörte neben Urgestein Müller plötzlich auch ein 19-jähriger Alphonso Davies. Vor dem Spiel gegen den BVB im November noch als Schwachstelle ausgemacht, ließ der Linksverteidiger Jadon Sancho überhaupt keine Chance und avancierte in den folgenden Monaten zu einem der besten Spieler auf seiner Position – europaweit.

Publikumslieblinge stabilisieren, Youngster integrieren. Flick stellte die Mannschaft zufrieden und gewann ein Spiel nach dem anderen. Nur 36 Partien brauchte der “Co-Trainer”, um den FC Bayern zum Triple zu führen. Als erster Verein jemals gewann der deutsche Rekordmeister alle Begegnungen in der Champions League, geriet insgesamt nur 14 Minuten in Rückstand – und das nur unter Kovac.

Pavard? Coman? Kimmich? Thiago?

Der ehemalige Nationalmannschafts-Co Flick verdient sich nach schrittweisem Aufschub im April endgültig einen Langzeitvertrag bis 2023 bei den Bayern, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf bestem Wege Richtung Meisterschaft sind. Nach der Corona-Pause geht es schnell. Der erneute Sieg gegen Borussia Dortmund sichert den Liga-Titel frühzeitig, im Pokal erfolgt bis zum Finale gegen Leverkusen der Durchmarsch. Nach einem erneuten Sieg gegen Chelsea geht es ins Final-8 der Königsklasse.

Frage nach Thiago: Flick mit Scherz auf PK

Dort gehen die Bayern den nächsten Schritt und zaubern im Viertelfinale gegen den FC Barcelona einen 8:2-Sieg daher. Die Aufstellung hatte dem Trainer zuvor ein wenig Kopfschmerzen bereitet. Neben Kingsley Coman musste Flick auf Benjamin Pavard verzichten, was ihn dazu zwingt, Joshua Kimmich von seiner neuen Paradeposition im Zentrum zurück in die Verteidigung zu ziehen. Für Coman kommt Ivan Perisic, der einen guten Job im Angriff macht.

Flicks goldenes Händchen: Man of the Match und Siegtorschütze

Keine Veränderungen im Lyon-Spiel. Beim in der Höhe schmeichelhaften 3:0-Halbfinal-Sieg stellt sich Kimmich als Risikofaktor heraus. Sein hohes Spiel in der Hälfte der Franzosen eröffnet Räume, die der Ligue-1-Klub nicht zu nutzen weiß. Vor dem Finale dann die große Frage: Ist Pavard fit für die Startformation?

Flick zweifelt an der Fitness des Rechtsverteidigers, setzt erneut auf Kimmich hinten rechts. Das bedeutet gleichzeitig, dass Thiago seinen Platz im Zentrum nicht für den Nationalspieler räumen muss. Vorne stellt sich mit dem genesenen Coman eine ähnliche Frage. Flick setzt auf Thiago und Coman. Thiago glänzt als Lenker im Mittelfeld (Sky Note:1), Coman erzielt das einzige, entscheidende Tor.

Triple-Bayern kassieren Rekordsumme an Prämien

“Dass Hansi Flick dann auch noch Kingley Coman von Anfang an brachte, beweist einmal mehr das goldene Näschen und den tollen Instinkt dieses Trainers. Spätestens nach diesem Sieg ist klar: Hans-Dieter Flick ist einer der besten Trainer der Welt”, adelt auch Sky Experte Lothar Matthäus den FCB-Coach.

Triple – und jetzt?

In seinem ersten Jahr als Chef-Trainer holt Flick mit einer schier tot geglaubten Truppe das Triple aus Liga, Pokal und Champions League. Dafür gab es nach dem 1:0-Final-Erfolg gegen Paris Saint-Germain ein Sonderlob vom Chef. “Du bist immer so ein bescheidener Mensch. Aber du hast einen Wahnsinnsjob gemacht, du kannst darauf stolz sein”, lobte FCB-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge den Coach nach dem Triple.

In seinem ersten Jahr an der Seitenlinie hat der 55-Jährige eigentlich alles erreicht, wovon ein Trainer träumen kann. Was darauf noch folgen kann, wird die kommende Saison zeigen. Verstecken muss – und kann – sich der stille Sympathieträger nun aber vor niemandem mehr.

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VIDEO-Highlights: Paris Saint Germain vs. FC Bayern München 0:1

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