Aus der Landesliga zur WM? Wiegeles Aufstieg zur ÖFB-Hoffnung

Florian Wiegele ist nicht den „klassischen Weg“ gegangen. Noch vor vier Jahren stand der 2,05 Meter große Torhüter in der steirischen Landesliga zwischen den Pfosten.

Am vergangenen Freitag gab er sein Debüt im österreichischen A-Nationalteam – und darf sich nun berechtigte Hoffnungen machen, im Sommer bei der Weltmeisterschaft als Nummer eins im Tor zu stehen.

Über den steirischen Klub-Fußball in die Europa League

Sein Weg in den Profifußball verlief alles andere als geradlinig. In der Jugend noch beim SK Sturm Graz ausgebildet, wurde Wiegele mit 16 von einem massiven Wachstumsschub ausgebremst. Verletzungen warfen ihn zurück, über zwei Jahre hinweg kam er kaum zu Einsätzen. Auch bei den Sturm-Amateuren blieb ihm der Durchbruch verwehrt, weshalb er 2019 in die steirische Landesliga zum SV Lebring wechselte.

2022 folgte der nächste Karriereschritt in die Regionalliga zu Gleisdorf, ehe er nur ein Jahr später beim DSV Leoben erstmals in der 2. Liga Fuß fasste. Der Sprung ins Ausland gelang im Sommer 2024 mit dem Wechsel zu Viktoria Pilsen. Im Zuge einer Leihe zum GAK in der Rückrunde der Saison 2024/25 sammelte Wiegele Spielpraxis. Im Sommer kehrte er nach Pilsen zurück, wo er seit Ende November als unumstrittener Stammkeeper gilt und bereits sechs Spiele in der Europa League absolvierte, drei davon ohne Gegentor.

Wiegele hält Elfmeter in der Europa League:

Stankovic: Wiegele-Einberufung „längt überfällig“

Marko Stankovic, selbst einmaliger ÖFB-Teamspieler und heutiger Sky-Analyse-Experte, hat Wiegele ein Stück auf seinem Weg begleitet. In Lebring standen beide noch gemeinsam am Platz, heute ist Stankovic dort Cheftrainer.

„Florian Wiegele ist vom Gemüt her ein eher untypischer Tormann. Sehr ruhig, aber doch sehr präsent. Als Mitspieler eher zurückgezogen, nicht unbedingt der Lautsprecher in der Kabine. Seine großen Stärken sind, dass er alles hat: Größe, starke fußballerische Qualitäten und durch seine Körpergröße eine hervorragende Strafraumpräsenz“, findet Stankovic lobende Worte für seinen ehemaligen Mannschaftskollegen.

Über seinen ersten Auftritt im ÖFB-Team sagt er: „Für mich war es längst überfällig, dass er ins Nationalteam einberufen wird. Ob es jetzt schon zur Nummer 1 reicht, bin ich mir nicht sicher, da mit Alex Schlager ein sehr guter Torwart über mehr Erfahrung verfügt. Aber auf Sicht sind wir mit ihm als Nummer 1 im ÖFB-Tor bestens aufgestellt.“

Poms freut sich für ehemaligen Schützling

Eine zentrale Rolle auf Wiegeles Weg spielte auch Trainer Rene Poms, der ihn sowohl beim DSV Leoben als auch beim GAK betreute. Während seiner Leihe nach Graz – Poms holte ihn dorthin – trug der Torhüter maßgeblich dazu bei, den Klassenerhalt in der Bundesliga zu sichern. Entsprechend groß ist nun auch die Freude bei seinem ehemaligen Trainer: Er „freue sich wahnsinnig für ihn. Jetzt ist er endlich da, wo er hingehört“, so Poms gegenüber dem Kicker.

WM-Teilnahme als Belohnung?

Wie stehen also seine Chancen auf eine WM-Teilnahme – womöglich sogar als Nummer eins? Teamchef Ralf Rangnick sprach bei Wiegeles Einberufung von einem „ganz anderen Profil“. Ein Hinweis, der sich vor allem auf seine Physis bezieht: Mit 2,05 Metern bringt der 25-Jährige andere Voraussetzungen mit als die etablierten Torhüter Alexander Schlager und Patrick Pentz.

„Ganz anderes Profil“: Rangnick erklärt Nominierung von Wiegele

Für Wiegele spricht zudem das Momentum. Bei Viktoria Pilsen konnte er sich mehrfach auszeichnen. Auch bei seinem ÖFB-Debüt gegen Ghana wirkte er stabil, beim Gegentor war er machtlos.

Dass es für Florian Wiegele ein Ticket für die Fußball-WM im Sommer geben wird, damit rechnet auch Marko Stankovic: „Mich würde es sehr wundern, wenn Ralf Rangnick ihn nicht zur Weltmeisterschaft mitnehmen würde.“

Die Ausgangslage bleibt offen. Rangnick und ÖFB-Torwarttrainer Michael Gspurning, der Wiegele ebenfalls als „spannendes Profil“ bezeichnete, stehen vor einer richtungsweisenden Entscheidung.

Zukunft offen

Bei seinem aktuellen Klub Viktoria Pilsen steht Wiegele noch bis Sommer 2027 unter Vertrag, sein Marktwert wird derzeit auf 1,8 Millionen Euro geschätzt (lt. transfermarkt.at) – mit klarer Tendenz nach oben. Dass bereits diesen Sommer ein noch größerer Klub anklopft ist demnach nicht auszuschließen.

Wohin ihn sein Weg führt, ist offen. Fest steht nur: Er wird ihn weiterhin in Rugbyschuhen gehen. Fußballschuhe in seiner Größe (51) gibt es nicht – also greift der Teamspieler laut eigenen Angaben kurzerhand zu der Alternative.

„Schönes Gefühl“: Keeper Wiegele über sein Debüt im ÖFB-Tor

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Bilder: Imago/SV Lebring