Austria-Trainer Gerald Baumgartner: “Ich habe mir nicht gedacht, dass wir so schwer auf Kurs kommen“

via Sky Sport Austria

Wien, 15. September 2014. Zu Gast bei „Talk und Tore“ am Sonntag, 14. September 2014 waren Austria-Trainer , Ried-Manager  und Rot-Weiß Erfurt Coach . Hier einige Aussagen des von  moderierten Live-Talks.

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…über die Wichtigkeit des ersten Saisonsieges: „Wir haben jetzt wieder das Gefühl des Siegens, das soll uns sehr viel Motivation und Selbstvertrauen geben. Wir müssen aber weiter arbeiten und wissen, dass es auch in den nächsten Wochen sehr schwierig sein wird.“

…steht zu seiner Art, Dinge direkt und kritisch anzusprechen: „Ich weiß nicht, was man so hört, aber es müssen sich österreichische Fußballer auch mit den Fakten auseinander setzen können. Man kann nicht immer alles schönreden, wenn es nichts zum Schönreden gibt. Aber ich bin auch der Erste, der die Jungs an die Brust drückt und versucht, ihnen Selbstvertrauen zu geben. Ich bin auch der Erste, der nach einer Aussprache das abhakt, weitergeht und nicht ewig und drei Tage herumjammert.“

…hat sich einen leichteren Einstand bei der Austria erhofft: „Ich habe mir nicht gedacht, dass wir so schwer auf Kurs kommen. Wir haben einen neuen Trainer, wir haben neue Spieler zu integrieren. Ich glaube, dass einige Spieler noch im Kopf hatten, wie gut sie im Meisterjahr waren oder in der Champions League. Aber im Sport ist es brutal. Du musst nach einem Erfolg schon am nächsten Tag wieder versuchen das nächste Spiel in Planung zu haben.“

…möchte das “Rucksack-Thema“ und mangelnde Fitness der Spieler intern behandelt wissen: „Du willst natürlich niemandem ans Bein pinkeln, das ist nicht meine Absicht. Das war natürlich ein Fressen für die Presse, ist lang herumgegangen. Aber im Endeffekt war es so, dass ich eine Mannschaft übernommen habe, die neu zusammengestellt wird, wo ein neuer Trainer ein neues System implizieren will und da gibt es dann schon von Anfang an ein gewisses Aufholpotential.“

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…über das nichtgegebene Rieder Tor: „Er muss es einfach sehen. Das ist sein Job. Er ist der Assistent. Er muss mit dabei sein und er muss diese Aktion einfach sehen. Fakt ist, sie werden geschult und ich glaube, es war nicht so schwer zu erkennen.“

…über den Ellbogencheck von Sikov an Walch: „Clemes Walch war vorbei. Damit ist das Torraub, rote Karte. Dass es hier mehr war als eine Berührung, sieht man eindeutig. Er wurde nach dem Spiel sofort ins Krankenhaus gebracht und genäht.“

…kritisiert die häufig mangelnde Einstellung österreichischer Fußballprofis: „Die Mannschaft ist in Ordnung. Sie arbeitet wirklich perfekt unter der Woche. Aber eines ist auch klar, die Professionalität, die muss auch verinnerlicht sein. Du bist acht, zehn, zwölf Jahre Fußballprofi und das bist du sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Und daran hapert es, dass man sich damit beschäftigen muss. Früher sind Spieler rauchend beim Bus gestanden, sowas gibt es heute gar nicht mehr. Aber mit seinem Beruf muss man sich den ganzen Tag beschäftigen. Der Trainer gibt der Mannschaft so viele Informationen über den nächsten Gegner mit und da kommt bei den Österreichern immer ein bisschen der Schlendrian rein. Dass man das lockerer sieht, am Platz bringe ich eh die Leistungen, also kann ich mich am Nachmittag ins Schwimmbad legen.“

…sieht seine Rieder Mannschaft am Beginn eines neuen Entwicklungsprozesses: „Wir brauchen uns nur ansehen, wer bei der Austria aller gespielt hat und ich sehe eine halbe Rieder Mannschaft und das hat ja auch einen Grund. Der Erfolg der letzten Jahre ist mit meiner Menge an Spielern passiert, die jetzt nicht mehr hier sind. Und warum sind sie nicht mehr hier? Wir kommen einfach nicht mit, wir sind ein wirtschaftlich klein aufgestellter Verein. Wir machen keine Schulden. Wir geben den Spielern die Möglichkeit, sich bei uns zu entwickeln und das gelingt uns fast immer. Und dann kommt der Zeitpunkt, wo der Spieler zu einem größeren Verein gehen will, in Österreich oder im Ausland und dann sind sie weg. Da verlieren wir über die Jahre hinweg unheimlich an Qualität und diese müssen wir immer wieder ersetzen.“

…lässt Kritik an Trainer Glasner und der Entwicklung eines neuen Spielsystems nicht zu: „Wir haben eine Supermoral in der Mannschaft, das hat man gestern wieder gesehen, wie wir eine Aufholjagd begonnen haben. Das hat man in Altach gesehen, das war in Grödig so. Also das funktioniert. Was ich sicher nicht zulassen werde, ist, dass hier irgendwer von außen versucht einzugreifen und etwas massiv in Frage zu stellen, weil wenn es diese Lösung geben würde, dass man mit Thors Hammer irgendwas erledigen kann, dann wäre es schon passiert.“

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…über den Überraschungserfolg des WAC im Spitzenspiel gegen RB Salzburg: „Man sieht von der Psyche her, wie der WAC in den letzten Wochen zugelegt hat und genauso hat Salzburg abgebaut. Das war auch typisch während des Spiels zu sehen. Bei Salzburg hatte man phasenweise nicht das Gefühl, dass sie noch daran glauben das Spiel zu drehen. Und beim WAC hatte man das Gefühl, sie wissen genau was sie tun müssen, um dieses Spiel zu gewinnen. Eine Mannschaft, die voll Selbstvertrauen steckt gegen eine andere Mannschaft, die in den letzten Spielen immer mehr zu zweifeln beginnt.“

…über die Ziele mit Rot-Weiß Erfurt: „Wir haben für uns das Ziel ausgegeben, dass wir in den nächsten zwei, drei Jahren in der Liga ganz vorne sein wollen, um die Aufstiegsplätze mitspielen können. Dazu bedarf es einer Mannschaft, die in ihrem Auftreten dominant ist. Das heißt, dass wir in der Lage sind, hohen Ballbesitz zu haben und Offensivakzente setzen zu können.“