Best of Talk und Tore 336 mit Andreas Müller und Franz Wohlfahrt

via Sky Sport Austria

Gestern waren bei ‘Talk und Tore – Die tipico Fußballdebatte” die Sportdirektoren von Rapid und Austria Wien, Andreas Müller und Franz Wohlfahrt zu Gast. Die beiden Journalisten Alexander Huber (Kurier) und Clemens Zavarsky (Kronen Zeitung) komplettierten die von Thomas Trukesitz moderierte Talkrunde.

Andreas Müller…

…über das Traumtor von Jelic gegen den WAC: “Tore sind für einen Stürmer immer sehr, sehr wichtig. Aber für mich und das Trainerteam ist es wichtig, dass er im Spiel präsent ist, dass er richtig drin ist. Damit man weiß, wie seine Laufwege sind, damit man ihn richtig einsetzen kann. Das ist viel wichtiger. Er hat die Qualitäten im Abschluss, aber er muss sich in unser Spiel noch besser einfügen. Da haben wir daran gearbeitet und dann werden die Tore von alleine kommen. Er fühlt sich immer besser. Dass da jetzt so ein Tor dabei rauskommt, das ist super für ihn. Wichtig ist für uns, dass er präsent ist und das spüren wir seit der Vorbereitung, dass es besser und besser wird.”

…über die Schwierigkeit, Spieler längerfristig in Österreich zu halten: “Es gibt in Österreich nicht mehr sehr viele Spieler, von denen man sagt, die sind für Rapid genau das richtige. Der Markt wird immer enger. Auch im internationalen Fußball schauen die großen Ligen sehr genau und gezielt nach Österreich. Natürlich auch aufgrund der Nationalmannschaft, die eine tolle Qualifikation gespielt hat. Wenn die Jungs klasse spielen, so wie bei uns im europäischen Bewerb, dann stechen ein paar Spieler raus. Da ist es normal, dass die Jungs auf dem Zettel von Klubs aus den stärken Ligen sind. Florian Kainz ist nun eineinhalb Jahre bei uns und hat eine sensationelle Entwicklung gemacht. Er ist auch ins Nationalteam gekommen und hat die Chance, zur EM mitzufahren. Bei diesen internationalen Auftritten ist es klar, dass dann die Klubs kommen. Es ist schwierig, diese Spieler zu halten. Das muss man ganz klar sagen. Für uns ist nur wichtig, dass wir dann in jeder Situation agieren können. Wir haben die Spieler längerfristig unter Vertrag. Deshalb ist es auch möglich, dann am Verhandlungstisch das beste wirtschaftliche Ergebnis für Rapid herauszuholen.”

…über Trainer Barisic und den angeblichen Flirtversuch von Red Bull Salzburg: „Er weiß ganz genau, sein Weg bei Rapid ist noch lange nicht zu Ende. Er hat genauso wie viele im Verein einen Traum, er möchte mit Rapid Meister werden. Ich denke, dass wir in den letzten zwei, drei Jahren eine gute Basis geschaffen haben. Der Weg ist noch nicht zu Ende und das hat er auch in all den Gesprächen betont, als wir mit ihm über seinen Vertrag gesprochen haben. Er fühlt sich sehr wohl und wir sind sehr glücklich, dass er bei uns ist und dass er die Überzeugung hat, dass mit dem Team noch großartiges möglich ist.”

Franz Wohlfahrt…

…hätte Thorsten Fink um kein Geld der Welt an Hannover 96 abgegeben: “Nein, das geht nicht. Das wollte ich natürlich nicht. Es ist korrekt, es gab Gespräche mit dem Verein. Es ist eine große Auszeichnung, dass unser Trainer auch in der deutschen Bundesliga gefragt ist. Aber in diesem Fall war es unmöglich.”

…über veränderte Ziele und den Titelkampf in der Bundesliga: “Tatsache ist, dass Red Bull Salzburg Favorit ist. Auch das gestrige Spiel (gegen Grödig, Anm.) hat bewiesen, dass wir Phasen drin haben, in denen ich erkenne und Gott sei Dank auch die Mannschaft erkennt, dass noch sehr viel zu tun ist, um einmal das erklärte Ziel, den internationalen Platz, zu erreichen. Wir haben jeden Tag sehr viel zu arbeiten. Was mich freut, ist, dass die Spieler das aber auch erkennen. Wir bringen ihnen die Analysen und sie sehen und erkennen das. Wenn wir soweit sind, in der täglichen Arbeit diese Sachen zu verbessern, dann kann man irgendwann darüber reden, dass man einmal ganz vorne steht. Aber im Moment haben wir keinen Grund dazu.”

…über sein erstes Jahr als Sportdirektor der Austria: “Von außen waren wir ein gefundenes Opfer. Wenn der Druck von innen auch so gewesen wäre, dann hätten wir diesen Turnaround nicht geschafft. Ich bin sehr dankbar, dass das Präsidium und die Verantwortlichen im Verein so hinter den Ideen gestanden sind, die wir gehabt haben, weil wir das sonst nicht geschafft hätten. Nur aus diesem Grund sind wir einen Schritt weiter gekommen. Der Druck von außen war auch zu erwarten. Man hat nicht immer nur Freunde im Leben. Ich wollte mir dann auch die Zeit nehmen und mir selbst beweisen, dass wenn man arbeitet und dahinter ist, dann werden die Zufälle weniger und dann kommt der Erfolg.”

Alexander Huber…

…sieht die Austria im Titelkampf: “Zu Saisonbeginn war für mich Salzburg der klare Favorit und Rapid der einzige reale Herausforderer. Salzburg bleibt der Favorit. Sie müssten schon sehr viel falsch machen, um nicht nicht Meister zu werden. Aber was sich eindeutig verändert hat, ist, dass die Austria ganz klar ein Titelkandidat ist, weil es Thorsten Fink in schneller Zeit geschafft hat, eine richtige Mannschaft zu formen. Ich habe in Side Grödig gegen St. Gallen gesehen und sie haben gegen den Fünften der Schweizer Liga mit 3:0 gewonnen. Man kann sagen, es war nur ein Vorbereitungsspiel. Man hat aber auch gestern gesehen, dass sie der Austria alles abverlangt haben. Und wenn man in Grödig in diesem speziellen Stadion diese Spiele gewinnt, dann kann man vielleicht sagen, es war Glück dabei, aber ich denke, dass es ein Qualitätsmerkmal dieser Mannschaft ist. Sie gewinnen häufig Spiele über Standards oder eine Aktion von Larry Kayode und deswegen ist die Austria mittlerweile ein Titelkandidat.”

Clemens Zavarsky…

…bewertet das vergangene Jahr von Wohlfahrt als Sportdirektor: “Nach einem Jahr positiv, aber man muss auch zugeben, dass der Beginn der Ära Franz Wohlfahrt schwierig war – wobei das vielleicht das falsche Wort ist. Man hat nicht damit gerechnet. Es hat diese Taskforce gegeben, in der ein Watzke von Dortmund (Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Anm.) gesessen ist. Es wurden internationale Namen kolportiert, die alle wahrscheinlich ohnehin nicht gestimmt haben. Auf einmal ist es Franz Wohlfahrt, den man in den letzten Jahren nur als Tormanntrainer der Nationalmannschaft gekannt hat. Da war ich etwas sprachlos. Nach einem Jahr sind die Kritiker sicher leiser geworden, auch durch die Verpflichtung von Thorsten Fink. Wie die Austria auf Schiene gebracht wurde, ist ein Verdienst von Wohlfahrt. Man kann sagen, vor einem Jahr sind wir vielleicht falsch gelegen.”