Brady vs. Mahomes! Das Generationenduell für die Ewigkeit

via Sky Sport Austria

Wenn die Tampa Bay Buccaneers am 7. Februar im Super Bowl 55 auf die Kansas City Chiefs treffen, sind die Augen der Weltöffentlichkeit vor allem auf die beiden Quarterbacks gerichtet. Das Duell zwischen Tom Brady und Patrick Mahomes verspricht Spektakel ohne Ende.

Die gesamten USA und auch große Teile der Erde fiebern einem Duell zweier Spielmacher entgegen, dass es so noch nie gab. Der beste Quarterback der NFL-Geschichte trifft auf den besten Quarterback der Gegenwart. Bei einem überschlagen sich viele Experten regelmäßig mit Superlativen und reiben sich oft die Augen, wenn er mal wieder einen schier unmöglichen Wurf noch zum Mitspieler bringt.

Brady schon mit sechs Super-Bowl-Siegen

Und der andere ist der dreimalige MVP Tom Brady, der bereits sechs Mal die Vince Lombardi Trophy nach dem Gewinn eines Super Bowls in den Nachthimmel recken durfte. Kein anderer Spieler hat mehr. Bereits zum zehnten Mal (!) ist Brady beim größten Sportereignis der Welt dabei. Ebenfalls Rekord.

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Und es muss nicht seine letzte Teilnahme sein, denn der 43-Jährige ließ in der abgelaufenen Saison sämtliche Kritiker verstummen, die den Routinier bereits in den Ruhestand geschrieben hatten. Tatsächlich waren Bradys Leistungen in seiner letzten Spielzeit bei den New England Patriots, die den Sunny Boy aus Kalifornien im Jahr 2000 an 199. Stelle in der sechsten Runde des Drafts zogen, bestenfalls durchwachsen.

Doch das lag offenbar weniger an Brady selbst, sondern mehr an den fehlenden Offensivwaffen in Foxborough. Doch statt Rücktritt entschloss sich Brady mit New England nicht nur die einzige Franchise zu verlassen, für die er je in der NFL spielte. Er wendete sich auch vom einzigen Cheftrainer seiner NFL-Karriere, Bill Belichick, ab, um sein Glück in Florida zu versuchen.

Viele Offensiv-Waffen in Tampa

Die Legende, die es schon seit dem ersten Tag an allen zeigen wollte, weil er im Draft so spät gepickt wurde und insgesamt sechs Quarterbacks vor ihm gezogen wurden, sah in Tampa den perfekten Ort für einen weiteren Anlauf auf die begehrte Trophäe.

Die Bucs hatten eine grundsolide Defense und mit Mike Evans und Chris Godwin zwei starke Wide Receiver. Zudem kehrte mit Tight End Rob Gronkowski ein alter Bekannter aus dem Ruhestand zurück und auch Enfant terrible Antonio Brown heuerte nach dem Ende seiner Suspendierung in Tampa Bay an.

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Mit derart vielen und guten Passempfängern an seiner Seite blühte Brady wieder richtig auf, warf für 4633 Yards Raumgewinn, 40 Touchdowns und nur zwölf Interceptions. Die Bucs erreichten dank dieser Werte nicht nur zum ersten Mal seit 2007 wieder die Playoffs, sondern stehen sogar erstmals seit ihrem einzigen Super-Bowl-Triumph 2002 wieder im Endspiel. Es ist das erste Mal überhaupt , dass eine Mannschaft im eigenen Stadion im Super Bowl steht.

Rivale Manning schwärmt

Eine Leistung, die nicht nur, aber zu großen Teilen, Brady zugeschrieben wird. Seinem langjährigen Dauerrivalen Peyton Manning verlangt dies den allergrößten Respekt ab. Der zweifache Champion lobte Brady als den „ultimativen Profi“, der es verdient habe.

Ob es aber auch zum Titel reicht, ist völlig offen, denn auf der anderen Seite steht mit Patrick Mahomes ein Quarterback, den die Welt so auch noch nicht gesehen hat. Der 25-Jährige wurde 2017 an zehnter Stelle in der ersten Runde von Kansas City gedraftet, saß aber abgesehen vom bedeutungslosen letzten Vorrundenspiel seiner ersten Spielzeit ausschließlich auf der Bank. Headcoach Andy Reid setzte auf den verlässlichen ehemaligen Nummer-Eins-Pick Alex Smith und wollte, dass Mahomes von dem Routinier lernt.

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Doch dann wurde Smith nach Washington getradet und Mahomes durfte ran – und wie. 2018 warf er sofort 50 Touchdownpässe und war damit erst der dritte Akteur, der diese Schallmauer durchbrach. Zuvor gelang dies nur Manning (2013: 55 Touchdowns) und – wie sollte es anders sein – Brady. Sein Gegner im Super Bowl brachte 2007 ebenfalls 50 Pässe in der gegnerischen Endzone an den Mann.

Mahomes durchbricht Schallmauer

Mahomes heimste damit die Auszeichnung als wertvollster Spieler im Jahr 2018 ein. In den Super Bowl schaffte er es damals aber nicht, denn trotz einer furiosen Aufholjagd im AFC Championship Game verloren die Chiefs nach Verlängerung gegen Brady und seine Patriots mit 31:37. Es ist bis heute Mahomes‘ einzige Niederlage in den Playoffs, denn vergangene Spielzeit holte Kansas City dank Mahomes seinen ersten Titel seit 50 Jahren und auch in diesem Jahr ist der Titelverteidiger beim letzten Spiel der Saison noch dabei.

Mahomes kann sich dabei vor allem auf Wide Receiver Tyreek Hill, den vielleicht schnellsten Spieler der Liga, und Tight End Travis Kelce verlassen. Den Einzug in den Super Bowl gegen Buffalo machte das Trio fast im Alleingang klar: Mahomes warf für 325 Yards. 172 davon gingen auf das Konto von Hill, während Kelce zwei Touchdowns und 118 Yards produzierte. In der Regular Season kam Mahomes in nur 15 Spielen auf 4740 Yards, 38 Touchdowns und nur sechs Interceptions.

In den Playoffs kamen vier weitere Touchdowns und 580 Yards hinzu. Eine Interception warf der Superstar in den beiden Partien nicht. Das hat er Brady voraus, der beim Spiel in Green Bay ungewohnte Schwächen zeigte und in der zweiten Halbzeit drei Bälle zum Gegner warf, den Sieg aber doch noch über die Zeit brachte.

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Fünftes Duell zwischen Mahomes und Brady

Nun will er im fünften Duell mit Mahomes den dritten Sieg. Brady gewann die ersten zwei Aufeinandertreffen, danach behielt Mahomes zuletzt zweimal die Oberhand – unter anderem in einem Spiel der laufenden Saison. Ende November siegten die Chiefs mit 27:24 in Tampa Bay, obwohl Brady seinerzeit nach Horrorstart beinahe noch ein XXL-Comeback geglückt wäre.

Vielleicht macht es der Signal-Caller beim Wiedersehen an gleicher Stelle besser, doch Mahomes hat andere Pläne: Er will mit den Chiefs als erstes Team seit 2004 den Titel verteidigen. Damals gelang es natürlich Brady und den Patriots im Finale gegen Philadelphia. Headcoach der Eagles damals war übrigens Reid, der nun mit einem zweiten Triumph auch seinen eigenen Ruf als einer der besten Coaches überhaupt zementieren will.

Der Cheftrainer wird aber nicht im Mittelpunkt des Spiels stehen. Dieser Platz ist den beiden Quarterbacks vorbehalten. Es ist schließlich ein Duell, dass es so noch nie gab…

Bild: DPA