SANKT POELTEN,AUSTRIA,03.JUN.18 - SOCCER - tipico Bundesliga, relegation, SKN Sankt Poelten vs SC Wiener Neustadt. Image shows Stefan Hager (Wr.Neustadt) and David Atanga (St.Poelten). Photo: GEPA pictures/ Walter Luger

SC Wiener Neustadt äußert sich im Aufstiegsstreit

via Sky Sport Austria

Nachdem der SC Wiener Neustadt in der Relegation am Bundesligisten SKN St. Pölten gescheitert ist, haben die Niederösterreicher Protest beim Senat 1 der österreichischen Bundesliga eingelegt. Der Grund: David Atanga, der Torschütze im Rückspiel für den SKN St. Pölten war in der vergangenen Saison für drei Vereine aktiv.

Die Bundesliga hat bis dato bei sogenannten Kooperationsspielern eine Ausnahme gemacht was dieses Regulativ betrifft, auch wenn man darauf hingewiesen hat, dass es sich um eine rechtliche Grauzone handelt. Auch der SC Wiener Neustadt hat in der abgelaufenen Saison einen Spieler eingesetzt, der vom Regulativ betroffen ist. Alex Sobczyk ist im Herbst 2017 bereits für den SK Rapid Wien und den SKN St. Pölten aufgelaufen, die Neustädter waren also der dritte Verein. In den ersten Spielen des Frühjahrs 2018 war Sobczyk noch zum Einsatz gekommen, ab April 2018 wurde aber “wegen dieses Risikos auf den Einsatz von Alex Sobczyk verzichtet”.

Der SC Wiener Neustadt selbst hat sich seit einlegen des Protests nicht zur Causa geäußert, bis jetzt. In einer Aussendung bezogen die Niederösterreicher am Samstag Stellung. Man habe diese Schritte gesetzt, “weil es schlichtweg die (nicht nur moralische, sondern vor allem auch die gesetzliche) Verpflichtung der Klubverantwortlichen ist, alles zu unternehmen, um das bestmögliche Ergebnis für den Klub zu erzielen.”

Die Aussendung im Wortlaut

Gleich vorweg unsere wichtigsten Botschaften – ganz egal, wie der Instanzenzug in der Causa “Beglaubigung Relegationsrückspiel” ausgeht:

  • Den SC Wiener Neustadt wird es weiterhin geben!
  • Beim SC Wiener Neustadt wird in Wiener Neustadt weiterhin Fußball gespielt werden!
  • Für alle Bewerbe, für die wir aufgrund der Regulative zugelassen bzw. spielberechtigt sind, werden wir in der Saison 2018/2019 eine Mannschaft stellen!

Nun aber ein wenig zurück in der Historie:

Die letzten Tage seit dem 25.05.2018 waren sehr herausfordernd und spannend für uns.

Am Freitag, den 25.05.2018 konnten wir uns im letzten Spiel der Meisterschaft auswärts beim FC Liefering den 3. Tabellenplatz sichern. Ein Tabellenplatz, den uns zu Saisonbeginn niemand wirklich zugetraut hat.
Richtig freuen konnten wir uns aber nur bedingt, weil nicht klar war, was dieser 3. Platz genau bedeutet.

  • Fixaufstieg?
  • Oder doch Relegation gegen den SKN St. Pölten am 31.05. / 03.06.2018?

Eigentlich schade, dass wir nach unserem letzten Meisterschaftsspiel in Grödig in ein gefühlt nicht enden wollendes Wochenende gehen mussten – aber wir, also die Klubs der Bundesliga, haben diesen zeitlichen Rahmenterminplan sowie auch den Zeitplan des Lizenzierungsverfahrens mit all seinen Konsequenzen ja selbst beschlossen.

Aber am Montag, den 28.05.2018, sollten wir endlich mehr wissen. Denn ab dem späten Vormittag war das Ständig Neutrale Schiedsgericht zu Gange, um in der Causa „Lizenz TSV Hartberg“ eine finale Entscheidung in 3. Instanz zu treffen. Es gab von vielen Seiten heftigste Kritik, ob diese Entscheidung nicht schon früher oder zumindest bis zum Meisterschaftsende am 25.05. getroffen hätte werden können. Dies war aber nicht möglich bzw. war der 28.05. ohnehin schon ein „früher“ Verhandlungstermin, denn jeder Klub soll das Recht haben, die definierten Rechtsmittel in Anspruch zu nehmen. Klar, verständlich, würde ja jeder Klub wollen, dass man ihm bei Vorliegen von relevanten Gründen den definierten Instanzenzug mit den vorgesehenen Fristen zubilligt!
Leider wussten wir aber auch am frühen Abend des 28.05. noch nichts Genaueres, denn die Verhandlung wurde auf den 29.05. ab 18 Uhr vertagt. Also ging das Warten weiter…

Am Dienstag, den 29.05.2018, gab es dann endlich kurz nach 20 Uhr Gewissheit. Der Instanzenzug des TSV Hartberg war absolut berechtigt, die Lizenz wurde dem TSV Hartberg vom Ständig Neutralen Schiedsgericht erteilt.

Der Rest ist schon fast Geschichte – aus unserer Sicht hatten wir binnen 46 Stunden das Relegationshinspiel zu organisieren. Angefangen von Spielanlage und dem Ticketverkauf (natürlich hätten wir die Tickets schon ab dem 25.05. ca. 20:24 Uhr verkaufen können – haben wir aber nicht, weil wir uns eine Rückabwicklung im Falle des Nicht-Stattfindens ersparen wollten…) über Security, Sanität, Polizei, Catering und vieles mehr. Gut – herausfordernde Situationen erfordern kreativen und schnellen Einsatz und darin sind wird ganz gut.

Nach dem Relegationsrückspiel (Endstand 1:1) wurde uns im Zuge der routinemäßigen Kontrolle des Spielberichts bewusst, dass David Atanga, der im Rückspiel das eventuell entscheidende 1:0 für den SKN St. Pölten geschossen hat, möglicherweise gar nicht spielberechtigt gewesen ist.
Wir erinnerten uns an Ende Jänner 2018, und zwar sehr konkret an Telefonate mit der Bundesliga und an ein Mail, das wir in der Sache Alex Sobczyk von der Bundesliga erhalten haben.

Kurze Vorgeschichte dazu:
Wir wussten, dass Alex Sobczyk im Herbst 2017 bereits für den SK Rapid Wien und den SKN St. Pölten gespielt hatte und wir somit im Frühjahr 2018 der 3. Klub wären, für den Sobczyk zum Einsatz käme. Auch wenn das ÖFB-Regulativ über Kooperationsverträge definiert, dass es im Falle eines Kooperationsspielers zu keinem Übertritt dieses Spielers kommt, war für uns die Frage über den (tatsächlichen) Einsatz nicht klar. Darum haben wir proaktiv die Bundesliga kontaktiert und eben ein Mail erhalten, in dem im ersten Satz die Erteilung der Spielberechtigung kommuniziert, in den zwei folgenden längeren Absätzen aber sehr klar auf das bestehende FIFA- und ÖFB-Regulativ (3/2-Regelung) und auch auf die möglichen rechtlichen Konsequenzen verwiesen wurde. Uns war in der gesamten Frühjahrssaison das Risiko eines Einsatzes von Alex Sobczyk für den SC Wiener Neustadt bekannt und wir haben dieses Risiko in den ersten Spielen des Frühjahrs 2018 auch bewusst auf uns genommen bzw. ab April 2018 wegen dieses Risikos auf den Einsatz von Alex Sobczyk verzichtet
Genau dieser erwähnte sehr ausführlich formulierte Hinweis im Mail der Bundesliga veranlasste uns dazu, nach dem Relegationsrückspiel mit unseren Rechtsvertretern mögliche Schritte zu überlegen und in weiterer Folge den Senat 1 in dieser Angelegenheit zu bemühen.

Seit Übermittlung unseres Antrags an den Senat 1 am Abend des 04.06. haben wir uns bewusst bis dato kaum bis gar nicht öffentlich zu dieser Causa geäußert. Dies deshalb, weil es an der Sache selbst nichts geändert hätte und die mediale Kommunikation und Diskussion dieses Themas ohnehin sofort in unterschiedlichster Qualität und aus verschiedenen Bereichen ihren Lauf nahm.

Wir haben von vielen Seiten – einmal lauter, einmal leiser – Verständnis, Zuspruch und Unterstützung erhalten.
Andere Meinungen und Kritik über unseren Schritt haben wir zur Kenntnis genommen.
Zu aus unserer Sicht nicht korrekten Berichten haben wir auf Gegendarstellungen verzichtet, weil dies die ohnehin schon sehr pulsierende Medienberichterstattung nur noch weiter angeheizt hätte.
Auch beleidigende, beschimpfende Äußerungen bis hin zu persönlichen Angriffen haben wir ohne weitere Bewertungen angenommen.

Warum haben wir den Antrag an den Senat 1 gestellt?

  • Weil die Rechtslage aus unserer Sicht vor allem auf Basis eines Mails der Bundesliga zu genau diesem Thema nicht klar ist – das haben uns auch Juristen bestätigt.
  • Weil es schlichtweg die (nicht nur moralische, sondern vor allem auch die gesetzliche) Verpflichtung der Klubverantwortlichen ist, alles zu unternehmen, um das bestmögliche Ergebnis für den Klub zu erzielen.

Und immer wieder stellten und stellen wir uns die Frage: 

  • Warum weist uns die Bundesliga schriftlich darauf hin, dass es zu einem Einspruch gegen die Beglaubigung eines Spiels und letztendlich zu einer Entscheidung der unabhängigen Gremien über den berechtigten/unberechtigten Einsatz des Spielers und somit zu einer Strafverifizierung kommen kann?
  • Warum informiert die Bundesliga sehr ausführlich über mögliche Konsequenzen?
  • Warum, wenn doch alles so eindeutig ist?

Was uns ebenfalls noch ganz wichtig ist: Unser Vorgehen ist unabhängig vom zweiten betroffenen Verein (in diesem Fall der SKN St. Pölten) zu sehen. Ganz im Gegenteil, wir schätzen den SKN St. Pölten und all seine Verantwortlichen im Vorstand und in der operativen Führung sehr! Wir hätten die gleichen Gedanken und Überlegungen angestellt und die gleiche Vorgehensweise gewählt, wenn der Relegationsgegner zB WAC geheißen hätte.

Ach ja, wir haben uns auch gefragt:

  • Was ist fair bzw. unfair oder moralisch korrekt bzw. moralisch verwerflich?
  • Wer kann das wirklich beurteilen?
  • Aufgrund welcher rechtlichen Legitimation könnte diese Beurteilung erfolgen?

Alles Worte und Bewertungen/Beurteilungen, die in den letzten Tagen immer wieder verwendet wurden und deren Bedeutung für viele sonnenklar zu sein scheint.
Wir haben darauf keine passenden Antworten gefunden, weil diese Beurteilung unserer Ansicht nach letztendlich immer im Auge des jeweiligen Betrachters in Kombination mit der entsprechenden Situation liegen wird.

Wie schon eingangs erwähnt – wir stehen zu unserem Klub, wir stehen hinter unserem Klub und wir werden weiterhin alles in unserer Macht stehende unternehmen,  um für unseren SC Wiener Neustadt auch zukünftig das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dabei freuen wir uns auf jede Form der Unterstützung!

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Beitragsbild: GEPA