Bundesliga-Strafsenat verkündet Urteil nach Derby-Ausschreitungen
Die Ausschreitungen im 343. Wiener Derby am 22. September im Allianz Stadion haben für Rapid und die Austria hohe Geldstrafen zur Folge.
Wie der Senat 1 der Bundesliga am Montag mitteilte, müssen beide Klubs die für diese Delikte höchstmögliche Pönale von je 150.000 Euro bezahlen. Geisterspiele blieben den zwei Rivalen erspart, dafür gibt es jeweils eine Heimfansektorsperre für drei Spiele, bedingt auf zwei Jahre.
Bedingte Heimfansektorsperre für beide Vereine
Sollte es in diesen zwei Jahren ein neuerliches Fehlverhalten der Fans geben, wird beim betroffenen Klub der Heimsektor für drei Heimspiele gesperrt – allerdings ausschließlich bei Spielen gegen Rapid, Austria, Salzburg, Sturm Graz oder LASK. Im Falle einer Heimfansektorsperre werden aus Sicherheitsgründen auch gegenüberliegende Sektoren gesperrt. Der Gästesektor darf in diesem Fall nicht für Heimfans benutzt werden und der Heimverein muss dafür Sorge tragen, dass die Bildung eines alternativen Fansektors auch in den übrigen Teilen des Stadions unterbunden wird, hieß es in der Liga-Aussendung.
VIDEO: Ausschreitungen überschatten das 343. Wiener Derby
Beide Vereine hatten sich schon zuvor darauf verständigt, dass die kommenden vier Derbys ohne Auswärtsfans über die Bühne gehen werden. Von schärferen Sanktionen wie etwa Geisterspielen wurde abgesehen. Auch ein Punkteabzug in der Saison 2025/26 für Rapid wäre theoretisch möglich gewesen, kam aber nicht.
Die Hütteldorfer reagierten umgehend auf das Urteil. Man nehme den Beschluss des Senats 1 „selbstverständlich zur Kenntnis. Da es rund um dieses Derby unstrittig zu Verfehlungen kam, die auch der SK Rapid auf das Schärfste verurteilt, wird kein Protest angemeldet“, schrieb Rapid. Von der Austria gab es zunächst keine Stellungnahme.
Austria: Erste Übeltäter ausgeforscht
Ein wenig später reagierte auch die Wiener Austria mit einer Aussendung: Auch die „Veilchen“ werden auf einen Protest gegen das Urteil verzichten. Zudem gibt man bekannt, dass bereits erste an den Ausschreitungen beteiligte Personen identifiziert werden konnten und in den kommenden Tagen die entsprechenden angekündigten Schritte getätigt werden.
Das Statement von Austria-Präsident Kurt Gollowitzer im Wortlaut: „Austria Wien distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Form und Verherrlichung von Gewalt. Jeder Verstoß dagegen wird von uns konsequent geahndet. Sowohl bestmögliche Prävention als auch unmissverständliche Härte gegenüber den Verursachern wird unser Beitrag für ein sicheres Stadionerlebnis sein. Austria Wien steht für eine gewaltfreie, offene Gesellschaft sowie für faire, respektvolle und sportliche Fußballduelle.“
In der Urteilsbegründung des Senats 1 war unter anderem zu lesen: „Aufgrund der Schwere der Vorfälle war in Sachen Geldbuße die Höchststrafe zu verhängen. Die Bemühungen beider Klubs mit dem freiwilligen Verzicht auf Gästefans bei den kommenden vier Derbys sowie dem Ansatz, gemeinsam neue Rahmenbedingungen und einen neuen Umgang zu erarbeiten, wurden jedoch als mildernde Umstände berücksichtigt. Diese Vorgehensweise begrüßt der Senat 1 im konkreten Fall und daher erschien diese Sanktion in Verbindung mit der Erarbeitung sicherer Rahmenbedingungen bei den zukünftigen Wiener Derbys durch die beiden betroffenen Vereine als zweckmäßig.“
Rapid- und Austria-Fans hatten einander beim Derby mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen, nach Schlusspfiff kam es auch auf dem Spielfeld zu Gewalteskalationen. Laut Polizeiangaben wurden 27 Personen verletzt, darunter zehn Beamtinnen und Beamte. Es gab mehr als 500 Anzeigen, das Gros waren Verwaltungsvergehen nach dem Pyrotechnikgesetz. Mehr als 150 Anzeigen betrafen aber auch das Strafrecht. Es gab eine Festnahme wegen schwerer Körperverletzung.
Die Beschlüsse des Senat 1 im Wortlaut
SK Rapid: Heimfansektorsperre für drei Spiele (bedingt auf 24 Monate nachgesehen) sowie 150.000 Euro Geldstrafe wegen Verletzung der Sicherheit, missbräuchlicher Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen und diskriminierender Sprechchöre.
FK Austria Wien: Heimfansektorsperre für drei Spiele (bedingt auf 24 Monate nachgesehen) sowie 150.000 Euro Geldstrafe wegen Verletzung der Sicherheit und missbräuchlicher Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen.
Im Falle eines Widerrufs der bedingten Nachsicht wird beim betroffenen Klub der jeweilige Heimsektor für drei Heimspiele gesperrt – dabei werden Spiele gegen folgende Gegner herangezogen: SK Rapid, FK Austria Wien, FC Red Bull Salzburg, SK Puntigamer Sturm Graz oder LASK.
Im Falle einer Heimfansektorsperre werden aus Sicherheitsgründen auch gegenüberliegende Sektoren gesperrt. Der Gästesektor darf in diesem Fall nicht für Heimfans benutzt werden und der Heimverein muss dafür Sorge tragen, dass die Bildung eines alternativen Fansektors auch in den übrigen Teilen des Stadions unterbunden wird.
Urteilsbegründung des Senat 1
„Die Vorfälle beim Wiener Derby haben eine gesundheitliche Gefährdung für viele Zuschauerinnen und Zuschauer dargestellt und die dabei entstandenen Bilder das Image beider Klubs, der Bundesliga und des österreichischen Fußballs insgesamt massiv beschädigt. Das Wiener Derby sollte ein Aushängeschild für den heimischen Fußball und ein positives Erlebnis insbesondere für junge Fans sein. Dies war leider zum wiederholten Male nicht der Fall. Aufgrund der Schwere der Vorfälle war in Sachen Geldbuße die Höchststrafe zu verhängen. Die Bemühungen beider Klubs mit dem freiwilligen Verzicht auf Gästefans bei den kommenden vier Derbys sowie dem Ansatz, gemeinsam neue Rahmenbedingungen und einen neuen Umgang zu erarbeiten, wurden jedoch als mildernde Umstände berücksichtigt. Diese Vorgehensweise begrüßt der Senat 1 im konkreten Fall und daher erschien diese Sanktion in Verbindung mit der Erarbeitung sicherer Rahmenbedingungen bei den zukünftigen Wiener Derbys durch die beiden betroffenen Vereine als zweckmäßig. Sollte es jedoch abermals zu Zwischenfällen kommen, wird zusätzlich eine Sperre des Heimsektors für drei Spiele in Verbindung mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen schlagend.“
(Österreichische Bundesliga / APA.)
Bild: GEPA

