Causa Djokovic – Serbiens Regierungschefin Brnabic: „Skandalös“
Die am Sonntag gefällte Ausreise-Entscheidung durch das australische Bundesgericht rund um den Fall Novak Djokovic ist von Australiens Premierminister Scott Morrison begrüßt worden. „Jetzt ist es an der Zeit, mit den Australian Open weiterzumachen und wieder den Tennis-Sommer zu genießen“, schrieb der Regierungschef auf Facebook. Die Entscheidung sei aus Gründen der „Gesundheit, Sicherheit und der Ordnung“ gefallen, schrieb Morrison. Sie sei „im öffentlichen Interesse“.
Starke Grenzen seien für die australische Lebensweise von grundlegender Bedeutung – genauso wie die Rechtsstaatlichkeit, meinte Morrison weiter. Die Kontroverse wurde für ihn zur politischen Nagelprobe, stehen doch im Mai Wahlen an.
Serbiens Regierungschefin Brnabic: „Skandalös“
Andere Töne schlug Serbiens Ministerpräsidentin Ana Brnabic an: „Ich denke, dass die Gerichtsentscheidung skandalös ist. Ich bin enttäuscht. Ich denke, es zeigt, wie die Rechtsstaatlichkeit in einigen anderen Ländern funktioniert, oder besser nicht funktioniert.“ Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hatte Australien zuletzt hart kritisiert. Er habe auch mit Djokovic gesprochen. „Ich habe ihm gesagt, dass wir es nicht erwarten können, ihn zu sehen. Ich habe gesagt, dass er immer in Serbien willkommen ist.“
Der Australische Tennisverband (TA) wiederum gab nur ein kurzes Statement dazu ab, dass sein wichtigstes Event nun seine Nummer eins verliert. Man respektiere die Entscheidung des Bundesgerichts, wie es am Abend (Ortszeit) in einem Statement hieß. Djokovic bestieg noch am Sonntagabend (Ortszeit) einen Flieger in Richtung Dubai, die Abflugzeit war mit 22.30 Uhr (12.30 Uhr MEZ) angegeben.
Mehr als beim nationalen Verband war in der Stellungnahme der Männer-Tennis-Organisation ATP herauszulesen. Man bedauere die Entscheidung, auch wenn diese zu akzeptieren sei. „Unabhängig davon, wie dieser Punkt erreicht worden ist, ist Novak einer der größten Champions unseres Sports und sein Fehlen bei den Australian Open ist ein Verlust für das Spiel“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten ATP-Mitteilung.
„Wir wissen, wie turbulent die vergangenen Tage für Novak gewesen sind und wie sehr er seinen Titel in Melbourne verteidigen wollte. Wir wünschen ihm alles Gute und freuen uns darauf, ihn bald zurück auf dem Platz zu sehen“, hieß es weiter. Die ATP empfehle allen Spielern vehement, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.
Wilander: „Karriere von Djokovic in Gefahr“
„Überrascht und geschockt“ gab sich Mats Wilander, siebenfacher schwedischer Major-Gewinner und nun für Eurosport tätig. „Ich schätze Novak sehr, aber er hat auch gewusst, dass es diese Möglichkeit gibt. Er kannte die Regeln, dass man geimpft sein muss.“ Die Karriere von Djokovic sei in Gefahr, meinte Wilander weiter. „Er muss nun etwas machen, dass er nicht wirklich will.“ Man müsse jetzt sehen, wieviele Turniere Djokovic spielen dürfe. „Letztlich muss er sich impfen lassen“, sagte Wilander.
Der kanadische Profi Vasek Pospisil sah ganz klar einen politischen Hintergrund für die australische Entscheidung. „Mit den hier anstehenden Wahlen ist das offensichtlich. Das ist nicht Novaks Schuld.“
Djokovic war ungeimpft nach Australien gereist. Bei der Einreise war ihm jedoch das Visum annulliert worden. Nach einem tagelangen Gerichtsstreit hatte das Bundesgericht in Melbourne den Visum-Entzug am Sonntag und damit einen Tag vor Beginn der Australian Open für rechtens erklärt. Djokovic kann damit nicht am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres teilnehmen.
(APA) / Bild: Imago
