Christopher Dibon über seine weitere Karriere: „Für mich ist klar, ich bin entweder bei Rapid oder ich spiele nicht mehr Fußball“
Der Free-to-Air Montag auf Sky Sport Austria: Zu Gast bei „Talk & Tore“ waren Rapid-Verteidiger Christopher Dibon, Austria-Spieler Georg Teigl und Sky Experte Walter Kogler. Zudem kam Real Madrid-Star David Alaba per Zuspieler zu Wort.
Alle Stimmen zu „Talk & Tore“:
Christopher Dibon (SK Rapid Wien):
…über sein Comeback im gestrigen Spiel: „Es war ein ganz besonderer Abend und wunderschön, dass es mit einem Sieg geendet hat. Nach dem Spiel war ich emotional und körperlich leer und heute in der Früh war es ein großes Fragezeichen, wie ich aus dem Bett komme, aber mir geht es gut und ich bin glücklich. Ich habe es genossen, nach dem Spiel heil draußen zu sitzen, nach einem Sieg, wo ich mit dabei war. Ich denke von Tag zu Tag und genieße jeden Tag, wo ich am Platz stehe. Es ist eine Last hinuntergefallen nach dem gestrigen Spiel.“
…über den Stellenwert des gestrigen Sieges gegen WAC: „Einen brutal hohen Stellenwert, speziell für mich. Ich habe fast zwei Jahre an meinem Comeback gearbeitet und mit all unseren Ausfällen habe ich zu den Jungs gesagt, dass das die Mannschaft ausmacht und zeigt, was für ein Charakter in uns steckt, wenn die jungen Spieler reinkommen und die Entscheidung mit ihren Toren machen.“
…über die Ausgangslage ‚mit dem Rücken zur Wand‘ vor dem gestrigen Spiel: „In der Mannschaft war es gar kein Thema, wir haben gesagt: ‚Jetzt erst recht!‘. Wir wussten, es kommen 20.000 Leute ins Stadion und wir wollten bis zur letzten Minute fighten und das hat dann 96 Minuten gedauert. Der WAC ist eine ausgefuchste Mannschaft mit guten Spielern und wir wussten, dass es ein brutal enges Spiel wird. Wie jeder einzelne, der am Platz stand, gefightet hat, war der Sieg verdient.“
…über die jungen Spieler bei SK Rapid Wien: „Ich kenne die Jungs von den letzten Wochen irrsinnig gut und sie waren viele Trainings dabei. Man weiß nie genau, wo die Jungs stehen. Berni (Bernhard Zimmermann, Anm.) weiß zu hundert Prozent, was er kann und hat das Herz am richtigen Fleck. Es kommt nicht von irgendwo her, dass er belohnt wird mit Toren. Das ist harte Arbeit und das macht er Tag für Tag. Und es kommen viele Junge nach. Entscheidend ist, wie gehen sie damit um. Ich kenne viele junge Spieler, die sagen: ‚Okay, ich habe das jetzt geschafft‘ und dann sackt es ab. Es sind die älteren Spieler dafür zuständig, dass der Konkurrenzkampf im Training brutal hoch ist und dann werden sich die jungen Spieler weiterentwickeln. Du kannst es ihnen vorleben und das versuche ich am Platz, das habe ich – seit ich bei Rapid bin – versucht. Gas gegeben habe ich immer bis zum Schluss, das ist mein Spielstil und das verlange ich auch von den Jungs und der Funke springt dann auch über.“
…über seine Rehabilitation: „Die Reha war sehr lang. Vom Reha-Verlauf war das Knie das Schlimmste, weil es so lange dauert, aber ich hatte immer Unterstützung vom gesamten Verein und der medizinischen Abteilung, die mir geholfen haben, wieder die Chance zu bekommen, zu spielen. Ich habe viel trainiert, aber wichtig ist auch der Kopf. 24 Stunden war der Fußball in meinem Kopf. Das einmal hinauszubekommen, wenn das Training vorbei ist, hat mir geholfen.“
…über seine Verletzungen und seine Comebacks: „Das erste Mal, als ich dachte : ‚Warum schon wieder ich?‘, war die Verletzung nach der Corona-Pause in Salzburg, der Kreuzbandriss. Ich wollte es auf die Seite schieben und nicht darüber reden. Es ist Teil meiner Karriere, aber es bin nicht nur ich. Ich bin Vater, Ehemann und ich bin auch Fußballer. Es sind nur Sportverletzungen und es gibt andere Geschichten auf der Welt, die wichtiger sind. Man kann es nicht beeinflussen und ich habe mich lange genug verrückt gemacht mit solchen Dingen. Ich bin sehr dankbar und stolz auf das, was ich bisher am Platz erreichen habe dürfen.“
…über seine momentane Verfassung und seine weitere Karriere: „Bis jetzt hat niemand so richtig gewusst, wo ich stehe. Ich habe gemerkt, ich bin körperlich auf einem Niveau, das passt und ich werde in den nächsten Wochen sehen, wo die Reise hingeht. Ich bin da sehr gelassen, aber mein Herz sagt, ich soll weiter Fußball spielen. Für mich ist klar, ich bin entweder bei Rapid oder ich spiele nicht mehr Fußball. Ich bin seit neun Jahren beim Verein und mir bedeutet der Verein sehr viel, deswegen will ich mir keine weiteren Gedanken machen. Ich glaube nicht, dass ich eine Trainerkarriere einschlagen werde und sehe mich eher in einer Management-Position. Ich weiß aber, dass man da viel lernen muss. Der Fokus ist jetzt aber ganz klar beim Fußballspielen und das soll auch so bleiben.“
…über den Abgang von Leo Greiml: „Es ist schade, weil er ein junger Bursche ist, der in dieser Saison gute Leistungen bisher gebracht hat. Es ist schade, wenn ein talentierter guter Spieler den Verein verlässt, aber Reisende soll man nicht aufhalten. Wenn er sich woanders umschaut, soll er es tun und ich wünsche ihm alles Gute. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei meinem ersten Vertrag mit einem Manager gesessen bin. Leo hätte das Potenzial gehabt, weil er anpackt und Gas gibt und andere voranpeitschen kann. Er verlässt den Verein und es muss der nächste Junge nachkommen. Aktuell wagen viele junge Spieler den Schritt ins Ausland. Ob es gut oder schlecht ist, wird sich am Ende des Tages zeigen. Ich war immer Fan davon, sich in Österreich zuerst einen Namen zu machen und dann die nächsten Schritte zu machen.“
…über die Situation für Yusuf Demir: „Das wäre für keinen jungen Spieler einfach. Du stehst vor einem halben Jahr und hörst die Champions League-Hymne und musst dann den Schritt zurückmachen zu Rapid. Er wollte den Schritt auch zurückmachen, aber die Erwartung ist brutal hoch von außen an ihn und man vergisst oft, dass er sehr jung ist. Man sieht im Training, was der Junge draufhat. Vom Talent her kann ich mich nicht erinnern, dass ich mit jemandem in dem Alter trainiert habe, der so gut war. Die österreichische Liga ist gut und da muss sich jeder junge Spieler beweisen. Yusi hat es selbst in der Hand, wo die Reise hingeht. Er braucht Zeit und von uns hat er sie.“
…über die Rolle des Teamchefs der Herren-Fußballnationalmannschaft: „Es ist brutal schwierig Teamchef zu sein. Es kommen immer wieder Spieler zusammen und das nur alle paar Monate. Für mich müssen die aktuell besten österreichischen Spieler in der Startelf stehen – auf ihrer Position, wenn es geht.“
Georg Teigl (FK Austria Wien):
…über die Arbeit an seinem Comeback: „Der Verlauf sieht positiv aus. Ich sehe, dass ich jeden Tag einen Schritt mehr machen kann, konnte auch schon die ersten Schritte am Laufband laufen und ich hoffe, dass es nicht mehr allzu lange dauert.“
…über ein mögliches Comeback in dieser Saison: „Das wäre mein großes Ziel, aber ich muss auf die Ärzte hören. Eine Kopfverletzung ist ein ganz anderes Milieu. Bei den Beinen darf es ein bisschen zwicken, aber beim Kopf ist es etwas anderes.“
…über seine Zeit auf der Tribüne: „Ich versuche präsent in der Kabine zu sein und die Mitspieler schätzen mich für meine erfrischende, positive Art und die versuche ich hineinzubringen und den Spielern zu zeigen, es geht immer weiter und man kann alles gemeinsam schaffen.“
…über die Entwicklungen beim Verein: „Es hat sich einiges getan, seitdem Orti (Manuel Ortlechner, Anm.) da ist, nicht nur durch ihn aber auch durch andere Leute. Sie stehen mir zur Seite, wie ich es mir lange gewünscht habe von einem Verein. Das ist sehr besonders und ich schätze es auch sehr. Beweisen muss man sich immer, aber es ist etwas anderes, wenn jemand neben dir steht und dir vertraut und seine Zukunft mit dir sieht. Das ist unglaublich geil und ich habe Riesenspaß an dem Job. Es ist eine neue Rolle, die ich habe, mit den jungen Verrückten in der Kabine, die ein bisschen lauter sind, als wir es früher waren. Ich hoffe, noch viele Jahre bei der Austria zu bleiben.“
…über den Weg der ‚jungen Wilden‘ bei Austria Wien: „Man kann junge Spieler, die seit klein auf bei der Mannschaft sind, den Fans super transportieren. Das verbindet emotional. Sie tragen es super nach außen und man verzeiht jungen Spielern leichter einen Fehler. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs mit uns ihren Traum leben dürfen und die Fans lieben das. Die Fans lieben nichts mehr, als ihre ‚kleinen Veilchen‘ von unten nach oben groß werden zu sehen und vor ihnen ein Tor schießen zu sehen.“
…über die jungen Spieler bei FK Austria Wien und die Rolle der älteren Spieler: „Vorzuleben, was es heißt, Profi zu werden und zu bleiben. Wenn du eine gute Anlage und Talent hast, schaffst du es schnell einmal hinauf, aber die Kunst ist es, oben zu bleiben. Die Jungen müssen bestätigen, dass sie dort sind, wo sie sind. Ich werde meinen Platz niemals einem Jungen räumen. Schenken werden wir (die Älteren, Anm.) ihnen nichts, aber wir werden ihnen immer zur Seite stehen. Ich hatte immer ältere Spieler in der Mannschaft, die mich zur Seite genommen haben und mir etwas erklärt haben. Erfahrung kann man sich nicht kaufen, das muss man leben. Ich gehe jeden Tag durch die Kabine mit meinem blauen Turnsackerl in den Kraftraum und rolle eine halbe Stunde, damit ich meine Muskeln in Einklang bringe und ich hoffe, dass sich der eine oder andere auch ein Turnsackerl zulegt und es mir gleichmacht.“
…über seine Verletzung und die Hilfe durch Christopher Wernitznig und Luka Lochoshvili: „Ich weiß nach wie vor nicht, was passiert ist. Ich kenne es nur von Bildern, aber die habe ich ganz wenig geschaut. Wie viele Nachrichten ich bekommen habe, war überwältigend und hat mir viel Kraft gegeben und die Ärzte haben mir gesagt, ich hatte Glück und dass es weit schlimmer hätte sein können. Das erdet noch mehr und ich kann sagen, mir geht es gut und ich muss nicht wochenlang im AKH liegen. Die Schwestern dort sind unglaublich, wie sie den Job machen, aber es gibt nichts Schlimmeres als krank zu sein und ich bin froh wieder dort weg zu sein. Ich habe eine unglaublich starke Frau an meiner Seite und sie hat mir unglaublich viel Kraft gegeben und ich habe kennengelernt, mehr Zeit zu haben für entspanntere Dinge. Wenn das an einer Eckfahne passiert, kann es auch sein, dass das ein paar Minuten dauert und keiner bekommt das so richtig mit.“
…über den Kontakt zu Christopher Wernitznig und Luka Lochoshvili nach ihrer Hilfe: „Ich habe ihnen per WhatsApp geschrieben und mich gleich bedankt für das Ausklammern des Wettkampfes, dass es nicht um Punkte geht, sondern um jemand anderen, dem es nicht gutgeht. Ich wüsste nicht, wie ich reagiert hätte in so einer Situation. Ich habe sie im Hotel vor dem nächsten Spiel drei Wochen später gesehen und mich persönlich bedankt und meine Mama war auch da und wollte sich bedanken und ihnen Glücksbringer geben.“
…über die Situation für Yusuf Demir: „Er ist ein junger Spieler, der Riesentalent hat. Ich finde es unmöglich, was von den Medien auf ihn projiziert wurde. Es ging bei Barcelona nicht auf, weil es unglaublich schwierig ist, dort einen Vertrag zu bekommen. Man muss sagen, dass unsere Medienlandschaft versagt hat.“
…über seine Zeit in Deutschland: „In Deutschland war alles um einiges kälter. Dort hast du ein, zwei Chancen und dann performst du nicht so, wie sie das wollen und es geht um den respektvollen Umgang miteinander. Ich bin trotzdem dankbar für diese Zeit, aber es war die Hölle. Ich bin in einer Stadt gesessen, wo ich nicht mehr genau gewusst habe, was ich tue. Wenn dir die Säule Fußball wegbricht, wo du dich verwirklichen kannst und spürst, dass du nicht wertgeschätzt wirst, dann macht mich das kaputt und das würde jedem Menschen genauso gehen. Es war keine leichte Zeit, aber ich habe mich besser kennengelernt und wusste, dass ich mich trotzdem nicht hängen lasse.“
…über seine Frau als Business-Frau mit ihrem eigenen Unternehmen und seine Mitarbeit: „Sie ist ein ‚Doer‘ und ich bin eher ein ‚Thinker‘. Sie ist eine riesige Bereicherung für mein Leben und sie berührt die Leute mit dem, was sie tut. Momentan ist es auch sehr spannend, mehr dabei zu sein und involviert zu sein mit den Angestellten. Ich bin der Co-trainer und sie ist der Trainer. Sie hat ihr eigenes Geld verdient. Ich bin unglaublich stolz, sie an meiner Seite zu haben.“
David Alaba (Real Madrid) im Zuspieler:
…über seinen Wunsch-Teamchef: „Einer, der einen guten Zugriff hat zur Mannschaft, der – was das Fußball-Denken betrifft – zu uns passt. Wir sind eine Mannschaft, die das Potenzial hat, guten Fußball zu spielen, die qualitativ gut bestückt ist mit Einzelspielern und die Aufgabe des Trainers ist es, alles zusammenzufügen und auf den Platz zu bringen und dass er eine Philosophie und Handschrift entwickelt.“
Walter Kogler (Sky Experte):
…über die Leistung von Rapid im gestrigen Spiel gegen WAC: „Sie haben aus den Möglichkeiten, die sie hatten – und das waren nicht allzu viele – das Maximum herausgeholt. Sie haben alle Ressourcen angezapft, die da waren. Christopher Dibon musste von der erste Minute ran und hat die ganzen 95 Minuten durchgespielt. Man hat alles angezapft, was da war, von Langzeitverletzten bis zu ganz jungen Spielern und dann den Sieg einzufahren, das war beeindruckend.“
…über die gestrige Niederlage von Austria gegen Sturm: „Die Leistung von Austria war solide, aber wenn du auswärts in Graz einen Punkt mitnehmen oder gewinnen willst, dann reicht solide nicht. Sturm hat mehr Zweikämpfe gewonnen und sie waren die aktivere Mannschaft über 90 Minuten, deswegen ist es eine verdiente erste Niederlage in diesem Jahr.“
…über junge Spieler bei FK Austria Wien und SK Rapid Wien: „Die Austria ist gezwungen auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und auch vor drei, vier Jahren wären junge Spieler bei der Austria gewesen, die hineinwachsen hätten können. Jetzt haben junge Spieler die Chance bekommen. Bei Rapid bekommen plötzlich auch junge Spieler ihre Chance, nachdem Fountas, Kara, etc. weg sind. Sie spielen hervorragend. Sie werden ins Wasser geworfen und wenn sie schwimmen, müssen sie permanent über Wasser bleiben. Wenn sie es schaffen, ist es für den Verein super und für die Fans etwas ganz anderes. Es ist für einen Verein auch wichtig, einen gewissen Stamm an selbst ausgebildeten Spielern zu haben. Das ist ein Schatz, den ein Verein hat und diese Mannschaften sind immer erfolgreich, das zeigt auch die Vergangenheit.“
…über den Abgang von Leo Greiml: „Aufgrund seiner Verletzung birgt das einige Gefahren. Jeder Verein, der Spieler aufnimmt, hat hohe Erwartungen und ich weiß nicht, ob er mit Saisonstart auf dem Level sein wird nach der Verletzung, das erwartet wird. Im Ausland holt man sich Legionäre und es wird erwartet, dass du eine gewisse Reife und Spielpraxis hast.“
Bild: GEPA
