„Claudy, gib nicht auf“ – Per Trainerwechsel zur Torjägerkrone
Die Karriere der Freunde Serge-Philippe Raux-Yao und Oumar Solet dient als Vorbild. Der Glaube an Gott, die Mutter als größter Fan und das Vertrauen seines neuen Trainers waren die Basis für fantastische Zahlen in der abgelaufenen Saison: Claudy M’Buyi vom SKN St. Pölten, Torschützenkönig der Saison 2024/25 in der ADMIRAL 2. Liga, spricht im Sky-Interview mit Eric Niederseer über seine Durchbruchsaison in Österreich, seine Lieblingsposition und den erwartbaren, nächsten Karriereschritt.
Sky: „Claudy, eine für Sie sehr erfolgreiche Saison ist zu Ende gegangen. Wären Sie noch gerne weiterhin auf Torejagd gegangen oder sind Sie doch froh, dass die Saison nun beendet ist?“
Claudy M’Buyi: („lacht“): „Ich bin froh, da die Saison sehr lange war. Mein Fokus liegt jetzt darauf, gut zu regenerieren und endlich Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Nach unserem letzten Spiel bin ich zurück nach Paris zu meiner Familie geflogen, weil meine Mutter dort lebt – und im Moment verbringe ich meinen wohlverdienten Urlaub“.
„Über die Bedeutung Ihrer Familie kommen wir später noch genauer zurück. Sprechen wir zunächst über Ihre Jugend: Hatten Sie immer den Traum, Profifußballer zu werden?
“Natürlich. Schon als elfjähriger Junge, als ich in den Straßen und dann in der Akademie in Frankreich gekickt habe, hatte ich diesen Traum. Als Kleiner Junge hat man oft diese Träume. Umso schöner, dass ich diesen Traum jetzt leben darf“.
Torjägerkrone dank Trainerwechsel? „Tanrivermis gab mir das Gefühl, dass ich sein Stürmer bin“
„Der Start in diese Saison war alles andere als einfach für Sie: Aber es scheint zumindest so, als hätte sich mit dem neuen Trainer Tugberk Tanrivermis, der im Oktober 2024 den SKN St. Pölten übernahm, Vieles verändert. Sie haben alle Ihrer 21 Ligatore seit dem Trainerwechsel erzielt. Was hat er in Ihnen gesehen, was andere möglicherweise nicht gesehen haben?“
„Ja, ich denke der neue Coach war ein Mitgrund für meine Saison. Er hat viele Gespräche mit mir gesucht. Hat mir erklärt, wie und wo er mich auf dem Feld sehen will. Aber abgesehen von den taktischen Inputs, hat er mir auch das Selbstvertrauen in meine Stärken und Qualitäten zurückgegeben. Ich war verletzt und als er übernommen hat, gab er mir sofort das Gefühl, dass ich ‚sein Stürmer‘ bin. Ich schätze dieses Vertrauen sehr, das er mir gegeben hat. Vor allem aber hat er auch taktisch einige Dinge verändert, die besser zu meinem Spielstil passen. Wir haben im Training einen der Schwerpunkte auf den Abschluss gelegt. Unser Fußball war direkter, ich kam in bessere Abschlusspositionen. Ich bin ein Stürmer, der viel Vertrauen braucht. Der das Vertrauen spüren muss und sich dadurch Selbstvertrauen erarbeitet, um die beste Version von mir zu sein. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass die zweite Saisonhälfte eine gute wird“.
„…und das wurde sie dann auch. Sie haben die Torjägerkrone in der zweiten Liga abgestaubt. Hat diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung für Sie?“
“Ja, es bedeutet mir eine Menge. Vor allem, weil es nach meiner Zeit in Frankreich meine ersten, fußballerischen Erfahrungen und Schritte in einem neuen Land waren. Dass ich nun Toptorjäger wurde, ist eine riesige Sache für mich”.
„Claudy, gib nicht auf“ – M’Buyi über seinen größten Fan und zwei beste (Fußball)Freunde
„Sie gingen in dieser Saison mit der unüblichen Nummer 71 für den SKN St. Pölten auf Torejagd. Hat diese Trikotnummer eine spezielle Bedeutung für Sie?“
“Absolut. Die Trikotnummer repräsentiert das Geburtsjahr meiner Mutter. Als ich Frankreich verlassen habe, war sie so stolz auf mich, dass ich meinen fußballerischen Weg gehe. Ich habe eine ganz besondere Verbindung zu ihr. Wir telefonieren jeden Tag, sie ist mein größter Fan”.
„Wenn man sich die Fakten ansieht, scheint es so, dass es in Ihrer Karriere in den letzten Jahren stetig bergauf ging. Von der Akademie, über die vierte und dritte französische Liga, bis hin in die zweite Liga in Österreich. Aber hat es auch schwierige Phasen gegeben, in denen Sie an sich gezweifelt haben?“
“Ja, wie bei jedem Fußballer. Es gab viele ‚Ups and Downs‘. Natürlich hatte ich schwierige Phasen, die mich geprägt und stärker gemacht haben“.
„Was und vor allem wer gab Ihnen in dieser Zeit Halt und Vertrauen?“
„Meine Mutter hat immer gesagt: ‘Claudy, gib nicht auf. Im Fußball kann sich in kürzester Zeit Alles ändern‘. Das hat mir sehr geholfen. Und auch meine Religion. Ich bin sehr religiös. Dieser Glaube an Gott und das Vertrauen in ihn hat mir Zuversicht gegeben und ist sicherlich eine meiner Stärken“.
„Nach den fußballerischen Anfängen in Frankreich folgte dann 2024 der Schritt nach Österreich. Der erste Schritt weg von Ihrer Heimat. Warum genau Österreich? “
“Einer meiner Freunde ist Oumar Solet, der für den FC Red Bull Salzburg gespielt hat. Und Serge-Philippe Raux-Yao vom SK Rapid. Als ich sie hier gesehen habe, dachte ich mir, dass ich hier auch spielen möchte. Ich war bereit für eine neue Herausforderung in einem neuen Land. Und ich erinnere mich: als ich hierhergekommen bin, waren die ersten zwei bis drei Monate eine echte Herausforderung. In diesen Momenten haben mir der Verein und meine Bezugspersonen sehr geholfen“.
„Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede des österreichischen Fußballs im Vergleich zu dem, was Sie in Frankreich erlebt haben?“
“Der Fußball hier ist viel direkter als in Frankreich. Ich liebe es, weil es meinen Spielstil zugutekommt und ich mir viele Chancen erarbeiten kann. Jeder Stürmer liebt diese Art des Fußballs”.
„Wie würden Sie Ihre Art des Fußballs beschreiben und wo können Sie sich noch verbessern?“
“Jeder Spieler muss täglich an sich arbeiten, es gibt immer etwas zu verbessern. Aber ich versuche im Training immer 200 % zu geben. Außerdem habe ich sehr viele Spiele von meinen Vorbildern Victor Osimhen und Didier Drogba gesehen. Um von Ihnen zu lernen und mir Ihre Qualitäten anzueignen. Ich liebe es, Spieler wie sie auf dem Platz zu sehen“.
„Osimhen und Drogba sind klassische Neuner. Sie sind in der Offensive aber flexibel einsetzbar, auch auf der Außenbahn. Wo fühlen Sie sich selbst aber am wohlsten?“
“Ganz klar als Neuner. Ich habe bereits Stürmer gespielt, als ich zwölf Jahre alt war. Die klassische Stürmerrolle ist meine beste Position. Da weiß ich genau, welche Läufe ich machen muss und wie ich instinktiv zu meinen Chancen und Toren komme. Auf dieser Position fällt es mir definitiv um einiges leichter“.
„Bereit für den nächsten Schritt? „Ja, ich will mich auf dem höchsten Level beweisen“
„Durch Ihre persönliche Statistik in dieser Saison haben Sie bewiesen, dass der Schritt nach Österreich der richtige war. Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer 2026 aus, Sie haben das Interesse einiger Vereine im In- und Ausland geweckt. Fühlen Sie sich bereit für den nächsten Schritt?“
„Ja, auf alle Fälle, ich bin bereit. Aber wie gesagt: Gott wird wissen, was und vor allem wann der beste Schritt für mich ist“.
„Was ist für Sie wichtig bei der Wahl eines zukünftigen Vereins?“
“Sollte ich den Verein wechseln, ist das Wichtigste für mich, das Vertrauen des Klubs zu spüren und dass sie hinter mit stehen. Dann kann ich dem Verein die beste Version von mir zurückgeben“.
„Abschließend: In einer perfekten Karriere, wie sehen Ihre kommenden Jahre aus?“
“Das kann man nie planen, weil im Fußball Alles so schnell geht. Was ich aber sagen kann: Als ich nach Österreich gekommen bin, war mein Ziel, in der Bundesliga zu spielen. Aber nicht nur in der ersten Liga in Österreich, auch in den umliegenden Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden. Das ist das Ziel von vielen Spielern und auch mein Ziel. Ich will mich auf dem höchsten Level beweisen“.
„Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg bei der Erfüllung dieses Ziels.“
Text: Eric Niederseer
Beitragsbild: GEPA
