NEW YORK, NEW YORK - SEPTEMBER 02: Alexander Zverev of Germany argues a point during his Men's Singles second round match against Brandon Nakashima of the United States on Day Three of the 2020 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 2, 2020 in the Queens borough of New York City. (Photo by Al Bello/Getty Images)

Corona-Chaos bei den US Open: “Zverev hat einen Eklat verhindert”

via Sky Sport Austria

Das Chaos in der New Yorker “Blase” nimmt kein Ende, nun mischt sich auch die Politik ein: Im unübersichtlichen Durcheinander um Spieler-Ausschlüsse wendete Alexander Zverev mit Geduld und Fairness größeren Schaden von den US Open ab.

Für Boris Becker war der Fall klar: Dass die US Open in ihrem vogelwilden Corona-Chaos (bislang) noch halbwegs glimpflich davongekommen sind, war auch dem deutschen Spitzenspieler Alexander Zverev zu verdanken. “Man kann fast sogar so weit gehen”, sagte die Tennis-Ikone bei Eurosport, “dass Sascha Zverev das Turnier gerettet hat.” Und Deutschlands Frauentennis-Chefin Barbara Rittner pflichtete Becker sofort bei. Zverev habe durch Geduld und Sportsgeist “einen Eklat verhindert”, meinte sie, “ich glaube, da hätte das ganze Turnier abgebrochen werden können.”

Die intransparenten und inkonsequenten Sicherheitsmaßnahmen in der vermeintlichen New Yorker Tennis-“Blase” sind ohnehin der Daueraufreger der US Open, doch am Wochenende überschlugen sich die Ereignisse – weil auf einmal auch die Politik mitspielte.

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Ausnahmegenehmigung für Mannarino

Da sollte der Franzose Adrian Mannarino vor seinem Drittrundenmatch gegen Zverev wegen neuer Quarantäne-Bestimmungen plötzlich aus dem Turnier genommen werden, der Hamburger wähnte sich kurzzeitig schon kampflos im Achtelfinale. Dann erhielt Mannarino eine Ausnahmegenehmigung und Zverev willigte ein, mit rund dreistündiger Verspätung doch noch zu spielen. Und als wäre dies nicht schon chaotisch genug, wurde am Samstag das topgesetzte Damendoppel Timea Babos/Kristina Mladenovic (Ungarn/Frankreich) aus dem Turnier gestrichen. Diesmal ohne Ausnahme.

Alles geht auf den positiven Coronatest des Franzosen Benoit Paire vor Turnierstart zurück. Zunächst war dessen Kontaktpersonen, darunter Mannarino und Mladenovic, von der Stadt New York eine strenge Sonder-Quarantäne auferlegt worden, Matches und Trainings auf der Anlage waren der Gruppe von bis zu elf Profis nach Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls aber weiterhin erlaubt. Zumindest so lange, bis am Freitag kurz vor Mannarinos Drittrundenmatch bundesstaatliche Behörden ein Veto einlegten.

Mannarinos Glück dürfte gewesen sein, dass er sich schon zur Vorbereitung auf dem Turniergelände befunden hatte. Nach hektischen Verhandlungen mit den Gesundheitsbehörden erwirkte der US-Tennisverband USTA doch noch eine Spielerlaubnis für den Franzosen – und verhinderte eine komplette Farce. Auch, weil Zverev große Fairness bewies.

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Zverev: “Ich musste ihm die Zeit geben”

“Ich hätte auch sagen können: ‘Nein, wir spielen zu der Zeit, zu der wir hätten spielen sollen. Wenn er nicht auf dem Platz ist, ist das sein Pech.’ Aber ich musste ihn unterstützen und ihm die Zeit geben”, sagte Zverev, der dann doch auf dem Court ins Achtelfinale einzog. Zuvor hatte der Weltranglistenerste Novak Djokovic gar versucht, New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo anzurufen, um ein Gnadengesuch für Mannarino vorzubringen.

“Es ist immer schlecht, wenn sich die Politik einmischt und es Kompetenzgerangel gibt”, meinte Becker zu dem unwürdigen Schlingerkurs, der seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, als die Turnierfavoritinnen Babos/Mladenovic nicht mehr zum Doppel-Achtelfinale antreten durften.

Nach Anordnung des Landkreises Nassau, wo das Spielerhotel steht, dürfen Paires Kontaktpersonen ihre Zimmer bis zum Ende der vorgeschrieben Quarantäne am 11. September nicht mehr verlassen. Das Gesundheitsministerium des Bundesstaats New York unterstützte die Maßnahme, die “im besten Interesse der Spieler, des Personals und der allgemeinen Öffentlichkeit” sei.

Während Landsfrau Alize Cornet von einem “Schock” sprach, äußerte sich Mladenovic zu ihrem Ausschluss zunächst nicht. Ihren Unmut hatte sie aber schon nach ihrem Zweitrunden-Aus im Einzel deutlich zum Ausdruck gebracht. In Tränen aufgelöst sprach sie von einem “Albtraum”, sie fühle sich wie eine “Gefangene” oder “Kriminelle”. Wenn sie nun bis Freitag in ihrem Hotelzimmer eingesperrt ist, dürfte sich daran kaum etwas ändern.

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(SID)

Bild: Getty