Daniel Tiefenbach – Ein steiniger Leidensweg mit hohen Zielen

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Der 11. Dezember 2020 und der 8. Februar 2022: Zwei Daten, die dem zentralen Mittelfeldspieler der SC Austria Lustenau, Daniel Tiefenbach, wohl in trauriger Erinnerung bleiben – gefolgt von einer enormen Leidenszeit und dem harten Weg zurück in den Profifußball.

Der erste Rückschlag in der 13. Runde der Saison 2020/2021: Der ehemalige ungarische Juniorennationalspieler geht im Zweitligaduell gegen den GAK nach sieben Minuten zu Boden. Die Schock-Diagnose lautet: Kreuzbandriss im rechten Knie. Es folgt ein elfmonatiger Leidensweg zurück auf den Rasen. Das angepeilte Comeback dann am 19.11.2021 gegen die Young Violets aus Wien – gekrönt vom emotionalen Treffer zum 3:1. Lange jedoch währt die Freude beim nun 23-Jährigen nicht. In der Wintervorbereitung zur Rückrunde die erneute Hiobsbotschaft: Beim letzten Testspiel im Trainingslager in der Türkei erleidet Tiefenbach erneut einen Kreuzbandriss – diesmal jedoch im rechten Knie. Er wird in seiner Entwicklung erneut ausgebremst.

Sky-Reporter Eric Niederseer widmete sich in einem ausführlichen, inspirierenden Gespräch mit dem Mittelfeldtalent seiner emotionalen Leidenszeit, den Vergleichen mit seinem Vater und selbstbewussten Zielen.

Sky: „Vorab das Wichtigste: Wie geht es Ihnen?“

Daniel Tiefenbach: „Mir geht’s gut, vielen Dank! Eigentlich stehe ich gefühlt schon wieder auf dem Platz. Die zweite Reha-Phase gestaltete sich deutlich einfacher als die erste. Es gab weniger Komplikationen, da mir die genauen Abläufe nach der ersten Verletzung bereits klar waren. Dadurch war es der Körper schon ein klein wenig gewohnt („lacht“). Ich darf vermutlich in zwei Wochen sukzessive ins Mannschaftstraining einsteigen. Laut meinem Reha-Trainer kann ich die gesamte Wintervorbereitung hundertprozentig mitmachen und werde im Januar spielbereit sein. Ich will Step by Step in die Zweikämpfe einsteigen, sodass ich zum Rückrundenstart voll belastbar bin.“

Fragen über Fragen in der schlimmsten Zeit der Karriere – „Wieso genau ich?“

Sky: „Blicken wir auf die beiden schweren Verletzungen zurück: Welche Emotionen verbinden Sie mit den vergangenen zwei Jahren?“

„Im ersten Moment war es sicherlich die schlimmste Zeit meiner Karriere. Vor allem für den Kopf war es der größte Schock meines Lebens. Als junger Spieler ist man auf so etwas nicht vorbereitet und solche Rückschläge sind nochmal schwieriger, weil man immer spielen will, immer im Rhythmus sein will. Das wirft einen doch sehr weit zurück. Beim zweiten Mal war es noch extremer, weil ich mich lange zurückgekämpft habe und mental bereit war. Es gehen einem viele Fragen durch den Kopf: ‚Wieso genau ich?‘, ‚Was habe ich falsch gemacht?‘, ‚Was hätte ich anders machen können?‘“.

Aus Liebe zum Spiel – „Würde mich auch ein drittes Mal zurückkämpfen“

Sky: „Gab es Ihrerseits bereits Gedanken an ein frühzeitiges Karriereende?“

„Beim ersten Kreuzbandriss war es gar kein Thema, beim zweiten macht man sich schon seine Gedanken. Natürlich stellt man sich gewisse Fragen, weil man nie wissen kann, ob das Knie wieder so wird, wie es davor war. Aber grundsätzlich war es nie so, dass ich gesagt habe, es ist vorbei. Ich habe es bei beiden immer gesagt: Ich will wieder zurück, ich will wieder auf dem Platz stehen. Ich würde sogar noch weiter gehen: Ich würde mich auch ein drittes Mal zurückkämpfen.“

Vertragsverlängerung bis 2023 – „Der Glaube des Vereins hat mir enorm geholfen“

Sky: „Ihr Vertrag wurde im Juli diesen Jahres bis 2023 verlängert. Eine schöne Geste des Vereins in dieser schwierigen Zeit?“

„Auf alle Fälle. Bereits damals im Trainingslager in der Türkei, als es die Vermutung einer erneuten Bänderverletzung gab, hat ‚Alex‘ Schneider gesagt, dass er hinter mir steht. Die Verlängerung ist eine riesige Geste, die einem Spieler in meiner Situation enorm gut tut. Dieser Glaube an mich hat mir extrem geholfen.“

Sky: „Um auch anderen Leidensgenossen Mut zu machen: Welche mentalen Stärken benötigt es, nach zwei, derartig schweren Verletzungen zurückzukommen?“

„Die wichtigste Tugend ist sicherlich die Geduld. Dadurch, dass es immer wieder Rückschläge gibt und man nie weiß, wie es eigentlich weitergeht. Enorm wichtig ist sicherlich auch der Glaube, dass man zurückkommen kann – und, dass man den Spaß trotz der Schwierigkeiten nie verliert.“

Bundesliga-Debüt als Tiefenbachs „größter Ansporn“

Sky: „Sie konnten aufgrund Ihrer Verletzung die Bundesliga-Rückkehr der Austria nur aus der Zuschauerrolle beobachten und folglich noch keine Bundesliga-Minuten sammeln. Ist das Bundesliga-Debüt ein Traum, der Sie jeden Tag antreibt?“

„Das ist mein größter Ansporn. Vor allem, da ich nun die realistische Chance habe, Bundesligaluft zu schnuppern. Jetzt kann alles sehr schnell gehen und ich möchte die Gelegenheit nutzen, endlich in der Bundesliga aufzulaufen.“

Sky: „Nun zur Rolle Ihres Vaters Tamás Tiefenbach. Er ist eine prägende Person in der Lustenauer Vereinshistorie. Ist er in gewisser Hinsicht auch ein Vorbild für Sie?“

„Ja, auf und abseits des Platzes. Ich kann sicherlich sagen, dass er mein Vorbild ist. Vor allem während der Reha war er eine große Unterstützung, da er Extra-Schichten mit mir machte und mich in der Ernährung unterstützte. Egal um was es im Sport geht, er hat immer was auf Lager.“

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Keine Vergleiche mit seinem Vater – Tiefenbach will sich „einen eigenen Namen machen“

Sky: „Ihr Vater verbuchte 77-Bundesligaspiele für die Austria und erzielte dabei 17 Tore. Etwas, das Sie ihm eines Tages gleichtun wollen?“

„Ich vergleiche mich nicht gerne mit meinem Dad, weil ich mir einen eigenen Namen machen möchte. Aber es wäre sicherlich eine coole Geschichte, wenn ich eines Tages sagen könnte: ‚Ich habe mehr Bundesliga-Spiele als du‘. Er wäre sicherlich stolz auf mich und speziell nach den beiden Kreuzbandrissen wäre es eine schöne Story, wenn ich mehr Bundesliga-Einsätze verbuchen könnte.“

Sky: „Wie beurteilen Sie die derzeitige Saison Ihrer Teamkollegen?“

„Speziell die Anfangsphase war richtig stark. Keiner hat mit uns gerechnet. Keiner dachte, dass wir so viele Punkte holen. Mittlerweile ist die anfängliche Euphorie etwas abgeflacht. Es ist einfach eine ganz normale Zeit, in der wir jetzt drinnen stecken. Die Niederlagen gehören im Fußball dazu. Wir haben trotzdem eine gut eingespielte Mannschaft, einen guten Mix aus routinierten und jungen Spielern, die das Können haben, in der Bundesliga mitzuhalten. Wir werden das sicher bald abhaken und wieder bessere Ergebnisse einfahren können.“

Die internationale Bühne als Tiefenbachs großes Ziel

Sky: „Abschließend: Was sind Ihre kurzfristigen oder langfristigen Ziele mit Austria Lustenau?“

„Ich bin jetzt von allen Spielern am längsten beim Klub und mein bisheriges Ziel war immer, eines Tages Bundesliga zu spielen. Jetzt lautet die Devise, dass wir uns in der Liga etablieren und einen Namen machen. Danach will ich Schritt für Schritt gehen. Und irgendwann will ich auch internationale Luft schnuppern.“

Sky: „Vielen Dank für Ihre Zeit und auch weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg zurück auf den Platz!“

(Red.)

Bild: GEPA