Der Sky-Rückblick auf die Herbstsaison: Hartberg, Austria & Ried
Die Sky-Experten Marc Janko und Andreas Herzog blicken auf die Herbstsaison in der ADMIRAL Bundesliga zurück. Heute nehmen sie das Liga-Trio TSV Hartberg, Austria Wien und SV Ried genauer unter die Lupe.
Teil 2 von 5
TSV Hartberg

Marc Janko: Hartberg ist für mich neben dem LASK einer der Überraschungsmannschaften der Herbstrunde. Sie spielen mit einem relativ simplen Zugang zum Fußball, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Sie stehen defensiv kompakt und warten dann auf die Umschaltmomente.
Vorne haben sie mit allen voran Elias Havel Spieler, denen es extrem zugutekommt, wenn sie viel Gras vor sich haben. Havel hat eine unglaubliche Geschwindigkeit, eine super Torquote und hat sich auch im ersten Kontakt extrem verbessert, wie ich finde. Er ist möglicherweise eine spannende Alternative für Ralf Rangnick bei der WM, wenn er so weitermacht. Weil wir im Nationalteam solche Spieler mit dieser Schnelligkeit und diesem Umschaltvermögen eigentlich nicht haben. Ich könnte mir vorstellen, dass Rangnick überlegt, ihn vielleicht auf den nächsten Lehrgang mitzunehmen.
In Hartberg hat man es, anders als ein paar Kilometer weiter in Graz, geschafft, nicht nur in Steine, sondern auch in Beine zu investieren. Man hat sich super verstärkt und ist am Platz eine richtige Einheit. Ich glaube, in Hartberg ist jeder happy mit dem, was da gezeigt worden ist. Es ist wieder einmal ein großartiges Projekt.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass man so positiv über Hartberg spricht, aber das ist absolut ein österreichischer Vorzeigeverein in einer nicht so großen Stadt. Da wird richtig gute Arbeit geleistet. Da muss man Trainer Manfred Schmid, seinem Trainerteam, aber auch Brigitte Annerl und Erich Korherr ein riesengroßes Kompliment aussprechen, wie sie es seit Jahren schaffen, so stabil in der Liga zu sein und gleichzeitig so erfolgreich zu arbeiten.
Andi Herzog: Hartberg ist gemeinsam mit Ried die Überraschungsmannschaft der Liga. Sie hätten eigentlich noch ein paar Punkte mehr haben können. Negativ war, dass sie oft in der Nachspielzeit noch Tore bekommen haben, teilweise zwei oder sogar drei, und dadurch unnötig Punkte liegen gelassen haben. Sonst wären sie vielleicht sogar mit Salzburg im Kampf um die Tabellenführung.
Positiv ist die Spielweise mit einem tieferen Block. Das passt perfekt zu Elias Havel, der die Torschützenliste anführt. Es ist endlich wieder einmal ein junger Österreicher, der vorne in der Schützenliste dabei ist und aufzeigt, und das freut mich persönlich sehr.
Austria Wien

Marc Janko: Bei der Wiener Austria gibt es wieder sportliche, aber auch nicht sportliche Themen, die über allem schweben. Man weiß ja, Stephan Helm war schon das ein oder andere Mal angezählt, war gefühlt schon weg und hat es dann immer wieder im letzten Moment geschafft, das Ruder herumzureißen.
Dass er trotz seiner, wie ich finde, guten Arbeit intern nach wie vor kritisch gesehen wird zeigte auch der neue Sportdirektor Michael Wagner als er bei uns ins Mikro im Einleitungssatz erwähnt hat wie toll und gut Helm nicht arbeitet, um dann im Nachsatz anzuführen, dass man Helm nicht den Rücken stärkt, sondern „von Tag zu Tag schaut“. Aus meiner Sicht sehr kurios.
Helm-Verbleib bei der Austria? Wagner: „Schauen von Tag zu Tag“
Ebenso kurios die Aussage von Präsident Kurt Gollowitzer, als er bei der Vorstellung von Wagner meinte, dass die neue Ausrichtung des Vereins dann auch vom möglicherweise neuen Sportvorstand mitgegangen werden muss. Da frage ich mich schon, ob Gollowitzer ein Organigramm lesen kann. Denn in meinem Organigramm gibt ein Sportvorstand den Weg vor, nicht der Sportdirektor.
Man hat bei der Austria nicht das Gefühl, dass alle in eine Richtung rudern. Dass es im Hintergrund wieder aufkeimende Machtkämpfe gibt, ist offensichtlich und findet auch sehr öffentlich statt, ohne dass man das groß hinter dem Berg hält. Dementsprechend ist das Umfeld bei der Austria nach wie vor schwierig.
Sportlich muss man Trainer Helm aber ein Kompliment aussprechen, wie er es wieder geschafft hat, die Mannschaft so einzustellen, dass sie absolut ordentlich dasteht. Der Rückstand auf Platz zwei beträgt nur drei Punkte, und dass trotz der namhaften Abgänge. Mit Dominik Fitz haben sie den in den letzten Jahren überragenden Spieler verloren. Trotzdem haben sie es geschafft, das irgendwie aufzufangen.
Das hat am Anfang sicher ein bisschen Zeit gebraucht, damit das Neue wachsen konnte. Auch dafür muss man Trainer Helm ein Kompliment machen, dass er es in diesem Umfeld und bei viel Gegenwind immer wieder geschafft hat, standzuhalten. Gemessen an dem, was bei der Austria möglich ist, stehen sie absolut ordentlich da.
Andi Herzog: Durch den Heimsieg gegen Sturm Graz hat die Herbstsaison der Austria natürlich ein versöhnliches Ende gefunden. Trotzdem ist es nie richtig ruhig bei ihnen. Sie haben letztes Jahr die Chance auf den Meistertitel vergeben und heuer wieder einen schlechten Start in die Meisterschaft erwischt.
Dazu kommen die Abgänge, mit Maurice Malone und Dominik Fitz sind wahrscheinlich die zwei wichtigsten Offensivspieler weggefallen. Das ist nicht leicht zu ersetzen.
Trotzdem macht Stephan Helm, wie ich finde, einen richtig guten Job. Es ist aber nicht wie im letzten Jahr, als Aleksandar Dragovic zurückgekommen ist und man defensiv extrem stark war und die beste Defensive gestellt hat. Dieses defensive Niveau haben sie heuer noch nicht ganz erreicht.
SV Ried

Marc Janko: Sie spielen meiner Ansicht nach auch eine super Saison. Trainer Maximilian Senft macht mit seinem Trainerteam richtig gute Arbeit. Sie spielen absolut das, was man von ihnen erwarten kann, haben vielleicht sogar leicht überperformt.
Es ist eine absolut stabile Mannschaft in einem guten, ruhigen Umfeld. Ried ist eine absolute Bereicherung für die Liga und steht momentan verdient auf dem sechsten Platz. Und auch da gilt, so wie bei Hartberg: Nur drei Punkte Rückstand auf Platz zwei, das ist aller Ehren wert.
Andi Herzog: Ried ist als Aufsteiger unter den Top sechs, das ist natürlich ein absolut starker Herbst. Vor allem mit ihrer Heimstärke und ihrer Stärke bei Standardsituationen haben die Mannschaft im Herbst nach vorne gebracht. Der Trainer Maximilian Senft ist schon länger bei der Mannschaft, hat sie erfolgreich aus der 2. Liga in die Bundesliga geführt, und diese Erfolgsstory scheint richtig gut weiterzugehen.
Mit einem Platz unter den ersten sechs hat man in Ried nicht unbedingt rechnen können. Mit Kingstone Mutandwa hat man auch einen guten Stürmer dazugeholt, einen echten Torjäger. So einen braucht jede Mannschaft, um erfolgreich zu sein. Wenn du als Aufsteiger nach 17 Runden in den Top sechs stehst, gibt es nichts Negatives zu sagen.
Bilder: GEPA
