Der Sky-Rückblick auf die Herbstsaison: Rapid, WAC & Altach

Der Sky-Rückblick auf die Herbstsaison: Rapid, WAC & Altach

Die Sky-Experten Marc Janko und Andreas Herzog blicken auf die Herbstsaison in der ADMIRAL Bundesliga zurück. Heute nehmen sie das Liga-Trio SK Rapid, Wolfsberger AC und SCR Altach genauer unter die Lupe.  

Teil 3 von 5

SK Rapid

Bei Rapid hängen nach einem völlig verkorksten Jahresende die Köpfe
Bei Rapid hängen nach einem völlig verkorksten Jahresende die Köpfe

Marc Janko: Rapid hat bisher einen ganz kuriosen Saisonverlauf. Man ist mit einem Bundesliga-Startrekord gestartet und war dann in den darauffolgenden Spielen historisch schlecht. Das beschäftigt den Verein momentan sehr, sehr stark.

Peter Stöger wurde mit großem Vorschussvertrauen geholt, hat es aber aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft, die Mannschaft zu stabilisieren. Für die gesamte Rapid-Familie ist das derzeit eine ganz schwierige Zeit, weil man auch nicht weiß, wo man konkret ansetzen soll. Auch das aktuelle Trainer-Setup um Stefan Kulovits sehe ich kritisch. Zu sogenannten Schatten-Trainern habe ich meine Meinung ja bereits on air gesagt und ich glaube nicht, dass dieses Konstrukt bei irgendeinem Verein ideal ist. Damit tut man dem hauptverantwortlichen Trainer sicher keinen Gefallen. Ich sage aber nicht, dass dies ausschlaggebend für das Scheitern von Stöger war.

Wie Kulovits oder Ritscher – Janko: „Ich halte von den Schattentrainern nichts“

Ich sage nicht, dass es allein daran liegt, aber wenn man sich Rapid anschaut, gibt es einfach zu viele Themen rundherum, die es einem Trainer extrem schwer machen, erfolgreich zu arbeiten. Für mich ist es auch ein Rätsel, welcher Trainer der richtige für Rapid wäre, weil man es in den letzten Jahren schon mit sehr unterschiedlichen Trainerprofilen versucht hat.

Die Erwartungshaltung ist immer extrem groß, dem wird man seit Jahren aber nur bedingt gerecht. Auch hier wäre es wichtig, dass der gesamte Verein wieder in eine Richtung rudert. Insgesamt bleibt es momentan aber ein sehr schwieriges Umfeld.

Andi Herzog: Rapid ist fantastisch in die Saison gestartet und hatte schnell vier oder fünf Punkte Vorsprung. Viele haben in Österreich geglaubt, dass das vielleicht sogar der Weg Richtung Meistertitel oder zumindest in Richtung eines Titelkandidaten sein könnte. Ich glaube, der Einzige, der die Situation von Beginn an richtig eingeschätzt hat, war Peter Stöger. Er war nie so euphorisch.

Nach einer langen Negativserie hat es dann aber auch Stöger nicht geschafft, den Verein zur Ruhe zu bringen. Deshalb weiß ich ehrlich gesagt nicht, welcher Trainer oder welcher Trainertyp bei Rapid funktionieren könnte. Ich habe es bei Rapid schon oft gesagt: Viele Neuverpflichtungen werden am Anfang hochgepriesen, aber die Qualität zeigt sich meistens erst dann, wenn es nicht so gut läuft. Genau in dieser Phase, in der nicht mehr alles leicht von der Hand oder vom Fuß gegangen ist, haben vor allem diese Neuverpflichtungen nicht mehr funktioniert.

Zum Schluss, unter Stefan Kulovits, waren dann wieder, glaube ich, acht Österreicher in der Startformation. Es gab ja auch schon Zeiten, in denen gar kein Österreicher oder nur Niklas Hedl gespielt hat. Das ist für Rapid natürlich kein gutes Zeichen. Dann kam der Absturz in der Tabelle.

Es war insgesamt ein komplett wechselhafter Herbst. In der Conference League ein einziger Punkt, in der Liga Tabellenführer und teilweise sehr dominant, da hat man gedacht, alles passt. Dann wieder fatale Niederlagenserien. Insgesamt war es ein total durchwachsener Herbst für Rapid.

Wolfsberger AC

Ismail Atalan konnte das Ruder beim WAC bisher noch nicht herumreißen
Ismail Atalan konnte das Ruder beim WAC bisher noch nicht herumreißen

Marc Janko: Der Abgang von Kühbauer hat die Mannschaft und den ganzen Verein natürlich erschüttert. Danach hat man es weder mit Peter Pacult noch jetzt mit Ismail Atalan geschafft, auch nur annähernd an die Leistungen von davor mit Kühbauer anzuknüpfen. Für mich ist das eine der großen Enttäuschungen der Herbstrunde.

Ich glaube, dass man da auch die Spieler in die Pflicht nehmen muss. Man hat ja rund um die Pacult-Ablöse gehört, dass da ein paar Spieler beteiligt gewesen sein sollen. Jetzt muss man Atalan einmal die Zeit geben, mit der Mannschaft zu arbeiten und schauen ob er das Ruder wieder herumreissen kann. Bei Kapfenberg hat er tolle Arbeit geleistet.

Dementsprechend ist das eine sehr schwierige Konstellation beim WAC und für mich klar eine der großen Enttäuschungen der Herbstrunde.

Andi Herzog: Auch der WAC ist eine riesige Enttäuschung. Seit Didi Kühbauer weg ist, läuft es einfach nicht mehr. Da muss man ehrlich gesagt auch ein bisschen die Spieler in die Pflicht nehmen. Es bringt nichts zu sagen, der Trainer ist weg und man ist geschockt oder ähnliches. Sie waren letztes Jahr Herbstmeister, haben bis ein paar Minuten vor Schluss um den Meistertitel mitgespielt. Dass man jetzt diesen Absturz im Herbst erlebt hat, noch dazu mit einem relativ guten Kader, das ist für mich gemeinsam mit Rapid die größte Enttäuschung.

Es sieht so aus, als konnten sie mit den großen Erwartungen nicht umgehen. Letztes Jahr waren sie fast Meister, und seit dem Trainerwechsel ist die Mannschaft einfach nicht mehr dieselbe wie im vergangenen Jahr. Jetzt sind meiner Meinung nach auch ganz klar die Spieler gefordert, denn die Qualität ist da, das kann man positiv festhalten.

Die letzten Wochen, seit Kühbauer weg ist, waren einfach schlecht. Das muss sich im Frühjahr ändern, sonst werden sie es nicht in die Top sechs schaffen. Dabei ist die Qualität da, um locker unter die Top sechs zu kommen, das haben sie letztes Jahr bewiesen. Jetzt ist die Mannschaft gefragt, ein anderes Gesicht zu zeigen.

SCR Altach

Patrick Greil konnte beim SCR Altach zum Unterschiedsspieler avancieren
Patrick Greil konnte beim SCR Altach zum Unterschiedsspieler avancieren

Marc Janko: Altach würde ich positiv bilanzieren. Sie spielen eine ordentliche Saison und sind die Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren in der Liga. Sie haben einen pragmatischen Zugang zum Spiel, und ich glaube, dort wird man im Großen und Ganzen zufrieden sein, wie die Saison bisher verlaufen ist.

Man darf sich von so einer Mannschaft auch keine Top-sechs-Platzierung erwarten, sondern eine ordentliche Saison, und genau das liefern sie. Trainer Fabio Ingolitsch stand auch Ende der letzten Saison in der Kritik. Es stand im Raum, dass er vielleicht abgelöst wird. Aber auch hier hat man im Umfeld Ruhe bewahrt und an ihm festgehalten. Ich glaube, das war eine gute Entscheidung, weil er das jetzt auch mit Punkten zurückzahlt.

Andi Herzog: Altach hat die beste Defensive der Liga und durch ein, zwei unnötige Niederlagen eigentlich einen besseren Tabellenplatz hergeschenkt. Trotzdem kann man mit dem Herbst zufrieden sein.

Defensiv ist das absolut solide. Offensiv haben sie mit Patrick Greil einen sehr starken offensiven Mittelfeldspieler dazugewonnen, der ein echter Unterschiedsspieler sein kann und das auch schon oft gezeigt hat, sei es mit sehenswerten Toren oder entscheidenden Pässen. In engen Spielen haben sie aber zu wenige Punkte geholt.

Defensiv stehen sie sehr gut, offensiv braucht es vielleicht noch ein bisschen mehr Qualität und vor allem mehr Genauigkeit im Abschluss, um mehr Spiele für sich entscheiden zu können.

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Bilder: GEPA